Seit 10:30 Uhr Sonntagsrätsel
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 10:30 Uhr Sonntagsrätsel
 
 

Nachspiel / Archiv | Beitrag vom 25.10.2015

Wenn Zuckerkranke Sport treibenMit Diabetes auf dem Fußballplatz

Von Sonja Gerth

Neutraler Lederball - Fußball-Symbolbild (imago)
Viele Diabetiker lassen sich von ihrer Krankheit nicht vom Sport abhalten. (imago)

Diabetiker müssen beim Sport besonders gut auf ihren Körper und seine Bedürfnisse hören. So wie die 13-jährige Catalina aus Lübars bei Berlin. Sie spielt trotz Diabetes Fußball in der C-Jugend.

Geschicklichkeitsübungen mit dem Ball sind angesagt bei der weiblichen C-Jugend des FC Lübars, im Norden von Berlin. Fast 20 junge Mädchen werfen ihre Bälle in die Höhe und üben, sie zu kontrollieren, wenn sie wieder hinunterkommen. Eine von ihnen, mit wippendem Pferdeschwanz, ist Catalina. Die 13-Jährige ist voller Eifer bei den Übungen dabei, denn für sie ist am wichtigsten:

"Dass ich trotz Diabetes volle Leistung erbringen kann."

Denn dass sie zuckerkrank ist, soll eigentlich Nebensache sein auf dem Platz. Mit einem Jahr wurde bei Catalina Diabetes Typ 1 festgestellt. Das heißt, der Körper kann kein eigenes Insulin produzieren. Catalina trägt eine Insulinpumpe, die die Glukose, also den Zucker im Blut, ständig misst. Wie viel Insulin gespritzt wird, hängt auch davon ab, wie viel Kohlehydrate man zu sich nimmt, also Zucker, Brot oder Nudeln. Diabetiker müssen sich also sehr gut mit Ernährung auskennen. Catalina achtet darauf:

"Dass ich vor dem Training nicht unterzuckert bin oder am Abstürzen bin, damit ich beim Training nicht kurz aussetzen muss, sondern die ganze Zeit dabeibleiben kann."

Bei Unterzuckerung hilft ein Stück Traubenzucker

Denn wenn man Sport treibt, braucht der Körper schnell Energie, das heißt Glukose. Der Blutzucker sinkt. Übelkeit oder Schwindel können die Folgen sein. Im schlimmsten Fall sogar ein Zuckerschock. Doch Catalinas Eltern haben Vertrauen darin, dass ihre Tochter merkt, wenn sie eine Pause machen muss. Falls eine Unterzuckerung eintritt, hilft ganz einfach Traubenzucker essen. Oder, ein bisschen vorausschauender, weil vom Körper schwerer abzubauen, ein Stück Schokolade. Bedenken, dass Catalina mit Diabetes Fußball spielt, hatten sie nie, sagt ihr Vater:

"Es ist ja auch so, dass sie, wenn sie zu niedrige Blutzuckerwerte hat oder zu hohe, dann kann sie auch nicht mittrainieren, dann kann sie nicht spielen. Und insofern gibt es eigentlich nie die Angst, dass etwas passieren könnte."

Immerhin gibt es auch berühmte Leistungssportler mit Diabetes. Der Gewichtheber und Olympiasieger Matthias Steiner ist einer von ihnen. Oder der Fußballspieler Dimo Wache, ehemals bei Mainz 05. Aber der war ja Torwart, sagt Catalina. Vorbilder sind für sie eher andere Feldspielerinnen. Schließlich will sie weder neben noch auf dem Platz eine Sonderbehandlung. Auch wenn Trainer Rainer Lux anfangs dazu neigte, sie zu schonen.

"Haben wir am Anfang zu geneigt, das stimmt. Aber wir haben uns gesagt, nein, warum? Und wir versuchen sie jetzt genauso mit ins Boot zu nehmen wie alle anderen auch. Weil sie es auch wirklich super hinkriegt und selber diesen Ehrgeiz mitbringt und das eigentlich gar nicht will. Und das merken wir auch."

Ein größeres Kompliment für Catalina gibt es wahrscheinlich gar nicht. Sie taucht am liebsten sowieso wieder unter den wippenden Pferdeschwänzen auf dem Platz unter. Eine von 20 ehrgeizigen Fußball-Schülerinnen.

Mehr zum Thema

Heilkraft des Sports - Bewegung auf Rezept
(Deutschlandradio Kultur, Nachspiel, 25.01.2015)

Nachspiel

Das Vereinsheim als TreffpunktDie dritte Halbzeit
Das Vereinsheim vom SV Einigkeit in Hamburg (Imago/Wrongside Pictures)

Die Brötchen sind geschmiert, frischer Kaffee wartet in der Kanne: "Das Vereinsheim ist das Wohnzimmer der Sportbewegung", sagt Peter Hahn, Berater für Sportstätten-Infrastruktur. Dort kommt zusammen, was zusammengehören will – in der Stadt und auf dem Land.Mehr

Ernüchternde Olympia-BilanzDie Moral steht im Regen
Ein Ordner in Regenkleidung weist Besuchern den Weg. Im Hintergrund sind dunkle Wolken zu sehen. (picture alliance / dpa / EPA / Barbara Walton)

Die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele mahnte zu Nachhaltigkeit und Fairness. Unserem Redakteur aber fielen vor allem gedopte Sportler, umweltfeindliche Ignoranz und Sportfunktionäre auf, denen der persönliche Profit mehr bedeutet als die Moral. Eine bedrückende Bilanz.Mehr

Crossfit-TrainingSchuften gegen den Schweinehund
Der Sportwissenschaftler und Ex-Rugby-Spieler Leo Löhr beim Crossfit-Training. (Deutschlandradio/ Elmar Krämer)

Mit wenig Aufwand viel Fett verlieren? Damit kann Crossfit nicht gemeint sein. Die in den USA entwickelte Trainingsmethode ist effektiv, aber auch wahnsinnig anstrengend. Unser Reporter hat einen Tag lang in einem Schnupperkurs mitgeschuftet.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur