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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 26.09.2012

"Wie beim ersten Mal"

Eine Ehe-Komödie aus den USA

Von Hans-Ulrich Pönack

Szene aus dem Film: "Wie beim ersten Mal" (picture alliance / dpa / Barry Wetcher/Wild Bunch Germany)
Szene aus dem Film: "Wie beim ersten Mal" (picture alliance / dpa / Barry Wetcher/Wild Bunch Germany)

Nach 30 Jahren Ehe wollen das Paar Arnold und Kay ihre Beziehung aufpeppen - und entschließen sich, einen Psycho-Crashkurs zu belegen. Mal wirkt der Film wie eine ironisierte Posse, mal bewegt er sich am Rande der Lächerlichkeit, meint unser Kritiker.

Neulich "Best Exotic Marigold Hotel" (mit Judi Dench und Tom Wilkinson), kürzlich "Late Bloomers" (mit Isabella Rossellini und William Hurt), nun also dieser Film: Die Alten sind endgültig wieder auf der Leinwand zurück. Diesmal turteln die dreifache Oscar-Lady Meryl Streep und ihr 65-jähriger Oscar-Partner Tommy Lee Jones.

Die 30-jährige gutbürgerliche Mittelstands-Ehe von Arnold und Kay ist in Routine erstarrt. Geradezu choreografisch-präzise verläuft jeder Tag immergleich ab. Die Kinder sind längst aus dem Haus, er verzieht sich abends gerne nach dem Golf-Sport im Fernsehen in sein eigenes Schlafzimmer, zum Hochzeitstag schenkt man sich Praktisches für den Haushalt. Er ist zufrieden, sie mit Hausarbeit und Nebenjob keineswegs. Was ihr genau fehlt, entdeckt sie beim Einkaufen in dem Ratgeberbuch "Spice up your Marriage" (also: "Mehr Schwung in deine Ehe"). Von einem Dr. Bernard Feld.

Kay ist elektrisiert. Zumal der gute Doktor im fernen Maine auch (teure) Psycho-Crash-Paarkurse anbietet. Arnold versteht die (Ehe-) Welt nicht mehr, grummelt herum, muss aber mit, um wieder zu erlernen, was Ehe auch sein sollte: Emotionen. Berührung. Vor allem, auch im Alter: guter Sex.

Regisseur David Frankel hat uns 2006 mit der biestigen Komödie "Der Teufel trägt Prada" hoch erfreut. Danach ließ er uns beim menschlichen Hunde-Drama "Marley und ich" köstlich schluchzen. 2010 setzte er kauzige Ornithologen (wie Jack Black und Steve Martin) in "Ein Jahr vogelfrei" in komische Bewegung. Hier nun hat er sich, nach einem Debüt-Drehbuch von Vanessa Taylor, ziemlich verdaddelt. Er kann sich nicht so recht zwischen Drama und Leichtigkeit entscheiden.

Mal wirkt die geschwätzige Chose wie eine ironisierte Ehe-Posse, etwa, wenn es um die verborgenen lüsternen Wünsche geht, die nun hochkommen. Mal verströmen die Hausaufgaben in Sachen Bett-Akrobatik bitteren Charme am Rande der unguten Lächerlichkeit. Die vorzüglichen Darsteller können es ein bisschen auffangen. Meryl Streep kriegt - als langsam neu aufblühendes Heimchen Kay (mit geblümter Loriot-Bluse) - locker die Balance zwischen Erschrockensein und fortschreitendem Selbstbewusstsein über ihre einmal mehr brillante Körper-Augen-Sprache glänzend hin. Tommy Lee Jones mimt beeindruckend den knochentrockenen Kerl. Beide sorgen für stete Neugier und Anteilnahme, vermögen aber gegen das viel zu unentschlossene Drehbuch nicht lakonisch genug anzuspielen.

Zu gedrillt wirkt das komödiantische Gebaren, mal hart, mal gehobener Beziehungsslapstick. "Hope Springs", so der Originaltitel, ist eine nur ansatzweise überzeugende, eher begrenzt funktionierende therapeutische neue US-Komödie.

USA 2012; Regie: David Frankel; Darsteller: Meryl Streep, Steve Carell, Tommy Lee Jones, Jean Smart, Marin Ireland; ab 6 Jahren; 100 Minuten

Filmhomepage

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