Interview / Archiv /

Warnung vor "sehr gefährlichen Überlegungen" im Konflikt mit Syrien

Sicherheitspolitiker Horst Teltschik spricht sich gegen NATO-Unterstützung für die Türkei aus

Rauchwolken in der türkischen Grenzstadt Akcakale nach dem Beschuss mit Granaten
Rauchwolken in der türkischen Grenzstadt Akcakale nach dem Beschuss mit Granaten (picture alliance / dpa / Rauf Maltas/Anadolu Agency)

Trotz des eskalierenden Grenzkonflikts zwischen der Türkei und Syrien argumentiert der ehemalige Kanzlerberater Horst Teltschik gegen eine militärische Unterstützung des Bündnispartners Türkei durch die NATO.

Teltschik sagte, der Konflikt sei außerordentlich gefährlich, weil die Lage unübersichtlich sei. Man wisse auch nicht, "wer da schießt". Dass es sich bei den Granateinschlägen auf türkischem Territorium auch um gezielte Provokationen oppositioneller syrischer Gruppen handeln könnte, sei nicht auszuschließen.

Wenn es tatsächlich zu einer militärischen Auseinandersetzung zwischen Syrien und der Türkei komme, sei zwar die Nato verpflichtet, den Bündnispartner zu unterstützen. Er gehe aber nicht davon aus, dass der Bündnisfall eintrete, sagte der ehemalige Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz. Es sei nicht davon auszugehen, dass Syrien einen Angriff auf die Türkei plane. Diese sei für diesen Fall auch "schwer gerüstet". Der Sicherheitsexperte warnte vor einer NATO-Unterstützung im Vorfeld des offiziellen Bündnisfalles. Maßnahmen wie die Einrichtung einer Sicherheitszone oder einer Überflugverbotszone könnten den Konflikt eskalieren lassen: "Das sind alles sehr gefährliche Überlegungen, denn sie können sehr schnell den Konflikt ausweiten."

Teltschik plädierte weiter für die diplomatische Lösung: "Es ist nach wie vor die Zeit, den Konflikt diplomatisch zu beenden." Auch die Türkei habe kein Interesse an einem Krieg. Für zunehmende asymmetrische Konflikte jenseits des klassischen NATO-Bündnisfalles könne es aber "keine generellen Antworten" geben. Er halte die bisherige NATO- und UN-Strategie nach wie vor für richtig.

Das vollständige Gesrpäch mit Horst Teltschik können Sie bis zum 6. Februar 2013 in unserem Audio-on-Demand-Angebot als MP3-Audio hören.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Interview

UkraineKirche zwischen den Fronten

Orthodoxe Priester beten während eines Protests in Kiew.

Zwei orthodoxe Kirchen gibt es in der Ukraine: die russisch- und ukrainisch-orthodoxe. Im aktuellen Konflikt sind sie auch innerlich gespalten, sagt der Kirchenexperte Thomas Bremer.

Biografie"Alles Fiktionen und schöne Konstrukte"

William Shakespeare in einer zeitgenössischen Darstellung (

"Es ist so wahnsinnig praktisch, dass wir nichts wissen von seiner inneren Biografie", sagt der preisgekrönte Shakespeare-Übersetzer Frank Günther. "Was wir wissen, ist in diesen Werken erzählt."

Wohnkultur"Für Menschen, die keinen grünen Daumen haben"

Begrünte Balkone in Berlin-Kreuzberg

"Viele Menschen kaufen falsche Pflanzen für die falsche Lage ein", sagt Susanne Feldbauer. Ihr Berliner Start-up Etagen-Erika bietet "kuratiertes" Online-Shopping an – und liefert schmuckes Grünzeug für den Balkon.