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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 19.10.2013

Wie Inklusion gelingen kann

Zu Gast: Sandra Roth und Heinrich Greving

Einige Schule praktizieren bereits Inklusion. (picture alliance / dpa / Henning Kaiser)
Einige Schule praktizieren bereits Inklusion. (picture alliance / dpa / Henning Kaiser)

"Inklusion heißt Gemeinsamkeit von Anfang an", heißt es in dem "nationalen Aktionsplan" der Bundesregierung zur Inklusion - soweit die Theorie. Wie sieht es in der Praxis aus? Wie weit sind wir wirklich mit der Inklusion? Und wie kann sie gelingen?

"Ich sage immer: Mein Sohn spielt Fußball, und meine Tochter ist behindert", mit Sätzen wie diesem erstaunt Sandra Roth, wenn sie auf ihre Tochter Lotta angesprochen wird. Die Journalistin war im neunten Monat schwanger, als sie erfuhr, dass ihre Tochter eine schwere und seltene Gefäßfehlbildung im Gehirn hat. Auch nach mehreren Operationen nach der Geburt war nicht klar, ob und wie Lotta überleben würde.

Heute ist sie fast vier Jahre alt, eine "Wundertüte", wie die Ärzte sagen, denn man wisse nicht, wie sie sich entwickeln wird. "Lotta Wundertüte. Unser Leben mit Bobbycar und Rollstuhl", heißt das Buch, das Sandra Roth über das Leben mit Lotta geschrieben hat. Darin schildert sie den Alltag der Familie, die vielen beglückenden Momente, aber auch die Belastungen: "Die vielen kleinen Kämpfe mit den Behörden, um einen Behindertenausweis, um einen Integrationshelfer. Auch, wenn mein Kind mehrfach behindert ist, Pflegestufe drei hat. Trotzdem muss man um alles kämpfen, man muss seine Rechte aktiv durchsetzen. Das kostet Kraft und ist unangenehm – und es ärgert mich!"

Sie will mit dem Buch aber auch eine gesellschaftliche Diskussion anregen: Wie perfekt sollen unsere Kinder sein? Wie gehen wir mit Anderssein in unserer Gesellschaft um? Wie lebt es sich mit einem behinderten Kind in einer Gesellschaft, die alles daransetzt, Behinderung und Krankheiten mit immer ausgefeilteren medizinischen Methoden abzuschaffen? Welche Zukunft haben Kinder wie Lotta?

Zu wenig Unterstützung für Erzieher und Lehrer

"Inklusion ist eine lebenslange Herausforderung", sagt Prof. Dr. Heinrich Greving. Der Erziehungswissenschaftler lehrt Allgemeine und Spezielle Heilpädagogik an der Katholischen Hochschule Münster. Er kennt die Chancen und Grenzen der Inklusion, die Diskussionen über die Kosten, wenn Schulen oder Kindergärten behindertengerecht umgebaut werden sollen, die Klagen von Erziehern oder Lehrern über unzureichende Schulungen und Unterstützung seitens der Politik.
Seine Beobachtung: "Geld spielt eine entscheidende Rolle."

Das zeige sich aktuell auch bei dem Inklusionsgesetz, das in dieser Woche vom Landtag in Nordrhein-Westfalen beschlossen wurde. Die heikle Kostenfrage wurde vertagt …Noch gebe es nur einen Flickenteppich an Schulungsmaßnahmen, viele Pädagogen fühlten sich allein gelassen. Seine Frage: "Wie kann ich erreichen, dass die Inhalte nicht reine Phrasen bleiben, sondern umgesetzt werden? Für mich persönlich gibt es keine Grenzen. Aber wir erleben es doch, dass bei Menschen mit einer mehrfachen schweren Behinderung – und da ist die Tochter von Frau Roth ein gutes Beispiel – andere sagen, `das geht doch nicht.` Wir müssen Strukturen schaffen, ein Bildungssystem schaffen, dass diese Menschen ganz normal in unsere Nachbarschaft , in unsere Städte reinwachsen."

Zusammen leben, zusammen lernen – Wie kann Inklusion gelingen?
Darüber diskutiert Gisela Steinhauer heute von 9.05 bis 11 Uhr mit Sandra Roth und Prof. Dr. Heinrich Greving. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 00800 2254 2254 oder per E-Mail unter gespraech@dradio.de.

Informationen im Internet:
Über Heinrich Greving

Literaturhinweis:
Sätze, die schmerzhaft ins Schwarze treffen
Sandra Roth: "Lotta Wundertüte. Unser Leben mit Bobbycar und Rollstuhl"
KiWi, Köln 2013, 272 Seiten

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