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Konzert / Archiv | Beitrag vom 11.06.2012

Wieviel Impressionismus darf es sein?

Das "Quartett der Kritiker" über Debussys Préludes

Tasten eines Klavieres
Tasten eines Klavieres (Stock.XCHNG)

Vier Kritiker, ein Moderator, ein Werk: Jury Mitglieder des Preises der deutschen Schallplattenkritik diskutieren - mit Hörbeispielen - im Rahmen des Klavier-Festivals Ruhr in Dortmund über die Préludes von Claude Debussy.

Griechische Tänzerinnen, Fußspuren im Schnee, eine versunkene Kathedrale, zum Schluss ein Feuerwerk: Mit den poetischen Titeln seiner insgesamt 24 Klavierpräludien hat Claude Debussy eine Menge falscher Fährten ausgelegt. Stimmungsmusik? Musikalischer Impressionismus? Debussy mochte diese Bezeichnungen nicht, zumal sie – gerade von deutscher Seite aus – der Musik unterschwellig vorwerfen, leichtgewichtig zu sein.

Nichts trifft auf Debussys Klaviermusik weniger zu! Die Préludes als Debussys umfangreichste Komposition für Klavier solo schreiben Chopin und Schumann fort, beschreiten allerdings ganz eigene Wege. Die zwischen 1909 und 1913 entstandenen Klavierstücke spiegeln die Welt ihres Schöpfers wider: Debussys Vision einer nicht-klassischen Antike, seine Leidenschaft für Naturbeobachtungen, seine Liebe zum Wasser in allen Erscheinungsformen (Regen!), seine Faszination für spanische Musik und englische Lebensart, sein Interesse am Jazz. Debusssys Préludes sind nicht systematisch aufgebaut wie jene von Bach oder Chopin – in ihrem Anspruch aber sind sie umfassend.

Nicht zuletzt stellen diese außerordentlich sorgfältig geschriebenen Werke eine große pianistische Herausforderung dar – denn die spieltechnischen und interpretatorischen Schwierigkeiten lassen sich nicht durch fleißigen Pedalgebrauch übermalen; wem die Noten "impressionistisch" vor den Augen verschwimmen wie die späten Seerosenbilder von Claude Monet, der hat schon verloren.

Der Rest ist Schweigen: Claude Debussy, der seinerseits auch als Musikjournalist tätig war, hielt 1913 (im Jahr der Vollendung seiner Préludes) fest: "Lassen wir die Schönheit eines Kunstwerkes stets etwas Geheimnisvolles bleiben, so dass man nie genau feststellen kann, ‚wie es gemacht ist’. Bewahren wir um jeden Preis diese der Musik eigene Magie! Ihrem Wesen nach ist die Musik geeigneter als jede andere Kunst, etwas davon zu enthalten."


Klavier-Festival Ruhr
Harenberg City Center Dortmund
Aufzeichnung vom 9.6.12

Quartett der Kritiker – zu Gast im Deutschlandradio Kultur

Wieviel Impressionismus darf es sein?
Claude Debussys Préludes für Klavier

Eleonore Büning, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
Kalle Burmester, Freier Journalist
Wolfram Goertz, Rheinische Post
Christoph Vratz, Freier Journalist

Moderation: Olaf Wilhelmer

In Zusammenarbeit mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik