Seit 09:07 Uhr Im Gespräch
 
Dienstag, 31. Mai 2016MESZ09:49 Uhr

Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 16.09.2005

Wenn aus Feinden Freunde werden

Deon Meyer: "Das Herz des Jägers"

Rezensiert von Birgit Koß

Armut in Südafrika (AP Archiv)
Armut in Südafrika (AP Archiv)

Was geschieht, wenn aus ehemaligen Feinden Freunde oder zumindest Verbündete werden sollen? Was heißt es für den Einzelnen, wenn seine Handlungen, die gestern noch im politischen Kampf erwünscht waren, heute als Verbrechen gelten?

Der Journalist Deon Meyer hat diese Fragen, die sich nach dem Ende der Apartheid in Südafrika aufdrängen, in einen Thriller verpackt. Der Roman "Das Herz des Jägers" wurde in Südafrika mit einem begehrten Literaturpreis ausgezeichnet, in den USA zählte man ihn zu den zehn besten Thrillern des letzten Jahres.

Zehn Jahre nach dem Ende der Apartheid arbeitet Thobela Mpayipheli als Putzhilfe bei einem Motorradhändler. Der Mann, der Freiheitskämpfer im Untergrund und Auftragskiller des KGB war, widmet sich ganz der Liebe zu Miriam und ihrem Sohn Pakamile. Doch dann erscheint Monica Kleintjes und bittet ihn um Hilfe. Ihr Vater Johnny Kleintjes war einst ein mächtiger Mann in der Regierung. Der Computerspezialist führte nach der Apartheid wichtige Datenbänke zusammen und stieß auf brisante Informationen, die er offensichtlich verkaufen wollte. Der Deal misslang, Kleintjes wurde entführt.

Um ihn vor dem Tod zu retten, muss eine Festplatte nach Sambia gebracht werden. Monica Kleintjes bittet Thobela Mpayipheli, dies für sie zu tun. Schweren Herzens übernimmt der Schwarze die Aufgabe, weil er bei seinem Freund in der Schuld steht. Doch er ahnt, dass nun zurückkehrt, was er hinter sich lassen wollte. Bereits am Flughafen interessieren sich Männer der Presidential Intelligence Unit, des wichtigsten Geheimdienstes des Landes, für die Festplatte. Sie unterschätzen den zwei Meter großen Mpayipheli. Er "leiht" sich von seinem Arbeitgeber ein BMW-Motorrad. Es beginnt eine gnadenlose Verfolgungsjagd quer durch Südafrika. Nicht nur Polizei und Geheimdienst sind Mpayipheli auf den Fersen, auch die Medien.

Deon Meyer zieht den Leser durch Rückblenden, Verhörprotokolle und verschiedene Erzählperspektiven in den Bann, auch wenn die vielen Untergruppen der Geheimdienste auf Dauer kaum noch zu unterscheiden sind. Er belässt es nicht bei der üblichen Spionagegeschichte, sondern stellt die politischen und moralischen Veränderungen in Südafrika in den Mittelpunkt.

Mit Hilfe einer Journalistin zeichnet Meyer das sympathische Bild eines Helden, der gehofft hatte, seine Vergangenheit hinter sich lassen zu können. Der Mann, der nur noch Familienvater sein möchte, versucht auf seinem Weg nach Sambia, so wenig Blut wie möglich zu vergießen, doch die Verhältnisse lassen ihm kaum eine Wahl. Auch im so genannten neuen Südafrika gibt es Betrug und Verrat. Die Antworten des ehemaligen Kämpfers können nicht immer friedlich ausfallen. Nebenbei outet sich Deon Meyer als Motorradfan und nimmt den Leser mit auf eine eindrucksvolle Fahrt durch Südafrika.


Deon Meyer: Das Herz des Jägers
Thriller. Aus dem Englischen von Ulrich Hoffmann.
Rütten & Loening 2005. 409 Seiten, 19,90 €.

Buchkritik

Moby: "Porcelain"Wie Moby ein Popstar wurde
Radio City Music Hall (r.) an der 50th Street in Midtown Manhattan in New York. Aufgenommen am 28.06.2012. (picture alliance / zb / Nestor Bachmann)

Ehrlich und selbstironisch erzählt Moby in seiner Autobiografie wie er Anfang der 90er-Jahre in New York zum DJ-Messias aufstieg. In "Porcelain" schreibt der weltbekannte Techno-DJ und Musiker über sein Künstlerleben in der Metropole und die Underground-Clubszene.Mehr

weitere Beiträge

Literatur

Reform des UrhebervertragsrechtsDavid gegen Goliath?
(Deutschlandradio / Jörg Plath)

Kreative verdienen durchschnittlich weniger als 20000 Euro brutto jährlich. Eine Novelle des Urhebervertragsrechts will nun ihre Position stärken. Bei Verlagen und interessanterweise auch bei nicht wenigen Autoren hat das Vorhaben bereits für starke Unruhe gesorgt.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

fghjghj