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Wenn das Unheil kommt

Elisabeth Rank: "Und im Zweifel für dich selbst", Suhrkamp Verlag, Berlin 2010, 202 Seiten

Lene und Tonia suchen an der Ostsee Klarheit.
Lene und Tonia suchen an der Ostsee Klarheit. (Stock.XCHNG / Christa Richert)

Was tun, wenn alle vertrauten Sicherheiten verloren gehen, wenn das gewohnte Leben von heute auf morgen aus dem Gleis zu springen droht? Lene, eine der Figuren in Elisabeth Ranks Erstlingsroman "Und im Zweifel für dich selbst", muss im heißen Sommer 2006 eine derartige Erfahrung machen, als man ihr mitteilt, dass ihr geliebter Freund Tim bei einem Verkehrunfall ums Leben gekommen ist.

Unfähig und unwillig, sich von Eltern oder Bekannten trösten zu lassen, steigt Lene in ihr Auto und bittet ihre Freundin Tonia, sie zu begleiten – auf einer Reise mit völlig unbestimmtem Ziel. Beide Frauen fallen aus Zeit und Raum – "Wir hatten keine Zusammenhänge mehr" – und machen sich von Berlin auf Richtung Meer, Richtung Darß, ehe man am Ende des Romans zu Tims Beerdigung nach Berlin zurückkehren wird. Während Tonia, aus deren Ich-Perspektive der Roman weitgehend erzählt ist, ihrer verzweifelten Freundin Trost spenden möchte, vermag diese nicht zu begreifen, dass die Muster ihres Lebens wertlos geworden sind.

"Dass mein Inneres plötzlich nicht mehr mit dem Äußeren übereinstimmt" – diese alarmierende Erkenntnis bringt Lene aus der Fassung, und der Roman versucht ihre innere Zerrissenheit in Landschafts- und Kindheitsbildern zu spiegeln. Als klassisches "roadmovie" angelegt, fahren die beiden jungen Frauen wahllos durch Mecklenburg, halten an Raststätten und Waldstücken an und hoffen, schließlich am Meer zu größerer Klarheit zu kommen.

Unwillkürlich erinnert man sich dabei an vergangene Momente, an das gegenseitige Kennenlernen, an Szenen, die mit einem Mal zu strahlen scheinen: Angesichts der grauen Wolken vor dem Fenster wünscht sich die eine der beiden Frauen, in der Hängematte im Garten hinter dem Haus ihrer Eltern zu liegen.

Elisabeth Ranks Debüt lebt von seiner sprachlichen Klarheit. Stilistische Missgriffe wie: "Das Déjà-vu war vorprogrammiert" sind selten. Über weite Strecken gelingt es der Autorin, das an sich konventionelle Setting ihrer Geschichte dadurch unverwechselbar zu machen, dass sie Naturbilder eindringlich mit der Psyche der beiden Reisenden verknüpft. Wie "dichter Nebel" liegt das Geschehen über den Figuren, die "orientierungslos in der Gegend" herumfahren.

Elisabeth Ranks verheißungsvolles Debüt sagt viel über die hier beschriebene Generation der Mittzwanziger. Einst gingen diese davon aus, dass ihnen kein Unheil widerfahren könne ("Ich hatte immer gedacht, so was könne gar nicht passieren. Uns jedenfalls nicht") – ein Heilsglauben, der nun in seinen Grundfesten erschüttert ist. Die jugendliche Naivität weicht; Lene, Tonia sowie ihre Freunde Vince und Friedrich sehen sich gezwungen, auf eigenen Füßen zu stehen.

Besprochen von Rainer Moritz

Elisabeth Rank: Und im Zweifel für dich selbst
Suhrkamp Verlag, Berlin 2010
202 Seiten, 12,90 Euro

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