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Kulturpresseschau

Aus den Feuilletons"Es gibt keine Sammlung Gurlitt"
Christoph Schäublin, Stiftungsratspräsident des Kunstmuseums Bern, am 24.11.2014 in Berlin bei der Pressekonferenz zur Unterzeichnung der Vereinbarung zum Nachlass des Kunstbesitzers Cornelius Gurlitt.

Wenn "SZ" und "FAZ" dieselbe Überschrift haben, dann muss es schon ein besonderes Thema sein: die Pressekonferenz des Berner Museums zu Gurlitt. Nicht einer Meinung sind die Zeitungen allerdings bei der Deutung der Situation.Mehr

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Die Sammlung von Kunsthändler-Sohn Cornelius Gurlitt geht an das Kunstmuseum Bern - mit Ausnahme der Werke, die unter Raubkunst-Verdacht stehen. So weit, so gut. Was aber passiert mit der "entarteten Kunst"?, fragt Claudia Wheeler.Mehr

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Der Dokumentarfilm "The Green Prince" des israelischen Regisseurs Nadav Schirman

Der eine ist Palästinenser und Sohn eines Hamas-Führers. Der andere Israeli und Geheimdienstler. Eigentlich müssten sie Feinde sein, aber sie werden Freunde. In "The Green Prince" erzählt Dokumentarfilmer Nadav Schirman ihre Geschichte. Mehr

SerbienMissbraucht, gefälscht, verschwiegen
Ein Museum in Sarajevo erinnert an das Attentat vom 28. Juni 1914, das zum Ersten Weltkrieg führte: Der Mörder Gavrilo Princip (links) und sein Opfer, der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand.

Der Umgang ihres Heimatlandes mit der eigenen Geschichte lässt zu wünschen übrig, findet die serbische Historikerin Dubrovka Stojanovic. Sie fordert eine neue Erinnerungskultur und ist damit nicht allein.Mehr

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Fazit / Archiv | Beitrag vom 05.09.2012

"Was bleibt"

Ein bürgerliches Drama von Hans-Christian Schmid

Von Jörg Taszman

Szene aus dem Film "Was bleibt" mit Lars Eidinger
Szene aus dem Film "Was bleibt" mit Lars Eidinger (picture alliance / dpa / Gerald von Foris)

In seinem Film "Was bleibt" hat Regisseur Hans-Christian Schmid die gehobene Mittelschicht ins cineastische Blickfeld gerückt. Allerdings thematisiert er die Alltagsleiden der bürgerlichen Mittelschicht ohne Humor oder Doppelbödigkeit.

Hans-Christian Schmid, der seine Karriere so vielversprechend begann mit den Jugendfilmen "Nach Fünf im Urwald", "Crazy" und "23", gehörte zu den großen Hoffnungsträgern des neueren deutschen Films. Es folgten dann der bemühte Episodenfilm "Lichter", ein wieder filmisch überzeugender Beitrag zum Thema Exorzismus und religiöser Fanatismus "Requiem" und der aufwendig recherchierte und gut produzierte, aber leider an den Kinokassen gefloppte "Sturm", der die Mühen des Aufarbeitens von Kriegsverbrechen in Den Haag am Beispiel des Balkankrieges thematisierte.

Mit "Was bleibt" ist Hans-Christian Schmid nun in Deutschland bei der gehobenen Mittelschicht gelandet. Ein erwachsener Sohn - Marko - (Lars Eidinger) besucht seine Eltern in der deutschen Provinz. Die Mutter Gitte (Corinna Harfouch) leidet seit 30 Jahren an Depressionen, setzt plötzlich ihre Medikamente ab. Der Vater Günter (Ernst Stötzner) reagiert jovial, männlich arrogant und mit einem nicht ganz ehrlichen zweifelnden Mitgefühl. Er führt seit Jahren ein Doppelleben, hält sich eine Geliebte und kann eine "gesunde" Ehefrau nicht so recht brauchen. Der jüngere Bruder kämpft verzweifelt um seine berufliche Existenz als Arzt und kann ohne Papas Geld nicht leben.

Das Problem von "Was bleibt" ist bedauerlicherweise, dass beim Zuschauer kaum Empathie mit den Figuren entsteht. Es ist bestenfalls ein gut gespieltes, bürgerliches Drama und thematisiert die Alltagsleiden einer saturierten Mittelschicht ohne Humor oder Doppelbödigkeit. Das Drama um die Mutter verliert sich dann auch noch im dramaturgischen Hokuspokus im deutschen Wald ...

So hat Hans-Christian Schmid diesmal leider einen Film gedreht, der schon beim Sehen etwas langweilt und bei dem nichts bleibt, das den Betrachter nach dem Kinobesuch noch lange beschäftigt.

Deutschland 2012; Regie: Hans-Christian Schmid; Darsteller: Lars Eidinger, Corinna Harfouch, Ernst Stötzner, Sebastian Zimmler, Picco von Groote; ab 12 Jahren; Länge: 85 Minuten

Filmhomepage


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