Seit 14:07 Uhr Kompressor
 
Montag, 30. Mai 2016MESZ14:37 Uhr

Nachspiel | Beitrag vom 20.03.2016

Wie Frankreich die EM schützen willVorbereitung im Geheimen

Von Jürgen König

Beitrag hören
Polizisten stehen vor dem Hauptportal der Kirche Notre Dame in Paris (dpa / picture alliance / Christophe Morin)
Polizisten bewachen die Kirche Notre Dame in Paris: Seit den Anschlägen herrscht in Paris hohe Alarmbereitschaft (dpa / picture alliance / Christophe Morin)

Im Sommer wird Frankreich die Fußball-EM ausrichten. Wegen der Anschläge in Paris herrscht im ganzen Land eine erhöhte Gefährdungsstufe. Die Behörden bereiten sich auf mögliche Anschläge vor - und das möglichst diskret.

Keine Pressetermine, keine Interviews, keine Statements: möglichst unauffällig sollen die "Übungen" bleiben, mit denen sich die französischen Sicherheitskräfte auf die Fussball-Europameisterschaft vorbereiten. Dabei war es eine heftige Explosion, die am Donnerstag gegen 18.00 Uhr in der südfranzösischen Stadt Nimes zu hören war, drei weitere sollten folgen.

Polizisten, Sicherheitskräfte, Feuerwehr, Ärzte, Rettungsdienste, insgesamt über 70 Einheiten probten den Ernstfall: ein Anschlag mit Chemiewaffen in der Menschenmenge einer Fanmeile. Dabei finden in Nimes gar keine EM-Spiele statt, im nicht weit entfernten Marseille hingegen gleich sechs, darunter ein Halbfinale. In Marseille zu üben wäre indes sehr viel auffälliger gewesen, und genau das will man offenbar unbedingt vermeiden.

Enorme Anstrengungen der Sicherheitskräfte

Und die Medien machen mit: berichten dezent, sie informieren – spektakuläre Töne und Bilder gibt es nicht. Auch vom Innenminister Bernard Cazeneuve gibt es keine Stellungnahme, allenfalls verweist er auf die anhaltend hohe Terrorgefahr in Frankreich und auf die enormen Anstrengungen der Sicherheitskräfte.

"Wir haben seit Beginn des Jahres 74 Festnahmen vorgenommen, daraus sind 37 Ermittlungsverfahren geworden; 28 Inhaftierungen sowie acht richterliche Überprüfungen hat es gegeben. Das heißt, unsere Dienste arbeiten mit Hochdruck, arbeiten ohne Unterbrechung daran, all jene zu finden, die der Sicherheit unseres Landes gefährlich werden können."

Ein "reales Risiko eines derartigen Anschlags" gäbe es nicht, hieß es im Vorfeld der Übung von Nimes. Man wolle sich eben nur gut vorbereiten: Wo vier Ministerien beteiligt seien - Verteidigung, Inneres, Justiz und Gesundheit - müssten Maßnahmen gut koordiniert werden. Kein Sportereignis sei jemals so gesichert worden, verspricht Sportminister Patrick Kanner – gleichzeitig werden nach dem Vorbild von Nimes 52 weitere Simulationen angekündigt, darunter auch solche mit sehr vielen Verletzten - und auch sie werden unauffällig sein.

Mehr zum Thema

Mutmaßlicher Paris-Attentäter - Salah Abdeslam will Auslieferung verhindern
(Deutschlandfunk, Nachrichten vertieft, 19.03.2016)

Razzia in Brüssel - IS-Flagge, Salafisten-Handbuch, Kalaschnikow
(Deutschlandfunk, Nachrichten vertieft, 16.03.2016)

NRW-Verfassungsschutzpräsident zu Salafisten: - "Gefährdungslage weiterhin erhöht"
(Deutschlandfunk, Interview, 30.01.2016)

Ein Jahr nach "Charlie Hebdo" - Selbstbehauptung einer Demokratie
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 07.01.2016)

Berlin-Paris - Politische Achse einer Schicksalsgemeinschaft
(Deutschlandradio Kultur, Politisches Feuilleton, 06.01.2016)

Nachspiel

BetriebssportBewegte Kollegen
Mitarbeiter der Otto Group in Hamburg nehmen in ihrer Mittagspause am 24.04.2014 an einem Zumba-Kurs teil. (picture-alliance / dpa / Ulrich Perrey)

Vor 100 Jahren ging es vor allem um den Betriebsfrieden: Wer sich sportlich betätigt, streikt nicht, sagten sich die Chefs. Heute gibt es Betriebssport immer noch, sogar mit Wettkämpfen. Im Juni werden erstmals die Weltspiele des Betriebssports ausgetragen.Mehr

Fußball-EM im Zeichen des TerrorsVorfreude schlägt Angst
Joachim Löw (3. von rechts) spricht während des Trainings in Ascona mit den Spielern der deutschen Nationalmannschaft. (picture alliance / dpa / Christian Charisius)

Die Freude auf die Fußball-Europameisterschaft ist nicht ungetrübt. Die Sorge um die Sicherheit von Spielern und Fans bestimmen die Planungen – auch weil ein Geheimpapier aus dem Bundeskriminalamt aufgetaucht sein soll, das vor möglichen islamistischen Anschlägen warnen soll.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

fghjghj