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Fazit / Archiv | Beitrag vom 09.10.2012

"Wir bleiben bei unserem Vorschlag"

Bürgermeister von Wittenberg verteidigt Nominierung von "Pussy Riot" für den Lutherpreis

Die Aktivistinnen der Band Pussy Riot bei ihrem Prozess in Moskau. Sie wurden zu zwei Jahren Lagerhaft verurteilt.
Die Aktivistinnen der Band Pussy Riot bei ihrem Prozess in Moskau. Sie wurden zu zwei Jahren Lagerhaft verurteilt. (picture alliance / dpa / Karpov Sergei)

Die Stadt Wittenberg hat die Musikerinnen der russischen Punkband Pussy Riot für den Lutherpreis "Das offene Wort" vorgeschlagen. Einige Theologen und Politiker halten das für geschmacklos. Doch Bürgermeister Eckhard Naumann hält dagegen - und lobt den Mut der jungen Frauen.

Der Bürgermeister von Wittenberg Eckhard Naumann (SPD) hat die umstrittene Nominierung der russischen Band "Pussy Riot" für den Luther-Preis "Das unerschrockene Wort" verteidigt. Im Deutschlandradio Kultur sagte Naumann am Dienstagabend: "Wir bleiben bei unserem Vorschlag." Die Entscheidung für die Nominierung sei formal korrekt und demokratisch zustande gekommen. Auch habe vorher eine kontroverse Diskussion stattgefunden. Insofern gebe es jetzt keine neuen Argumente, so der Wittenberger Bürgermeister. Er selbst habe für die Nominierung von "Pussy Riot" gestimmt.

Naumann räumte ein, Pussy Riot sei in die Grenzbereiche des Akzeptablen gegangen und habe "sicher" die Gefühle vieler gläubiger Menschen verletzt. Es sei der Stadt Wittenberg aber nicht darum gegangen, Provokationen gegen die Kirche oder den Staat auszuzeichnen. Vielmehr habe "der Mut der jungen Frauen" im Vordergrund gestanden, "bei ihrem Protest zu bleiben, auch unter Repressionen dabeizubleiben". Auch das Risiko einer Verurteilung zu Lagerhaft habe sie nicht dazu gebracht einzuknicken.

Naumann zog ferner Parallelen zu den Debatten um die Erregung der islamischen Welt über Mohammed-Videos oder -Karikaturen. Während man sich in diesem Fall frage: "Warum regen sich die so auf? Das ist doch Teil der Meinungsfreiheit", müsse man auch bei Pussy Riot abwägen, ob deren Aktionen von der Meinungsfreiheit noch gedeckt seien. "Es gibt schon eine fließende Grenze zwischen 'noch akzeptiert' und 'nicht mehr akzeptiert', zwischen Blasphemie und Meinungsäußerung", räumte Naumann ein. Für ihn habe jedoch die Frage des persönlichen Mutes der jungen Frauen im Vordergrund gestanden.

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