Seit 01:05 Uhr Tonart
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 01:05 Uhr Tonart
 
 

Fazit / Archiv | Beitrag vom 27.10.2010

"Wir sind die Nacht"

Anke Leweke über den deutschen Vampirfilm

Auch Nina Hoss ist Darstellerin in "Wir sind die Nacht". (Deutschlandradio - Bettina Straub)
Auch Nina Hoss ist Darstellerin in "Wir sind die Nacht". (Deutschlandradio - Bettina Straub)

Regisseur Dennis Gansel legt mit "Wir sind die Nacht" einen feministischen Blutsauger-Film vor: Louisa, Nora und Charlotte haben ihre männlichen Kollegen aus dem Weg geräumt und das Recht aufs ewige Leben für eine Frauensache erklärt.

Deutschland 2009; Regie: Dennis Gansel; Darsteller: Karoline Herfurth, Nina Hoss, Jennifer Ulrich, Anna Fischer, Max Riemelt, Senta Dorothea Kirschner, Walera Kanischtscheff; Länge: 100 Minuten

Das Genre-Kino boomt zurzeit im deutschen Filmschaffen. Gerade läuft Thomas Arslans Film "Im Schatten". Demnächst startet mit "Die kommenden Tage" ein Science-Fiction, und in dieser Woche kommt mit "Wir sind die Nacht" von Dennis Gansel ein deutscher Vampirfilm in die Kinos. Doch wer sich ans Genre wagt, der sollte wissen, wie man die bekannten Versatzstücke, Erzählmuster neu variiert und interpretiert, mit ihnen spielt.

Gansel versucht mit "Wir sind die Nacht" einen feministischen Blutsauger-Film vorzulegen. Louisa (Nina Hoss) und ihren zwei Freundinnen haben schon vor langer Zeit ihre männlichen Kollegen aus dem Weg geräumt und das Recht aufs ewige Leben für eine Frauensache erklärt. Männer sind für sie Spielzeug und Hauptnahrungsmittel. Passend zum Titel schmeißt sich die blutrünstige Clique in Berliner Nachtleben, kokst, tanzt und saugt. In einem coolen Club gabelt Louisa die Streunerin und Gelegenheitsdiebin Lena (Karoline Herfurth) auf. Sie verliebt sich in die rotzige Göre, weil sie sie an ihre große Liebe, die einst in der Morgendämmerung am Strand von Nizza verbrannte, erinnert.

Doch hat sich Lena gerade in den charmanten Polizisten Tom (Max Riemelt) verguckt, der nicht glauben kann, dass die schöne Lena in Verbindung mit den Blutbädern steht, zu denen er jeden Morgen mit seiner Einheit gerufen wird. Auch wenn viel roter Saft spritzt, sich die Frauen permanent die Münder abwischen, bleibt Dennis Emanzen-Vampirfilm seltsam blutleer. Höchstwahrscheinlich weil diesem Film die Erotik fehlt, aus dem das Genre gerade seinen besonderen Reiz zieht.

Letztlich ist "Wir sind die Nacht" nicht mehr als ein Eifersuchtsdrama, ein Film über Stutenbeißerin mit besonders spitzen Zähnen. Nur einmal kann Gansel dem Genre eine überraschende Sichtweise abgewinnen. Wenn Charlotte (Jennifer Ulrich) ihre Tochter im Alterheim besucht, die mittlerweile eine alte Frau ist, und ihr ein Schlaflied singt, bekommt man eine Ahnung von der Bürde des ewigen Lebens.

Filmhomepage

Kulturpresseschau

Aus den Feuilletons Nicht nur Rechte wünschen sich Heimat
Ein Gartenzwerg steht  in Dresden (Sachen) auf einer Wiese mit vielen Krokussen. (picture alliance / dpa / Sebastian Kahnert )

Die "Welt" druckt unter dem Titel "Es braucht mehr Provinz" einen Auszug aus Heribert Prantls neuem Buch. Denn der "SZ"-Redakteur hat so eine Art "Gebrauchsanweisung für Populisten" geschrieben und zeigt, warum wir den Wunsch nach Heimat respektieren sollten.Mehr

weitere Beiträge

Fazit

ArchitekturRichtungsstreit um Schinkels Bauakademie
Schaufassade, auf der die von Karl Friedrich Schinkel 1832 errichtete Bauakadmie zu sehen ist, aufgenommen 2004 am Berliner Schlossplatz (picture-alliance / ZB / Peer Grimm)

62 Millionen Euro will der Bund für den Wiederaufbau von Schinkels Bauakademie bereitstellen. Doch in welcher Form und mit welcher Nutzung? Architekten wie Matthias Sauerbruch warnen vor zu viel Eile. Erst müsse ein vernünftiges Konzept da sein. Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur