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Die bayerische Staatsoper, aufgenommen am 12.11.2012 in München (Bayern). Vor dem Gebäude steht das Reiterdenkmal des ersten Königs von Bayern, Max I. Joseph.

In "Die Sache Makropulos" lebt Emilia ohne zu Altern, umschwärmt von Liebhabern mehrerer Generationen, und fragt sich: Weiterleben oder doch endlich sterben? Musikalisch gelingt diese tragikomische Oper, doch hapert es an der Regie.Mehr

Sibylle BergKeine peinlichen Momente!
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Eine gute Mischung "aus viel Quatsch, Humor und ein bisschen Traurigkeit" - so könnte man einen gelungenen Theaterabend umschreiben, sagt die Schriftstellerin Sibylle Berg. Im besten Fall sei Theater gelungene Unterhaltung, meint sie. Sie selbst habe dort aber oft "Qual-Gefühle".Mehr

BühneNummerngirls im Opernhaus
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Bekannt ist Hans Krása für seine Kinderoper "Brundibár", die im KZ Theresienstadt aufgeführt wurde. Seine Oper "Verlobung im Traum" hat nun das Staatstheater Karlsruhe inszeniert: pointiert, voll Wärme – und mit Varieté-Flair.Mehr

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Fazit / Archiv | Beitrag vom 05.09.2012

"Was bleibt"

Ein bürgerliches Drama von Hans-Christian Schmid

Von Jörg Taszman

Szene aus dem Film "Was bleibt" mit Lars Eidinger
Szene aus dem Film "Was bleibt" mit Lars Eidinger (picture alliance / dpa / Gerald von Foris)

In seinem Film "Was bleibt" hat Regisseur Hans-Christian Schmid die gehobene Mittelschicht ins cineastische Blickfeld gerückt. Allerdings thematisiert er die Alltagsleiden der bürgerlichen Mittelschicht ohne Humor oder Doppelbödigkeit.

Hans-Christian Schmid, der seine Karriere so vielversprechend begann mit den Jugendfilmen "Nach Fünf im Urwald", "Crazy" und "23", gehörte zu den großen Hoffnungsträgern des neueren deutschen Films. Es folgten dann der bemühte Episodenfilm "Lichter", ein wieder filmisch überzeugender Beitrag zum Thema Exorzismus und religiöser Fanatismus "Requiem" und der aufwendig recherchierte und gut produzierte, aber leider an den Kinokassen gefloppte "Sturm", der die Mühen des Aufarbeitens von Kriegsverbrechen in Den Haag am Beispiel des Balkankrieges thematisierte.

Mit "Was bleibt" ist Hans-Christian Schmid nun in Deutschland bei der gehobenen Mittelschicht gelandet. Ein erwachsener Sohn - Marko - (Lars Eidinger) besucht seine Eltern in der deutschen Provinz. Die Mutter Gitte (Corinna Harfouch) leidet seit 30 Jahren an Depressionen, setzt plötzlich ihre Medikamente ab. Der Vater Günter (Ernst Stötzner) reagiert jovial, männlich arrogant und mit einem nicht ganz ehrlichen zweifelnden Mitgefühl. Er führt seit Jahren ein Doppelleben, hält sich eine Geliebte und kann eine "gesunde" Ehefrau nicht so recht brauchen. Der jüngere Bruder kämpft verzweifelt um seine berufliche Existenz als Arzt und kann ohne Papas Geld nicht leben.

Das Problem von "Was bleibt" ist bedauerlicherweise, dass beim Zuschauer kaum Empathie mit den Figuren entsteht. Es ist bestenfalls ein gut gespieltes, bürgerliches Drama und thematisiert die Alltagsleiden einer saturierten Mittelschicht ohne Humor oder Doppelbödigkeit. Das Drama um die Mutter verliert sich dann auch noch im dramaturgischen Hokuspokus im deutschen Wald ...

So hat Hans-Christian Schmid diesmal leider einen Film gedreht, der schon beim Sehen etwas langweilt und bei dem nichts bleibt, das den Betrachter nach dem Kinobesuch noch lange beschäftigt.

Deutschland 2012; Regie: Hans-Christian Schmid; Darsteller: Lars Eidinger, Corinna Harfouch, Ernst Stötzner, Sebastian Zimmler, Picco von Groote; ab 12 Jahren; Länge: 85 Minuten

Filmhomepage


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