Fazit / Archiv /

"Was bleibt"

Ein bürgerliches Drama von Hans-Christian Schmid

Von Jörg Taszman

Szene aus dem Film "Was bleibt" mit Lars Eidinger
Szene aus dem Film "Was bleibt" mit Lars Eidinger (picture alliance / dpa / Gerald von Foris)

In seinem Film "Was bleibt" hat Regisseur Hans-Christian Schmid die gehobene Mittelschicht ins cineastische Blickfeld gerückt. Allerdings thematisiert er die Alltagsleiden der bürgerlichen Mittelschicht ohne Humor oder Doppelbödigkeit.

Hans-Christian Schmid, der seine Karriere so vielversprechend begann mit den Jugendfilmen "Nach Fünf im Urwald", "Crazy" und "23", gehörte zu den großen Hoffnungsträgern des neueren deutschen Films. Es folgten dann der bemühte Episodenfilm "Lichter", ein wieder filmisch überzeugender Beitrag zum Thema Exorzismus und religiöser Fanatismus "Requiem" und der aufwendig recherchierte und gut produzierte, aber leider an den Kinokassen gefloppte "Sturm", der die Mühen des Aufarbeitens von Kriegsverbrechen in Den Haag am Beispiel des Balkankrieges thematisierte.

Mit "Was bleibt" ist Hans-Christian Schmid nun in Deutschland bei der gehobenen Mittelschicht gelandet. Ein erwachsener Sohn - Marko - (Lars Eidinger) besucht seine Eltern in der deutschen Provinz. Die Mutter Gitte (Corinna Harfouch) leidet seit 30 Jahren an Depressionen, setzt plötzlich ihre Medikamente ab. Der Vater Günter (Ernst Stötzner) reagiert jovial, männlich arrogant und mit einem nicht ganz ehrlichen zweifelnden Mitgefühl. Er führt seit Jahren ein Doppelleben, hält sich eine Geliebte und kann eine "gesunde" Ehefrau nicht so recht brauchen. Der jüngere Bruder kämpft verzweifelt um seine berufliche Existenz als Arzt und kann ohne Papas Geld nicht leben.

Das Problem von "Was bleibt" ist bedauerlicherweise, dass beim Zuschauer kaum Empathie mit den Figuren entsteht. Es ist bestenfalls ein gut gespieltes, bürgerliches Drama und thematisiert die Alltagsleiden einer saturierten Mittelschicht ohne Humor oder Doppelbödigkeit. Das Drama um die Mutter verliert sich dann auch noch im dramaturgischen Hokuspokus im deutschen Wald ...

So hat Hans-Christian Schmid diesmal leider einen Film gedreht, der schon beim Sehen etwas langweilt und bei dem nichts bleibt, das den Betrachter nach dem Kinobesuch noch lange beschäftigt.

Deutschland 2012; Regie: Hans-Christian Schmid; Darsteller: Lars Eidinger, Corinna Harfouch, Ernst Stötzner, Sebastian Zimmler, Picco von Groote; ab 12 Jahren; Länge: 85 Minuten

Filmhomepage


Mehr zum Thema:

Ein Spezialist für das Unspektakuläre
Drehbuchautor Bernd Lange im Porträt (DKultur)

Über das Nicht-Wahrhaben-Wollen
Gespräch mit Hans-Christian Schmidt (DKultur)

"Ich möchte ein emotionales Erlebnis"
Regisseur Hans-Christian Schmid über die Berlinale-Premiere seines Familiendramas "Was bleibt" (DKultur)

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Kulturpresseschau

Aus den Feuilletons"Er war der Meister"

Der kolumbianische Schriftsteller Gabriel García Márquez sitzt mit einer Zeitung auf einer Parkbank.

Ob nun hundert oder tausend Jahre Trauer angemessen sind, darüber streiten die Gelehrten in den deutschen Feuilletons. Der Tod von Gabriel García Márquez bewegt die Literaturkritiker.

 

Fazit

AusstellungMit dem Schimpftuch in New York City

A man stands in front a tv showing a video as part of the artworks displayed in a major retrospective exhibition of German artist Sigmar Polke entitled 'Alibis: Sigmar Polke 1963_2010' during a media preview of the show at the Museum of Modern Art (MoMA) in New York, New York, USA, 09 April 2014. The exhibit which runs from 19 April until 03 August, is the first major retrospective of Polke's work, including painting, photography, film, drawing, prints, and sculpture, and is one of the largest exhibitions ever assembled at the museum.

Das Museum of Modern Art in New York, die Tate Gallery in London und das Museum Ludwig in Köln haben ein spektakuläres Ausstellungsprojekt realisiert: eine Retrospektive des deutschen Künstlers Sigmar Polke.

Gabriel García Márquez"Einfach ein Genie der Worte"

Gabriel García Márquez

"Es ist, als wäre er unser Homer", sagt der Autor Héctor Abad Faciolince über seinen Landsmann, den kolumbianischen Schriftsteller Gabriel García Márquez. Lateinamerika verliere einen wunderbaren Denker.

Auto Kult auf vier Rädern

Ford Mustang Fastback V8 auf einer Landstraße

Weil die Jugend in den 60ern in den USA viel Geld zur Verfügung hatte, entwickelten die Konstrukteure in Detroit diesen Flitzer. Später düsten sogar Steve McQueen und James Bond damit über die Leinwand.