Sonntag, 21. September 2014MESZ10:07 Uhr

Kulturpresseschau

Aus den Feuilletons"Eine Religion der Beliebigkeit"
Unterstützer der Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) mit Fahne. 

Es gibt über zehn anerkannte Lesarten des Koran. Wer will, kann sich daraus seinen eigenen Islam basteln, schreibt die Publizistin Necla Kelek in der NZZ - auch radikale Gruppen wie der IS können ihre Taten mit ihm begründen. Mehr

weitere Beiträge

Fazit

FestivalRatlos auf der Reeperbahn
Eröffnungsfeier des Reeperbahn-Festivals am 17.9.2014

Das Reeperbahn-Festival in Hamburg hat sich innerhalb weniger Jahre zu einem der bedeutendsten Treffs der Musikbranche entwickelt. Auch in diesem Jahr zeigte sich: Die Branche ist noch immer auf der Suche nach dem Kurs für die Zukunft. Mehr

Abstrakte MalereiEin wahr gewordener Traum
Mark Rothkos Werk "Black on Maroon" hängt in der Tate Modern in London.

Beide malten abstrakt und beeinflussten sich, obwohl sie sich wahrscheinlich nie getroffen haben: Rothko und Mondrian. In Den Haag kann man nun eine Ausstellung mit Werken beider Künstler sehen. Mehr

IsraelKultur in Zeiten des Krieges
Die Davidszitadelle in der Altstadt Jerusalems.

Nur drei Wochen nach der Waffenruhe zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas lädt das "Open House Festival" Menschen aus aller Welt nach Jerusalem. Wie schnell kehrt wieder Normalität ein - und wie ist es um die Kulturszene der Stadt bestellt?Mehr

weitere Beiträge

Fazit / Archiv | Beitrag vom 05.09.2012

"Was bleibt"

Ein bürgerliches Drama von Hans-Christian Schmid

Von Jörg Taszman

Szene aus dem Film "Was bleibt" mit Lars Eidinger
Szene aus dem Film "Was bleibt" mit Lars Eidinger (picture alliance / dpa / Gerald von Foris)

In seinem Film "Was bleibt" hat Regisseur Hans-Christian Schmid die gehobene Mittelschicht ins cineastische Blickfeld gerückt. Allerdings thematisiert er die Alltagsleiden der bürgerlichen Mittelschicht ohne Humor oder Doppelbödigkeit.

Hans-Christian Schmid, der seine Karriere so vielversprechend begann mit den Jugendfilmen "Nach Fünf im Urwald", "Crazy" und "23", gehörte zu den großen Hoffnungsträgern des neueren deutschen Films. Es folgten dann der bemühte Episodenfilm "Lichter", ein wieder filmisch überzeugender Beitrag zum Thema Exorzismus und religiöser Fanatismus "Requiem" und der aufwendig recherchierte und gut produzierte, aber leider an den Kinokassen gefloppte "Sturm", der die Mühen des Aufarbeitens von Kriegsverbrechen in Den Haag am Beispiel des Balkankrieges thematisierte.

Mit "Was bleibt" ist Hans-Christian Schmid nun in Deutschland bei der gehobenen Mittelschicht gelandet. Ein erwachsener Sohn - Marko - (Lars Eidinger) besucht seine Eltern in der deutschen Provinz. Die Mutter Gitte (Corinna Harfouch) leidet seit 30 Jahren an Depressionen, setzt plötzlich ihre Medikamente ab. Der Vater Günter (Ernst Stötzner) reagiert jovial, männlich arrogant und mit einem nicht ganz ehrlichen zweifelnden Mitgefühl. Er führt seit Jahren ein Doppelleben, hält sich eine Geliebte und kann eine "gesunde" Ehefrau nicht so recht brauchen. Der jüngere Bruder kämpft verzweifelt um seine berufliche Existenz als Arzt und kann ohne Papas Geld nicht leben.

Das Problem von "Was bleibt" ist bedauerlicherweise, dass beim Zuschauer kaum Empathie mit den Figuren entsteht. Es ist bestenfalls ein gut gespieltes, bürgerliches Drama und thematisiert die Alltagsleiden einer saturierten Mittelschicht ohne Humor oder Doppelbödigkeit. Das Drama um die Mutter verliert sich dann auch noch im dramaturgischen Hokuspokus im deutschen Wald ...

So hat Hans-Christian Schmid diesmal leider einen Film gedreht, der schon beim Sehen etwas langweilt und bei dem nichts bleibt, das den Betrachter nach dem Kinobesuch noch lange beschäftigt.

Deutschland 2012; Regie: Hans-Christian Schmid; Darsteller: Lars Eidinger, Corinna Harfouch, Ernst Stötzner, Sebastian Zimmler, Picco von Groote; ab 12 Jahren; Länge: 85 Minuten

Filmhomepage


Mehr zum Thema:

Ein Spezialist für das Unspektakuläre
Drehbuchautor Bernd Lange im Porträt (DKultur)

Über das Nicht-Wahrhaben-Wollen
Gespräch mit Hans-Christian Schmidt (DKultur)

"Ich möchte ein emotionales Erlebnis"
Regisseur Hans-Christian Schmid über die Berlinale-Premiere seines Familiendramas "Was bleibt" (DKultur)