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Interview / Archiv | Beitrag vom 17.02.2009

Wensierski: Missbrauchte Heimkinder müssen ihre Würde zurückbekommen

Spiegel-Autor fordert Aufarbeitung und Entschädigung

Zum ersten Mal gibt es jetzt einen Runden Tisch zum Schicksal der Heimkinder.  (Stock.XCHNG / kat callard)
Zum ersten Mal gibt es jetzt einen Runden Tisch zum Schicksal der Heimkinder. (Stock.XCHNG / kat callard)

Spiegel-Autor Peter Wensierski fordert, dass die in den fünfziger und sechziger Jahren in kirchlich getragenen Heimen missbrauchten Menschen ihre Würde zurückbekommen müssten.

Anlässlich der heutigen ersten Sitzung eines "runden Tisches" im Bundesfamilienministerium sagte Wensierski, dieser solle eine Anlaufstelle für alle Betroffenen bilden. Diese sollten dort ihre Geschichten erzählen, um ihnen nachgehen und zum Teil wiedergutmachen zu können.

"Es muss ganz klar gesagt werden, dass nicht sie versagt haben, sondern dieses Erziehungssystem der Bundesrepublik Deutschland: Der Staat hat das nicht gut kontrolliert, was die evangelische und die katholische Kirche in diesen Heimen zugelassen haben." Ein Artikel Wensierskis hatte das Schicksal der Heimkinder der Öffentlichkeit bekannt gemacht.

Bei dem jetzt begonnenen Prozess gehe es sowohl um historische Aufarbeitung als auch um Entschädigung, so Wensierski weiter. In den Heimen sei zum Teil hart körperlich gearbeitet worden. So hätten Autohersteller auf Heimgelände ganze Fabrikhallen aufgestellt, die evangelische Kirche habe Kinder zur Arbeit ins Moor geschickt. "Ich denke schon, dass dafür auch eine finanzielle Wiedergutmachung angemessen ist."

Darüber hinaus aber gehe es in den nächsten zwei Jahren am Runden Tisch um die Aufarbeitung der Vorgänge in deutschen Kinderheimen bis in die siebziger Jahre hinein. Wensierski sagte: "Denn es besteht auch immer die Gefahr ... , dass sich die großen Institutionen, die Kirchen, vor dieser Aufgabe drücken."

Sie können das vollständige Gespräch mit Peter Wensierski mindestens bis zum 17.07.2009 in unserem Audio-on-Demand-Angebot hören. MP3-Audio

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