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Religionen / Archiv | Beitrag vom 10.05.2014

WissenMit 72 Karten durch die Heilige Schrift

Schulkinder lernen mit einem Memory-Spiel die Bibel kennen

Von Irene Binal

Bibel (dpa / picture alliance / Arno Burgi)
Das Memory-Spiel soll Kindern den Zugang zur Bibel erleichtern. (dpa / picture alliance / Arno Burgi)

Wie kann man Kindern die Bibel nahebringen? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Religionspädagoge Rainer Oberthür. Vor ein paar Jahren hat er eine Kinderbibel herausgegeben - die jetzt um ein Bibelspiel ergänzt wurde. Macht so etwas Spaß?

Kind 1: "Um das Bibelspiel zu spielen, muss man erst die Karten sortieren, und wenn die Karten sortiert sind, kann man die Ausschnitte holen und dann muss man raten, zu welchem Ausschnitt was gehört."

Kind 2: "Es gibt Bilder aus dem alten Teil der Bibel, und es gibt Bilder aus dem neuen Teil der Bibel."

Kind 3: "Und es gibt Texte, und die muss man an die richtige Stelle ordnen."

Das klingt gar nicht so einfach - und tatsächlich bringt dieses Bibelspiel die grauen Zellen mitunter richtig in Schwung. 72 Karten umfasst es insgesamt: 18 Bildkarten. 18 Karten, auf denen nur Ausschnitte aus diesen Bildern zu sehen sind, 6 Mosaik-Karten mit jeweils 6 Bildausschnitten, dazu 18 Karten mit Bibelworten und schließlich noch 12 Fragekarten. Eigentlich hatte Rainer Oberthür zunächst an eine Variante des Klassikers "Memory" gedacht - aber dann entwickelte das Ganze eine Eigendynamik:

"Nur Memory, das fand ich langweilig, das wäre irgendwie zu wenig gewesen für Kinder, und dann kamen die Bibelworte dazu, und dann kam so nach und nach eine Idee nach der anderen, aber das dauerte Wochen und war natürlich auch immer so ein Ausprobieren, was geht und wie beschreibt man das. Das war für mich eine ganz neue Rolle, ich bin bisher nicht Spieleentwickler gewesen, und wie beschreibt man eine Spielanleitung so, das ist im Heft ja alles auch beschrieben, dass man sich selber erlesen und dann auch korrekt spielen kann."

So entstand im Lauf der Zeit eine Spielidee nach der anderen, eine Variante nach der anderen. Dabei kann schon das Sortieren der Karten einigermaßen knifflig werden: Zu jedem Bild die entsprechende Ausschnitt-Karte und dann auch noch das passende Bibelwort zu finden ist eine echte Herausforderung, wie die Schüler der dritten Klasse in der Katholischen Grundschule Höfchensweg in Aachen feststellen müssen. Gut, dass Rainer Oberthür ihnen hilfreich zur Seite steht.

So spielerisch lässt sich die Bibel erfahren: Lernen mit Spaß - das finden die Kinder toll: So sollte Schule eigentlich immer sein!

Kind 1: "Man spielt, und das macht ja auch Spaß, und dazu lernt man was, das ist eigentlich richtig cool."

Kind 2: "Man lernt auch was über Gott, während man spielt."

Kind 3: "Zum Beispiel die, die noch nicht richtig lesen können, die können bei den Texten lesen lernen, also das flüssiger zu lesen, und dann lernt man halt noch die Bilder kennen aus der Bibel, und so macht das auch Spaß, es kennenzulernen."

Das Spiel ist ziemlich kniffelig

Aber noch sind wir ja gar nicht beim eigentlichen Spiel. Erst nach dem Sortieren geht es richtig los. Die Kinder haben sich für "Tri-Memory" entschieden, eine Memory-Variante, bei der man jeweils das Bild, den Bildausschnitt und das dazugehörige Bibelwort finden muss. Ziemlich knifflig - und da kann es manchmal ganz schön laut werden.

In Oberthürs 72 Karten stecken viele Möglichkeiten. Und mit denen haben nicht nur Kinder ihren Spaß - auch Erwachsene können noch eine ganze Menge Neues erfahren.

"Nämlich den Zusammenhang, diese Vernetzung, diese roten Fäden, die sich über die Bilder präsentieren, die sich zum Beispiel einfach nur vor Augen führen, indem man die Bilder mal chronologisch ordnet, was einem Erwachsenen auch gar nicht so leicht fällt, was wird denn da zentral erzählt, wo sind die Beziehungsfäden zu spinnen zwischen dem Alten und dem Neuen Testament, also indem man dem nachgeht, was man im Bibelspiel über die Bilder, über die Ausschnitte, über die Worte erinnernd kennenlernt, indem man dem vertieft nachgeht, kann man da natürlich eine Menge lernen. Das geht natürlich am besten in der Tat, indem man dann das Buch vertiefend zur Hand nimmt."

Braucht man also die Kinderbibel, um das Bibelspiel überhaupt spielen zu können? Nein, beruhigt Rainer Oberthür, es geht auch ohne - aber besser funktioniert es mit:

"Wir haben dieses Bibelspiel definitiv so veröffentlicht, dass es in sich selbständig ist, aber ich habe natürlich besonders über das Begleitheft eine Menge Bezüge auch deswegen geschaffen, weil ich möchte das auch in der Synergie dieser verschiedenen Angebote ja auch nutzen."

Ein spielerischer Zugang zum Buch der Bücher

Und was ist mit den Fragekarten? Die sind wieder ein Spiel für sich, 12 Karten mit jeweils drei Fragen, die es in sich haben:

"Die erste ist eine Wissensfrage, das weiß man oder man weiß es nicht, und die zweite und die dritte, die ist so ein bisschen anders schwierig. Da muss man nämlich denken und - ja, das was man weiß, auch richtig anwenden."

Aber wer sich mit den Bild- und Ausschnittkarten sowie den Bibeltexten schon auseinandergesetzt hat, für den sind auch die Fragen kein großes Problem.

Ein spielerischer Zugang zum Buch der Bücher: Rainer Oberthür hofft, damit dem Zeitgeist entgegenzuwirken - einem Zeitgeist, in dem die Bibel von vielen kaum mehr wahrgenommen, als unwichtig und nebensächlich abgetan wird:

"Ich empfinde es schon als tragisch, dass für viele Menschen die Bibel höchstens ein Buch ihrer Kindheit ist. Denn, das muss ich ja sagen, obwohl ich permanent mit Kindern zu biblischen Geschichten arbeite, die sind nicht für Kinder geschrieben, die Geschichten sind für Menschen, weil sie ihre Fragen, Sehnsüchte, Erfahrungen im Leben, aber auch mit und vor Gott widerspiegeln, und das tun auch schon Kinder, damit beschäftigen sich auch schon Kinder."

Über die Geschichten, über die Bilder und Ausschnitte, die Fragen und die Bibelworte kann man sich so langsam etwas Größerem annähern - der Frage der Transzendenz, dem eigentlichen Mysterium des Glaubens. Denn das schwingt immer mit, im Gespräch, im Lachen und in der Freude am gemeinsamen Spiel:

"Alle Dinge, die wir sehen, können wir doppelt anschauen, als Tatsache und als Geheimnis. Also in dem Sinne kann man das als Tatsachenspiel so spielen und einfach Spaß am Spiel haben, und es muss auch nicht immer alles im Leben tiefgründig sein, aber vielleicht schleicht sich das dann doch ein, oder man macht es ganz bewusst und kommt dann so einem Geheimnis auch mehr auf die Spur."

Und wem das zu kompliziert ist, der kann sich ganz einfach neue Spiele mit den Bibelspiel-Karten ausdenken.

Kind: "Man kann die Karten auch verstecken und suchen."

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