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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 22.11.2014

Wissenschaft und AlltagWozu brauchen wir die Philosophie?

Gäste: Philipp Hübl, Professor für Theoretische Philosophie, und Svenja Flaßpöhler, Vizechefredakteurin des "Philosophie Magazins"

Moderation: Matthias Hanselmann

Mehrere Hühnereier mit Fragezeichen (picture alliance / dpa)
Die Philosophie gibt Anregungen für das Sinnieren über die Fragen des Lebens. (picture alliance / dpa)

Wie führt man ein gutes Leben? Was ist Schönheit? Hat der Tod einen Sinn? Dies sind klassische philosophische Fragen, die sich viele Menschen im Laufe ihres Lebens stellen. Man muss kein Philosoph sein, um sie zu beantworten, aber die Philosophie kann Anregungen geben, über sie nachzudenken.

Wie kann die Philosophie helfen, unseren Alltag zu verstehen – und zu bewältigen? Wozu brauchen wir die Philosophie?

"Wenn man sich philosophische Fragen stellt, ist man sofort bei den Grundlagen von allen Lebensbereichen", sagt Philipp Hübl, Juniorprofessor für Theoretische Philosophie an der Universität Stuttgart.

"Die Grundlagen der Wissenschaft sind philosophisch begründet, alle Fragen des Lebens, des menschlichen Zusammenlebens. Politische Fragen haben am Ende eine philosophische Komponente, zum Beispiel die Abtreibungsdebatte. Man merkt oft gar nicht, dass man gewisse philosophische Fragen aufgenommen hat."

In seinem populärwissenschaftlichen Buch "Folge dem weißen Kaninchen..." führt er allgemeinverständlich und unterhaltsam in die Welt der modernen Philosophie ein und behandelt Fragen wie: Was ist Wahrheit? Gibt es Gott? Kann man ohne Gefühle leben? Was denken Computer?

Er lädt seine Leser ein, die Welt durch eine philosophische Brille zu sehen:

"Wenn wir uns philosophische Fragen stellen, gehen unsere Gedanken auf Wanderschaft, man sieht Altbekanntes mit einem schärferen Blick."

Und man entdecke eine neue, aufregende Gedankenwelt!

Philosophieren als Luxusangelegenheit?

"Man kann sagen, dass das Philosophieren insofern schon eine Luxusangelegenheit ist, als dass der geistige Raum dafür frei sein muss",

sagt Svenja Flaßpöhler, stellvertretende Chefredakteurin des "Philosophie Magazins" und Autorin.

"Um sich diese Fragen überhaupt stellen zu können, braucht es eine Entschleunigung, die Möglichkeit, Räume zu schaffen, eine Gesprächskultur, die im öffentlichen Raum geführt wird. So wie sie Sokrates auf dem Markt geführt hat. Heute haben wir eine Zurückdrängung ins Private. Heute regiert mehr der Konsumismus – durch die Ware, die wir uns kaufen, haben wir die Illusion, ein gutes Leben zu führen."

Aber was sei ein gutes Leben? Was früher geistig beantwortet wurde, werde heute oft durch Konsum ersetzt. Dabei gebe es heute mehr denn je Grund für die Philosophie:

"Die Philosophie ist die Möglichkeit, sich in der Welt zu orientieren. Wir leben in einer Welt der Desorientierung, der moralischen Fragen – zum Beispiel um die Sterbehilfe. Und die Philosophie schlägt eine Schneise, sie ist ein Angebot, etwas über sich selbst zu erfahren, im Sinne von 'Erkenne dich selbst'."

Wozu brauchen wir die Philosophie?
Darüber diskutiert Matthias Hanselmann von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr mit Svenja Flaßpöhler und Philipp Hübl. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen und Fragen stellen unter der Telefonnummer 00800 2254 2254 oder per E-Mail unter gespraech@deutschlandradiokultur.de.

Literaturhinweise
Philipp Hübl: "Folge dem weißen Kaninchen ... in die Welt der Philosophie"
Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg, 2012
Das "Philosophie Magazin"
Mehr zum Thema:

Welttag der Philosophie - Karl Marx - hochaktuell und missverstanden
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 20.11.2014)

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