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Fazit / Archiv | Beitrag vom 21.05.2012

Weltstar ohne Allüren

Ein Nachruf auf Robin Gibb

Von Uwe Golz

Der britische Sänger Robin Gibb bei einem Auftritt 1983 in Bremen
Der britische Sänger Robin Gibb bei einem Auftritt 1983 in Bremen (picture alliance / dpa / Dieter Klar)

Mit seiner Stimme und seiner Art zu singen prägte Robin Gibb schon seit Kinderzeiten in Australien die Bee Gees. Durch sein Vibrato machte er so manchen Hit unsterblich. Nun ist Gibb tot, doch seine Songs werden uns weiter begleiten.

Da braucht es scheinbar einen Todesfall, um wieder ein paar Bee Gees-Songs zu Ehren kommen zu lassen. Aber ist man wirklich ehrlich, dann hätte es das nicht gebraucht. Der Tod von Robin Gibb zeigt nur einmal mehr, wie vergesslich unsere Pop-Welt ist. Nun ist Robin Gibb nach langer Krankheit gestorben - und was klingt aus vielen Lautsprechern? "Stayin Alive"! Das ist gespielter Hohn, denn Bruder Barry spielte hier die erste Geige.

Robin Gibb prägte mit seiner Stimme und seiner Art zu singen schon seit Kinderzeiten in Australien die Band, durch sein Vibrato machte er so manchen Hit der Bee Gees unsterblich. Und bei aller Furore, die die Disco-Welle und "Saturday Night Fever" auslöste, die Songs dieser Ära waren Pipifax im Vergleich zu den frühen Jahren.

Gibb war höflich wie ein Gentleman

Die Popgeschichte lässt schnell vergessen, und so wird oft übersehen, dass die Brüder Gibb fast gleichberechtigt neben den Beatles, Stones und Beach Boys standen. Ich erinnere mich noch gut an den Aufstand kreischender Mädchen in einem Londoner Bus, als diese entdeckten, dass der Roll Royce hinter uns von Robin Gibb gesteuert wurde. Der lächelte und hob winkend die Hand, was zwar nicht zu Ohnmachtsanfällen führte, wohl aber zu noch mehr Gekreische. Jahre später dann, als wir uns bei einem Interview gegenüber saßen, bestätigte sich nur mein Londoner Eindruck: Ein Weltstar ohne Allüren, der selbst diesem Radiofrischling auf die dümmsten Fragen höflich und gentleman-like antwortete.

Ich will jetzt über "Juliet" schweigen, Robin Gibbs großen Hit auf Solopfaden – das war Anfang der 80er-Jahre. Auch über sein letztes Werk, das Requiem für die Titanic, entstanden in Zusammenarbeit mit seinem Sohn. Und ich will auch nicht über die Projekte reden, die Robin Gibb noch hoffte zu schaffen. All das führt nur zu der Erkenntnis: Als Solisten bewies sich auch bei den Bee Gees, dass große Songschreiber oft nur Teile eines Ganzen sind und erst im Ganzen die Vollendung finden.

Und wer einmal in seiner hoffentlich noch vorhandenen Plattenkiste kramt, wird einige ganz große Popnummern aus dem Hause Gibb finden. Egal ob bei ihrem ersten Achtungserfolg "Spicks & Specks", oder ihren auf diversen Klassenfeten hochgeschätzten Schmusenummern, aber erst recht bei ihren Konzeptalben "Trafalgar" und nicht zu vergessen das opulente "Odessa" – alle Alben lieferten Hits. Ein musikalischer Bruderzwist über dieses Doppelalbum in roter Samtkartonage sorgte dann allerdings dafür, dass Robin 1968 den Hut nahm und erst zwei Jahre später wieder zu den Brüdern stieß. Nun ist Robin Gibb tot, doch seine Songs werden mich weiter begleiten.

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Meister des mehrstimmigen Falsettgesangs