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Wie sieht das Kino der Zukunft aus?

Zu Gast: Filmwissenschaftler und Animationsfilm-Experte Rolf Giesen

Ein Filmzuschauer mit 3-D-Brille
Ein Filmzuschauer mit 3-D-Brille (AP)

Berlin ist im "Berlinale"-Fieber : über 400 Filme , das Defilee der Stars und Sternchen - elf Tage Kino total. Und auch Kino digital: Erstmals in der Festival-Geschichte werden die Filme fast ausschließlich als digitale Datenpakete verschickt. Immer mehr Filme werden in 3-D gedreht, der neue "Hobbit" brilliert in der neuen hochauflösenden HFR-Technik, mit 48 statt 24 Bildern pro Sekunde – und dies ist erst der Anfang eines neuen Filmzeitalters.

Wie sieht das Kino der Zukunft aus?

"Das Kino hätte analog bleiben müssen, weil es sonst seine Exklusivität verlieren wird"," sagt Rolf Giesen. Der Filmwissenschaftler kennt noch die Leinwand-Epen, die in den Kinopalästen der 50er Jahre gezeigt wurden und ist einer der führenden deutschen Spezialisten für den Fantastischen Film, Trickfilm und Horrorfilm, der ihm in den 80er Jahren den Spitznamen "Dr. Horror" einbrachte.

Die Rolf-Giesen-Sammlung der Stiftung Deutsche Kinemathek Berlin gilt als eine der besten Kollektionen zum Thema Filmfantastik in Europa. Bei aller Begeisterung sieht er die die neuen technischen Möglichkeiten auch mit Vorsicht: ""Das Kino mutiert, es wird absorbiert durch die anderen Medien, die viel größer sind und die den Konsumenten viel mehr bieten werden. Wir stehen erst am Anfang einer Entwicklung, die mit der Digitalisierung anfängt und mit der Virtualisierung weitergehen wird. Wir sind am Ende eines Medienzeitalters, in dem wir noch mit Kamera-Mechanik angefangen haben. Heute gehen wir mit Geisterbildern um, wo das Material irgendwo und nirgendwo ist. "

Giesen, der auch in China lebt und dort ein Museum zu Animationsfilmen, Computerspielen und Comics leitet, hat diese Zukunft dort bereits vor Augen: "Inzwischen werden in China bis zu 250.000 Sendeminuten digitale Animation hergestellt. Angesagt sind Flash-Animation, Mobile Phone Contents und Computerspiele."

95 Prozent der Filme würden in China aus dem Internet heruntergeladen, die Jugend sei vernetzt, Kino allenfalls ein Phänomen der reichen Mittelschicht.

Durch die Digitalisierung sei der Film in einer geradezu inflationären Situation: "Die Produktionsmittel sind so wohlfeil, man kann inflationär Filme drehen, so viele, dass sie niemand mehr sehen kann." Die Folge: "Der Profistatus löst sich im weltweiten Animateurstatus auf – und das ist gefährlich."

Technik allein sei nicht alles: Das zeige sich zum Beispiel bei dem technisch brillanten "Hobbit":

"Während ich den Film sah, war ich überwältigt, hingerissen, alle zehn Minuten eine neue Action-Sequenz, zum Denken kam man natürlich gar nicht, zum Fühlen kam man gar nicht. Es war, es stürzte alles auf einen ein. Nur, als ich das Kino verließ, war in mir eine gähnende Leere, es war stereoskopisch, aber ich fühlte keine Tiefe. Und zum Schluss dachte ich: 'Diese Technik ist zu groß, um Zwerge abzubilden.´"

"Mehr als nur Technik – Wie sieht das Kino der Zukunft aus?"

Darüber diskutiert Dieter Kassel heute von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr mit dem Filmwissenschaftler Rolf Giesen. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 00800 2254 2254 oder per E-Mail unter gespraech@dradio.de.

Mehr zum Thema:

63. Berlinale: Unser Programm am 9. Februar - Alle Infos zum Filmfestival bei dradio.de



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"Zu groß, um Zwerge abzubilden"

 

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