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Literatur

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Literatur / Archiv | Beitrag vom 03.07.2012

"Wir leben auf einer dünnen Kruste"

Reale und symbolische Erde in der Poesie

Von Carola Wiemers

Die Erde
Die Erde (Esa)

Die Erde ist ein Element, das intensiv bearbeitet und in dem unentwegt nach Ressourcen gesucht wird. Menschliche Wesen bewohnen seit ca. zwei Millionen Jahre die Erde. Der Erdanziehungskraft gehorchend, entwerfen sie ehrgeizige Projekte der Kultivierung.

Doch was heißt es, von Mutter Erde oder dem Schoß der Erde zu sprechen? In der griechischen Mythologie ist Gaia die personifizierte Erde. Ein sich stets in Wandlung befindlicher Organismus, der auch den Kreislauf von Geburt und Tod symbolisiert.

Allerdings erzeugt die Tatsache, dass wir auf bewegtem Grund stehen, Ängste und Strategien der Verdrängung. Wird die Erde von Erschütterungen heimgesucht und brüchig, stellt sich auch die Frage nach einer verlässlichen Ordnung menschlicher Existenz.

Die Poesie schöpft aus dieser bodenlosen Urangst und aus einem Vergessen, das auch die Elemente Erde, Feuer, Wasser, Luft betrifft. Sie leistet notwendige Erinnerungsarbeit. Nimmt sich der Mythen, Philosophien und Erkenntnisse an, um sie gegenwärtig zu halten. Poetische Texte von Goethe, Novalis, über Gottfried Benn und Bertolt Brecht bis Jens Sparschuh und Lutz Seiler erden unser Gedächtnis.