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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 12.03.2008

Wenn die gespielte Diktatur Wirklichkeit wird

Neu im Kino: "Die Welle" und "Horton hört ein Huh"

Vorgestellt von Hannelore Heider

"Die Welle" ist die Neuverfilmung des Schulbuchklassikers von Morton Rhue, in dem ein Experiment unter Schülern gezeigt wird, das außer Kontrolle gerät. Was als Demonstration zur Empfänglichkeit autoritärer Strukturen gedacht war, endet als brutale Bewegung. "Horton hört ein Huh" ist die animierte Fassung des Kinderbucherfolges von Dr. Seuss und erzählt von einem Elefanten, der eine ganze Stadt auf einem Staubkorn entdeckt und diese vor einem Känguru retten muss.

"Die Welle"
Deutschland 2008. Regie: Dennis Gansel. Drehbuch: Dennis Gansel und Peter Thorwart frei nach der Drehbuchvorlage "The Wave" von Morton Rhue. Darsteller: Jürgen Vogel, Frederick Lau, Max Riemelt, Jennifer Ulrich, Christiane Paul u.a. Länge: 100 min.

Die Übertragung des Stoffes auf gegenwärtige deutsche Verhältnisse ist in diesem Kinofilm gelungen. Die Welle begann ihren Siegeslauf 1967 an einer kalifornischen High School, wo der Geschichtslehrers Ron Jones ein Experiment durchführte. Er wollte seinen Schülern sozusagen am lebendigen Organismus zeigen, wie schnell sie sich durch die Mechanismen einer Autokratie verführen lassen. Mit durchschlagendem Erfolg - nach fünf Tagen musste er das Experiment abbrechen.

1981 machte Autor Morton Rhue aus dem heiklen Schulversuch seinem Roman "The Wave", der noch im selben Jahr für das amerikanische Fernsehen verfilmt und mit einem Emmy ausgezeichnet wurde. Der Roman wurde für mehrere Jahrgänge auch Schulstoff an deutschen Schulen. Wenn jetzt deutsche Schüler (angesichts des Kinostarts in allen Medien befragt) sagen, dass sie sich den Erfolg eines solchen Experiments auf sich bezogen nicht mehr vorstellen können, ist wohl das Klassenziel erreicht, ein Ziel, das der Film freilich noch vor sich hat.

Gegen die Müdigkeit angesichts des in der Schule durchgekauten Stoffes setzt Dennis Gansel die attraktive Besetzung der Rollen. Jürgen Vogel spielt den unkonventionellen Gymnasiallehrer Rainer Wenger, der sich als alter Anarchist erst selbst mit dem Thema dieses Schulversuches anfreunden muss. Kinostar Max Riemelt ist Marco, der Schüler, mit dem sich die jungen Zuschauer sicher am ehesten identifizieren können. Die Atmosphäre an einem kleinstädtischen Gymnasium ist ebenso glaubwürdig getroffen wie die Jugendkultur, die den Film für die Zielgruppe sicher attraktiv machen kann.

Für ältere Zuschauer am interessantesten dürfte Frederick Lau als Tim sein. Bei diesem Jungen aus "gutem Hause" trifft das Experiment nahezu gespenstig auf unerfüllte Sehnsüchte, auf ein latent empfundenes Unbefriedigtsein, das durch mangelnde Liebe und Aufmerksamkeit, aber auch eigenes Unvermögen beruht. Hier ist Dennis Gansel sehr genau in seiner, wenn auch unvollständigen Sozialstudie, die existentielle Mängel unserer Gesellschaft und ihre möglichen Folgen aufzeigt.


"Horton hört ein Huh"
USA 2008. Regie: Steve Martino, Jimmy Hayward. Mit den Stimmen von Christoph Maria Herbst, Anke Engelke und anderen. Länge: 86 min.

"Horton hört ein Huh" (NUR IM ZUSAMMENHANG MIT DEM FILMSTART)Auch diese phantasievoll animierte Verfilmung der weltbekannten Kinderbücher von Dr. Seuss hat durchaus einen pädagogischen Anspruch, der so spielerisch verpackt ist, wie man es von den Machern des Kinoerfolges "Ice Age" aus den Blue Sky Studios nur erwarten konnte.

Elefant Horton lebt im Dschungel, ist aber durchaus philosophisch veranlagt, weshalb er auch hört, was seine Freundin, eine klitzekleine Maus, schlicht als Unsinn abtut: seine Blume spricht. Er hört deutlich ein Huh und das kommt von dem winzigen Staubkorn auf der Spitze der blasslila Kleeblüte, an der er so gerne riecht. Und weil er darauf besteht, wird er von den Tieren des Dschungels als verrückt erklärt, genauso wie sein Gegenpart auf der anderen Seite, respektive auf dem Staubkorn, das sich bald als komplette Stadt Hu-Heim am anderen Ende der Welt entpuppt.

Der Bürgermeister dieser Gemeinschaft menschenähnlicher Wesen hat Kontakt aufgenommen und erfährt von Elefant Horton, dass sie alle in großer Gefahr schweben. Denn auf einem klitzekleinen Staubkorn mitten auf einer Kleeblüte lebt es sich nicht besonders sicher. Und obwohl der Bürgermeister ein unkonventioneller Mann ist, was schon die Existenz von 97 eigenen Kindern beweist, wird auch er schlicht für verrückt erklärt, als er seinen Mitbürgern die Gefahr klarmachen will.

Und die kommt, denn die Oberaufsichtsperson des Urwaldes, eine Kängurudame, schickt ihre Büttel aus, um Horton die Blume wegzunehmen und wieder Ruhe im Dschungel einkehren zu lassen. Doch Elefanten sind treu und vergessen nichts, also lässt Horton trotz aller Widrigkeiten nicht ab von dem Plan, die Existenz auch dieser klitzekleinen Wesen zu sichern. Denn schließlich sind die vielleicht nicht einfach klein, sondern die Dschungeltiere nur einfach zu groß und wer weiß, vielleicht sieht von oben betrachtet der Dschungel auch klitzeklein aus.

Jedes Wesen hat seine Existenzberechtigung, dafür kämpft der sympathische Elefant und wenn er dafür eine ganze Wiese voller Kleeblüten absuchen muss. Trotz anfänglicher Ignoranz helfen am Ende alle Tiere dabei mit.

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