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Fazit / Archiv | Beitrag vom 29.08.2012

Was vor 20 Jahren geschah…

Neu im Kino: "Goldrausch - Die Geschichte der Treuhand"

Von Hannelore Heider

Bei der Abwicklung der Treuhand kam es auch zu Protesten. (Copyright: Andreas Schloesel)
Bei der Abwicklung der Treuhand kam es auch zu Protesten. (Copyright: Andreas Schloesel)

Wie war das eigentlich, damals nach der Wende, als das Volksvermögen der DDR privatisiert wurde? Die Dokumentation "Goldrausch" reist zurück in die 90er und versucht, Licht ins Dunkel im die Treuhand zu bringen.

Unterlegt mit einer ruhig erzählenden Frauenstimme beginnt die Dokumentation mit den letzten Dokumentaraufnahmen von der sterbenden DDR, um den Ausgangspunkt zu setzten für die folgenden gut vier Jahre, in denen die politische Institution Treuhandanstalt, wie die Öffentlichkeit sie erlebt hat, die Privatisierung des Volksvermögens der DDR-Bürger vornahm.

Die Idee - und das ist der erste erhellende Augenblick in dieser mit Informationen und politischen Einordnungen voll gepackten Dokumentation - stammt von den Bürgerrechtlern der DDR, denen eine Art Vouchervergabe über Vermögenswerte an jeden DDR-Bürger vorschwebte, eine Idee, die vom Runden Tisch ohne Widerspruch gut geheißen wurde.

Es kam anders und wie es dazu kam, wird in Aussagen von Zeitzeugen dieses Prozesses beleuchtet. Sie kommen vor allem aus der Institution Treuhand selbst, aber auch ein politisches Schwergewicht wie der letzte Vizepräsident der Volkskammer der DDR und spätere Ministerpräsident Sachsen-Anhalts, Reinhard Höppner, schildern, wie sie diesen Prozess der politisch gewollten Privatisierung des Volksvermögens im Detail erlebt haben.

Das ist ein interessanter Ansatzpunkt, denn so bleibt der Film nicht bei einer Verteufelung der Treuhand stehen, dessen im Film aussagende Vertreter durchaus ehrenwerte Motive für ihre Arbeit hatten. Hauptzeugen sind Klaus Klamroth, von 1990 bis 1992 Treuhanddirektor in Halle und Detlef Scheunert, Vorstandsassistent der Treuhand von 1990 bis 1991 und danach bis 1994 Treuhanddirektor in der Berliner Zentrale.

Prominente Missbrauchsfälle werden mit Dokumentarfilmmaterial gezeigt, aber interessanter sind die "normalen" Abwicklungen. Wenn ein Ministerpräsident Reinhard Höppner bekennt, dass die Treuhand mächtiger war als die Landesregierung und dagegen die im Film auftretenden Treuhandvorstände nach eigenen Aussagen selbst "gar nichts" zu bestimmen hatten, wird das Interesse des Zuschauers auf die eigentlich für diesen Prozess Verantwortlichen, die Politiker in Bonn und die Banken gerichtet, die mit ihrem Geld die Privatisierung nicht nur ermöglichten, sondern offenbar ohne Risiko riesige Gewinne einfuhren, während die Treuhand und damit der Staat und die Steuerzahlen mehr als 256 Milliarden DM Verluste machten.

Damit ist der Film politisch wirklich brisant und er ist schockierend, wenn man erlebt, wie sich die Betroffenen in sozial für sie so folgenreichen Jahren in ihr Schicksal fügten. Selbst wenn starke Worte wie "Plünderung" und "Erpressung" seitens der beteiligten Treuhänder fallen, ist die Dokumentation kein politisches Pamphlet, sondern ein Wissenskompendium zu einer gerade mal 20 Jahre zurückliegenden, mit vielen Emotionen belasteten Aktion: Ihr Ausmaß konnte auch ein Bundestagsuntersuchungsausschuss nie aufklären, weil 80 Prozent aller verfügbaren Akten immer noch unter Verschluss sind.

Deutschland 2011. Darsteller: (Mitwirkende) Klaus Klamroth, Detlef Scheunert, Gerd Gebhardt, Matthias Artzt, Klaus-Peter Wild, Werner Schulz, Reinhard Höppner, Vera Teller. Ohne Altersbeschränkung. 94 Minuten.

Infos zum Film "Goldrausch"

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Glücksritter und Hochstapler

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