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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 23.03.2013

Wasser - Lebensmittel und Spekulationsobjekt

Gäste: Dr. Klaus Lanz, Gründer des unabhängigen Beratungsinstituts international water affairs – und Mathias Ladstätter, Wasser-Experte bei der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di

Moderation: Gisela Steinhauer

Wasser: überlebenswichtig für den Menschen. (Christian Riis Ruggaber)
Wasser: überlebenswichtig für den Menschen. (Christian Riis Ruggaber)

Wasser ist unser Lebensmittel Nummer Eins. Ohne Wasser keine Landwirtschaft, keine Industrie – schlicht kein Leben. Aber Wasser wird weltweit immer knapper: Fast 900 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, 2,6 Milliarden Menschen können keine sanitären Anlagen nutzen.

Nur 0,3 Prozent der weltweiten Wasservorräte sind als Trinkwasser verfügbar. Und: Immer mehr dieser Quellen sind im Besitz von Lebensmittelkonzernen, die der Bevölkerung das Wasser buchstäblich abgraben und teuer vermarkten. Aktuell erregen zudem die Pläne der Europäischen Kommission, den Wassermarkt zu liberalisieren, heftigen Widerstand. Allein in Deutschland haben bereits mehr als 1,3 Million Menschen das europäische Bürgerbegehren "Wasser ist Menschenrecht!" unterzeichnet.

Darauf macht der Weltwassertag der Vereinten Nationen aufmerksam, der alljährlich am 22. März begangen wird. Die UN haben 2013 zudem zum Internationalen Jahr der Wasserkoordination ausgerufen.

"Wasser ist eines der wichtigsten Themen des 21. Jahrhunderts. Megastädte, Gewässerverschmutzung und Klimawandel sind Entwicklungen, die die Wasserschätze der Erde gefährden und eine sichere und zuverlässige Wasserversorgung zunehmend erschweren","

sagt Klaus Lanz. Der Chemiker und Publizist ist Gründer des unabhängigen Forschungs- und Beratungsinstituts "international water affairs" mit Sitz in Evilard in der Schweiz und kennt die Wasserbedingungen weltweit. Wasser sei schon heute eine kritische Ressource, deren Bedeutung aber besonders in den Industrieländern unterschätzt werde.

""Wasser wird für viel zu selbstverständlich genommen. Es hat keinen Geschmack, keine Farbe, also auch keine Bedeutung. Erst wenn es nicht mehr verfügbar ist, sieht man das Problem."

Diese Probleme seien auch schon in Europa und Deutschland zu beobachten:

"50 Prozent der Feuchtgebiete in der OECD sind im 20. Jahrhundert durch die Industrialisierung verschwunden."

Die intensive Landwirtschaft, aber auch der Kohleabbau, ließen ganze Landstriche versanden – mit Folgen über Jahrzehnte. Deutschland sei im internationalen Vergleich immer noch ein Vorbild in Wasserqualität und Versorgung. Diese Qualität gelte es zu erhalten.

"Wasser ist keine Ware", sagt Mathias Ladstätter. Er ist Bundesfachgruppenleiter Wasserwirtschaft bei der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und deutscher Koordinator des Europäischen Bürgerbegehrens "Wasser ist Menschenrecht!". Seine Forderung:

"Das Wasser aus dem Binnenmarkt raushalten. Wasser als öffentliches Gut, als kostbare, nicht unendlich verfügbare Ressource, darf nicht der Gestaltung durch den Markt preisgegeben werden. Alle Lebensmittelskandale der letzten Wochen zeigen, wie wichtig hier öffentliche Kontrolle und Transparenz sind."

Städte wie Braunschweig, Potsdam oder Berlin zeigten, was eine Privatisierung der Wasserbetriebe bedeute.

"Ein privates Monopol vernachlässigt eher die Qualität, arbeitet wegen zeitlich begrenzter Verantwortung weniger nachhaltig, und die privat gewollte Gewinnmaximierung bewirkt höhere Kosten."

Seine Mahnung: "Einmal verkauft ist verkauft. Einmal privatisiert ist privatisiert."

Wasser – Lebensmittel und Spekulationsobjekt

Darüber diskutiert Gisela Steinhauer heute von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr gemeinsam mit Klaus Lanz und Mathias Ladstätter. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 00800 2254 2254 oder per E-Mail unter gespraech@dradio.de

Weitere Informationen:
Über das Bürgerbegehren "Wasser ist Menschenrecht!"
Über Klaus Lanz

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