Samstag, 30. August 2014MESZ04:17 Uhr

Buchkritik

RomanRobinsonade auf Hiddensee
Lutz Seiler, deutscher Schriftsteller, Ingeborg-Bachmann-Preistraeger 2007. Aufgenommen am 08.10.2010 in Frankfurt

Inselabenteuer in der Ostsee, die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft. Das lang erwartete Romandebüt "Kruso" von Lutz Seiler ist eine grandiose sprachliche Exkursion in das ungesicherte Gelände verschiedener Zeitschichten.Mehr

Wiener KongressMächtige Frauen im Hintergrund
Der österreichische Staatsmann versuchte durch Kongreßdiplomatie, die vorrevolutionäre politische und soziale Ordnung in Europa wiederherzustellen. Er bekämpfte alle liberalen und revolutionären Bewegungen. Klemens Wenzel Fürst von Metternich wurde am 15. Mai 1773 in Koblenz geboren und ist am 11. Juni 1859 in Wien gestorben. Die zeitgenössische Darstellung zeigt stehend (l-r): Wellington, Lobo da Silveira, Saldanha da Gama, Löwenhjelm, Noailles, Metternich, La Tour du Pin, Nesselrode, Dalberg, Rasumofsky, Stewart, Clancarty, Wacken, Gentz, Humbold, Cathcart sowie sitzend (l-r): Hardenberg, Palmella, Castlereagh, Wessenberg, Labrador, Talleyrand und Stackelberg.

Prunkvolle Empfänge, exklusive Soiréen, informelle Gespräche. Die Kulturwissenschaftlerin Hazel Rosenstrauch stellt spannend und detailliert dar, wie gebildete und kluge Frauen vor 200 Jahren den Wiener Kongress beeinflussten.Mehr

RomanVereint in der Dunkelheit
Undatierte Aufnahme des englischen Schauspielers, Regisseurs, Drehbuchautors und Produzenten Charlie Chaplin als "Tramp".

Im seinem neuen Roman erfindet der großartige Erzähler Michael Köhlmeier eine Freundschaft zwischen dem Politiker Winston Churchill und dem Schauspieler Charly Chaplin. Die beiden Herren verbindet vor allem ihre Traurigkeit und Einsamkeit.Mehr

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Literatur

TagebuchLiebhaber des Halbschattens
Der Mailänder Dom

Als patriotisch gesinnter Student aus Mailand zieht Carlo Emilio Gadda 1914 in den Krieg und wird Schriftsteller. Erstmals erscheinen nun seine Kriegserinnerungen in Deutschland.Mehr

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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 18.07.2012

Wochenendtripps durch die USA

Barbara Ireland (Hg.), "The New York Times: 36 Hours", Taschen-Verlag, Köln 2011

New York, New York - "36 Hours" weckt das Fernweh und gibt Tipps für Reisen abseits der Touristenrouten.
New York, New York - "36 Hours" weckt das Fernweh und gibt Tipps für Reisen abseits der Touristenrouten. (picture alliance / dpa / Markus C. Hurek)

"36 Hours”, so heißt die legendäre Reisekolumne der New York Times, die seit zehn Jahren als wöchentliche Rubrik erscheint. Jetzt als Buch veröffentlicht, werden 150 Vorschläge für einen Wochenendausflug versammelt: für jene 36 Stunden zwischen Freitagnachmittag und Sonntagabend, die der Kolumne ihren Namen gab. Neben Metropolen wie New York oder Los Angeles führen Kapitel zu charmanten Nebenschauplätzen, zum Beispiel zu versteckten Architektur-Highlights in den Hügeln Pennsylvanias.

Freiheitsstatue, Museum of Modern Art, Times Square? Fehlanzeige! Das touristische Pflichtprogramm sucht man in "36 Hours” in der Regel vergeblich. Stattdessen beginnt der Wochenendtrip für das schillernde New York City mit dem Programmpunkt "Schlange stehen": An der Kasse des Lincoln Centers, wo Tickets für Abendvorstellungen für die Metropolitan Opera, die New York Philharmonic oder das City Ballet bis zur Hälfte billiger verkauft werden. Eine Stunde plant die Autorin für den Kauf von Eintrittskarten ein, danach bleibt eine Stunde für ein "pre-performance meal" und einen Drink in der pittoresken Bar gegenüber - dann geht’s schon los zur Vorstellung. Fertig ist der Auftakt für ein perfektes Wochenende in New York.

"36 Hours" fokussiert nicht das Mögliche, sondern das Machbare. Zeiten werden realistisch kalkuliert, damit der Besucher das Beste (nicht das Meiste) aus einem Wochenendtrip herausholen kann. Statt massentouristischer Highlights finden die Autoren das Besondere, Schräge oder Interessante: wie etwa die Laurel Highlands im Bundesstaat Pennsylvania. Dort, 80 km südöstlich von Pittsburgh, stehen mehrere Gebäude des amerikanischen Star-Architekten Frank Lloyd Wright. Darunter sein Meisterwerk "Fallingwater" – ein organisch über einen Bach eingepasstes Wohnhaus, das zu den bedeutendsten Beispielen amerikanischer Architektur zählt.

Jede Kolumne ist anders, die knapp hundert Autoren entwerfen äußerst individuelle Tagespläne für 150 Wochenenden in den USA und Kanada. Da der Aufbau der Texte identisch bleibt, ist das Buch übersichtlich und benutzerfreundlich: Die Kolumnen sind geographisch sortiert und beginnen jeweils mit einem kurzen Text, der erklärt, warum das Ausflugsziel einen Wochenendtrip wert ist. Es folgen die Tage "Freitag" bis "Sonntag" mit durchnummerierten Programmpunkten, die auf kleinen Stadtplänen detailliert verortet werden. Für die Buchveröffentlichung hat die ehemalige stellvertretende Reise-Ressortleiterin der New York Times, Barbara Ireland, alle Artikel aktualisiert und überarbeitet.

"36 Hours" ist kein dröger Reiseführer, sondern ein Kompendium der besten Reise-Kolumnen der New York Times. Mit über 1.000 Fotografien, farbenfrohen Illustrationen und bunten Bändern als Lesezeichen ist "36 Hours" auch optisch ein Schmuckstück. Die Ausflüge lassen sich miteinander kombinieren, so dass sich auch ein mehrwöchiger Sommerurlaub zusammenstellen lässt. Da ein großer Teil des Vergnügens die wunderbar geschriebenen Kolumnen selbst sind, lohnt es sich, ein Wörterbuch mitzunehmen: Das ein- oder andere nachgeschlagene Wort hilft, den Witz und Humor der hintergründigen Texte zu entschlüsseln. Dann gilt: Bravo! Lesespaß garantiert.

Rezensiert von Tabea Grzeszyk

Barbara Ireland (Hg.): "The New York Times, 36 Hours: 150 Weekends in the USA & Canada"
In englischer Sprache
Taschen-Verlag, Köln 2011
744 Seiten, 29,99 Euro

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