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Fazit / Archiv | Beitrag vom 27.10.2010

"Wir sind die Nacht"

Anke Leweke über den deutschen Vampirfilm

Auch Nina Hoss ist Darstellerin in "Wir sind die Nacht". (Deutschlandradio - Bettina Straub)
Auch Nina Hoss ist Darstellerin in "Wir sind die Nacht". (Deutschlandradio - Bettina Straub)

Regisseur Dennis Gansel legt mit "Wir sind die Nacht" einen feministischen Blutsauger-Film vor: Louisa, Nora und Charlotte haben ihre männlichen Kollegen aus dem Weg geräumt und das Recht aufs ewige Leben für eine Frauensache erklärt.

Deutschland 2009; Regie: Dennis Gansel; Darsteller: Karoline Herfurth, Nina Hoss, Jennifer Ulrich, Anna Fischer, Max Riemelt, Senta Dorothea Kirschner, Walera Kanischtscheff; Länge: 100 Minuten

Das Genre-Kino boomt zurzeit im deutschen Filmschaffen. Gerade läuft Thomas Arslans Film "Im Schatten". Demnächst startet mit "Die kommenden Tage" ein Science-Fiction, und in dieser Woche kommt mit "Wir sind die Nacht" von Dennis Gansel ein deutscher Vampirfilm in die Kinos. Doch wer sich ans Genre wagt, der sollte wissen, wie man die bekannten Versatzstücke, Erzählmuster neu variiert und interpretiert, mit ihnen spielt.

Gansel versucht mit "Wir sind die Nacht" einen feministischen Blutsauger-Film vorzulegen. Louisa (Nina Hoss) und ihren zwei Freundinnen haben schon vor langer Zeit ihre männlichen Kollegen aus dem Weg geräumt und das Recht aufs ewige Leben für eine Frauensache erklärt. Männer sind für sie Spielzeug und Hauptnahrungsmittel. Passend zum Titel schmeißt sich die blutrünstige Clique in Berliner Nachtleben, kokst, tanzt und saugt. In einem coolen Club gabelt Louisa die Streunerin und Gelegenheitsdiebin Lena (Karoline Herfurth) auf. Sie verliebt sich in die rotzige Göre, weil sie sie an ihre große Liebe, die einst in der Morgendämmerung am Strand von Nizza verbrannte, erinnert.

Doch hat sich Lena gerade in den charmanten Polizisten Tom (Max Riemelt) verguckt, der nicht glauben kann, dass die schöne Lena in Verbindung mit den Blutbädern steht, zu denen er jeden Morgen mit seiner Einheit gerufen wird. Auch wenn viel roter Saft spritzt, sich die Frauen permanent die Münder abwischen, bleibt Dennis Emanzen-Vampirfilm seltsam blutleer. Höchstwahrscheinlich weil diesem Film die Erotik fehlt, aus dem das Genre gerade seinen besonderen Reiz zieht.

Letztlich ist "Wir sind die Nacht" nicht mehr als ein Eifersuchtsdrama, ein Film über Stutenbeißerin mit besonders spitzen Zähnen. Nur einmal kann Gansel dem Genre eine überraschende Sichtweise abgewinnen. Wenn Charlotte (Jennifer Ulrich) ihre Tochter im Alterheim besucht, die mittlerweile eine alte Frau ist, und ihr ein Schlaflied singt, bekommt man eine Ahnung von der Bürde des ewigen Lebens.

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