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Kommentar / Archiv | Beitrag vom 04.01.2016

WeltwirtschaftBörsencrash in China - Warnschuss oder Gong-Schlag?

Von Klemens Kindermann

Konzentriert blickt ein Aktienhändler auf dem Parkett der Deutschen Börse in Frankfurt am Main (Hessen) am 04.01.2016 auf seine Monitore. Nachdem China den Börsenhandel ausgesetzt hatte, brach der deutsche Leitindex ein.  (picture alliance / dpa / Boris Roessler)
Ein Aktienhändler blickt an der Börse in Frankfurt am Main auf seine Monitore. Nachdem China den Börsenhandel ausgesetzt hatte, brach der deutsche Leitindex ein. (picture alliance / dpa / Boris Roessler)

Die chinesische Wirtschaft schwächelt - und zwar schwer. Abzulesen ist das aktuell an der Börse, wo am Dienstag Kursverluste für eine vorzeitige Beendigung des Handels sorgten. Die Kursverluste dort sollte die Exportnation Deutschland ernst nehmen. 2016 könnte ein unruhiges Jahr werden, kommentiert Klemens Kindermann.

Das war der Gong-Schlag zum Jahresanfang: Alle, die glaubten, die Weltwirtschaft ginge in ein ruhiges Jahr, hat China heute aufgeschreckt. Der dortige massive Kurseinbruch zeigt: Auch 2016 wird ein äußerst unruhiges Jahr und die Risiken für die Exportnation Deutschland steigen. Dass die Wirtschaftsverbände noch positiv auf das neue Jahr schauen, der Bundesverband der Deutschen Industrie sogar voller Optimismus ein Wachstum von fast zwei Prozent annimmt, ist möglicherweise zu kurz gedacht. Der niedrige Ölpreis, die niedrigen Zinsen, der stabile Binnenkonsum – all' das spricht derzeit zwar für eine gute Entwicklung der deutschen Wirtschaft. Aber längst ist diese global zu vernetzt, als dass man die Gefahren außer Acht lassen könnte, die sich international ankündigen.

Da ist die Eskalation im iranisch-saudischem Streit, das wachsende geopolitische Risiko im Nahen Osten auch durch die Beteiligung Russlands, die zunehmende Terrorismusgefahr – all' dies mit Folgen für die weltwirtschaftliche Entwicklung. Da sind die neuen Sorgen um die US-amerikanische Ökonomie, die möglicherweise doch nicht so schnell und fulminant erstarkt wie offenbar auch von der US-Notenbank erhofft. Und da ist eben China: der Hoffnungsträger gerade und besonders von deutschen Unternehmen.

Die Börsen reagierten geschockt

Etwa 6.000 sind derzeit dort aktiv und sie spüren, dass die Geschäfte immer schwieriger werden. Heute wurde bekannt, dass die industrielle Aktivität Chinas im Dezember den zehnten Monat in Folge zurückgegangen ist. Ein echter Paukenschlag, denn fast alle Experten hatten endlich eine Verbesserung oder zumindest eine Beruhigung der Lage erwartet. Dass das nicht so kam, darauf haben die Börsen in China heute geschockt reagiert.

Dass auch die anderen Märkte in Fernost und anschließend in Europa nicht minder außer Fassung gerieten, zeigt: Die Gefahr, dass China für das Jahr 2016 erheblich weniger Geschäft bringt, wird zumindest von Investoren gesehen. Peking schafft es nicht schnell genug, die Wirtschaft umzustellen: von einem export- auf ein konsumbasiertes Modell. Dass die nach den USA zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt jetzt auf absehbare Zeit kleinere Brötchen backen muss, kann auch die deutschen Unternehmen nicht kalt lassen. Seit dem Jahr 2000 haben sie ihre Exporte dorthin fast verachtfacht. Diese Zeiten könnten endgültig vorbei sein. Der China-Crash zum Jahresanfang ist für die Börsen vielleicht nur ein Tag schmerzhafter Verluste, für die deutschen Unternehmen sollte er mehr sein: ein Gong-Schlag, um wach zu sein für die internationalen Risiken 2016.

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