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Kompressor | Beitrag vom 22.02.2016

Wehrhahnlinie in DüsseldorfKunstparcours für Jedermann

Von Susanne Luerweg

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Vier Stationen der neuen Wehrhahnlinie in Düsseldorf: Pempelforter Straße (o.l.), Graf-Adolf-Platz (o.r.), Schadowstraße (u.l.) und Benrather Straße (u.r.) (picture alliance / dpa / Monika Skolimowska)
Vier Stationen der neuen Wehrhahnlinie in Düsseldorf: Pempelforter Straße (o.l.), Graf-Adolf-Platz (o.r.), Schadowstraße (u.l.) und Benrather Straße (u.r.) (picture alliance / dpa / Monika Skolimowska)

Wer in Düsseldorf U-Bahn fährt, kann dort Kunst erleben: Sechs Stationen der sogenannten Wehrhahnlinie wurden von Künstlern und Designern gestaltet. Sie alle sind verknüpft durch ein bestimmtes Designkonzept. Die neue U-Bahnlinie wurde nun eröffnet.

Die Bahn kommt und der Reisende muss aufpassen, dass er an der Station Benrather Straße in Düsseldorf  nicht vergisst einzusteigen, weil er sich in einer Art Raumschiff wähnt. Sechs große Monitorwände hat der Installationskünstler Thomas Stricker in den Wartebereichen verteilt. Und mit Hilfe der Monitore holt er den Himmel nach unten und verleiht der von ihm gestalten Station jenen identitätsstiftenden Charakter, den sich Jochen Schuh, einer der verantwortlichen Planer von netzwerkarchitekten, erhofft hat.

"Es ist eine sehr poetische Idee. Das Spannende, wenn man jetzt durchgeht, also das Konzept 'Himmel oben, Himmel unten' von Thomas Stricker geht genauso auf wie das Konzept 'Surround' von Heike Klussman, wo quasi ein Bahnhof durch eine ganz andere Art und Weise in Schwingung versetzt wird."

Heike Klussmann, Professorin an der Universität Kassel für den Bereich Bildende Kunst, hat den Bahnhof Pempelforter Straße gestaltet. Weiße Bänder auf schwarzem Grund brechen sich an der Geometrie des Raumes und der Besucher hat das Gefühl, dass alles in Bewegung ist.

Heike Klussmann hat aber nicht nur eine der sechs Stationen entworfen, sondern fungierte als eine Art "Design-Mastermind" während der gesamten Planungs- und Bauzeit der Düsseldorfer Wehrhahnlinie.

"Und dann wurde schnell klar mit der Entwicklung des Konzeptes, das Kontinuum, das unterirdisch alle Stationen miteinander verbindet und den Schnitträumen, die dann die unterirdischen Stationen mit dem Stadtraum vertikal verbinden, dass das auch die Orte für die Kunst sein würden."

Das so genannte "Kontinuum" ist eine Röhre. Die U-Bahn fährt durch einen weißen, stromlinienförmigen Baukörper. Die Bahnhöfe gleichen Ausbuchtungen, an manchen Stellen hart hineingeschnitten, und doch jeder auf seine Art ein Kunstgenuss.

Von Videokunst bis Skulptur

Fast alle Disziplinen sind vertreten: Videokunst genauso wie bildende Kunst und der Bereich Skulptur, den die Leipziger Künstlerin Enne Haehnle mit wunderschönen, aus Keramik geformten Schriftzeichen bedient. So unterschiedlich die Disziplinen und die verwendeten Materialien sind, gibt es doch eine Gemeinsamkeit, die sich durch alle Arbeiten zieht, meint Heike Klussmann:

"Wenn wir heute zurückblicken, geht es in diesen Räumen sehr viel um Wege, um Wegeführung, um Transiträume. Es beginnt am Kirchplatz mit einer Schriftspur oder die Farbräume von Manuel Franke ziehen sich vom Straßenraum bis in die U-Bahn Station."

An der Haltestelle Schadowstraße hat die Künstlerin Ursula Damm eine interaktive Installation geschaffen. Ein eigens von ihr konzipiertes Computerprogramm übersetzt die Bewegung der Passanten in Bilder.

An der Heinrich-Heine-Allee empfängt den U-Bahn-Nutzer Vogelgezwitscher. Ralf Brög hat, zusammen mit anderen, eine Soundinstallation entworfen. Eine Arbeit, die immer wieder anders und neu sein wird, glaubt Jochen Schuh von netzwerkarchitekten.

"Ich bin auch froh, dass es so Konzepte gibt, die so entwickelt werden, dass zukünftig auch weitere Personen auch eingebunden werden können und das ist auch die Absicht von Ralf Brög. Im ersten Wurf werden jetzt Stefan Schneider, der Rittberger aus Berlin und Herr Dahlke und Herr Stojak diese Räume mit ihren Soundinstallationen überformen und das ist, was auch zukünftig mit anderen Personen oder Künstlern weitergeführt werden kann."

Alle Beteiligten im Prozess eingebunden

Die Wehrhahnlinie in Düsseldorf ist ein 3,4 Kilometer langer Kunstparcours für Jedermann. Kunst im öffentlichen Raum, die hoffentlich die Jahre überdauert. Die architektonische Formsprache ist sicher in den nächsten Jahren noch gültig und der Betreiber der U-Bahn Linie, die städtische Rheinbahn, will für den Schutz der Kunstwerke sorgen.

Vielleicht klappt dies ja genauso gut wie die Zusammenarbeit zwischen Stadt, Land, Bund, Planern und Künstlern. Das Geheimnis, so die Verantwortlichen: Von Anfang an seien alle Beteiligten in den Prozess eingebunden gewesen. Das Ergebnis ist ein sehr gelungenes öffentliches Baukunstwerk. Eine zentrale U-Bahn Linie im Herzen von Düsseldorf, deren Bahnhöfe man gar nicht mehr verlassen möchte. 

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