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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 14.02.2007

Vorzeige-Kannibale und Muster-Spion

Neu im Kino: "Hannibal Rising" und "Der gute Hirte"

Vorgestellt von Hans-Ulrich Pönack

Robert De Niro stellt mit Matt Damon und Martina Gedeck auf der Berlinale seinen Film "Der Gute Hirte" vor. (AP)
Robert De Niro stellt mit Matt Damon und Martina Gedeck auf der Berlinale seinen Film "Der Gute Hirte" vor. (AP)

Mit "Hannibal Rising" kommt nun der (vorerst) letzte Teil der Serie um den genialen Kannibalen Hannibal Lecter in die Kinos. Diesmal geht es um die Anfänge, Kindheit und Jugend und wie er zu seiner grausamen Passion kam. Mit "Der gute Hirte" liefert Robert de Niro seine zweite Regiearbeit ab. Er zeichnet den Weg eines farblosen Mitläufers vom Musterschüler zum patriotischen CIA-Boss nach.

"Hannibal Rising - Wie alles begann"
Frankreich/Großbritannien/ USA 2007. Regie: Peter Webber. Darsteller: Gaspard Ulliel, Gong Li, Rhys Ifans u.a.

"Hannibal Rising - Wie alles begann", ist - nach dem viel gelobten Debütfilm "Das Mädchen mit dem Perlenohrring" (2003) - der zweite Kinospielfilm des britischen Drehbuchautors, Cutters und Regisseurs Peter Webber. Webber nahm sich hier eines bekannten, populären und inzwischen "kultigen" Stoffes bzw. einer inzwischen legendären Thriller-Figur des 1940 geborenen amerikanischen Schriftstellers Thomas Harris an: Die des intelligenten, kultivierten, kannibalistischen Psychiaters Dr. Hannibal Lecter, der mit der Veröffentlichung des Romans "Roter Drache" 1981 erstmals in Erscheinung trat.

Zu Bestsellern wurden dann die weiteren Lecter-Romane von Harris: "Das Schweigen der Lämmer" (1988) sowie "Hannibal" (1999). Allein auf Deutsch wurden von diesen Romanen bislang mehr als fünf Millionen Exemplare abgesetzt. Im Dezember letzten Jahres erschien der vierte Roman um diese Intelligenzbestie: "Hannibal Rising" (Startauflage bei uns: 300.000).

Das Kino hat sich bislang vier Mal mit Hannibal Lecter befasst: In "Manhunter - Blutmond" von Michael Mann aus dem Jahr 1986 hatte Lecter (Brian Cox) noch nichts von einer faszinierend-dämonischen Figur. Den "Durchbruch" als postmodernes Genie des Bösen erreichte Lecter 1991 mit der grandiosen Verkörperung von Sir Anthony Hopkins in der dann mit vier "Oscars" prämierten Adaption von "Das Schweigen der Lämmer" von Jonathan Demme ("Bester Film"; "bester Regisseur"; Jodie Foster/Anthony Hopkins als "beste Darsteller"). Weitere Leinwand-Begegnungen mit dieser spannenden (Anthony Hopkins-)Figur gab es dann in den Filmen "Hannibal" von Ridley Scott (2001) sowie dem "Blutmond"-Remake "Roter Drache" von Brett Ratner (2002). Mehr als sieben Millionen Kinobesucher erreichten die Hannibal-Lecter-Filme insgesamt bislang allein in Deutschland.

Nun also das Zurück, wie alles begann, Kindheit/Jugendzeit dieses prominenten Kannibalen: "Hannibal Rising", der rebellische Hannibal, und die Wiege des Grauens, inmitten des Schlachthauses Europa: Klein-Hannibal, Spross baltischer Adeliger, verliert 1944 in Litauen, in den Wirren des Krieges, seine Eltern und bleibt mit der geliebten kleinen Schwester Mischa allein in einer Jagdhütte im Wald zurück. Brutale wie hungrige litauische Söldner tauchen auf, die Mischa töten und auffuttern.

Jahre später gelingt dem inzwischen 16-jährigen Hannibal die Flucht aus dem Waisenhaus. Er landet bei seiner "asiatischen" Stieftante in Frankreich, hat ständige Alpträume, fängt an, Medizin zu studieren, begibt sich auf die Suche der Mörder seiner Schwester, nimmt blutige Rache und startet langsam seine barbarische Trauma-Karriere.

Der nunmehr fünfte Hannibal-Lecter-Film basiert diesmal selbst auf einem Drehbuch des Hannibal Lecter-Erfinders Thomas Harris und ist ein packender Thriller. Der wird sehr atmosphärisch-unterhaltsam vorangetrieben, ist (für Hannibal-Fans wie mich) schlüssig-nachvollziebar, aufregend sowie darstellerisch überzeugend besetzt: Der französische Jung-Mime Gaspard Ulliel ("Mathilde - Eine große Liebe" vom "Amelie"-Regisseur Jean-Pierre Jeunet/"Cesar" als bester Nachwuchsdarsteller), Jahrgang 1984, spielt den feinen wie gequälten Jungen mit aristokratischer List und glaubwürdiger Härte; ein überzeugend-sensibler Schöngeist-Mörder. Um ihn herum spielen gestandene Akteure wie Gong Li ("Rotes Kornfeld"; "Lebewohl, meine Konkubine"; "Miami Vice"), Rhys Ifans ("Notting Hill"/der schräge Wohnungsmitbewohner von Hugh Grant) sowie Dominic Wes ("Mein Mann Picasso") gut mit. Ein Thriller, der das Thema Hannibal Lecter hervorragend abrundet, ein exzellenter Spannungsfilm.

"Der gute Hirte"
USA 2006. Regie: Robert De Niro. Darsteller: Matt Damon, Angelina Jolie, Robert De Niro, Joe Pesci, William Hurt, John Turturro, Alec Baldwin u.a.

"Der gute Hirte " (The Good Shepherd) ist - nach "In den Straßen der Bronx" (1993) - der zweite Regie-Film des 63-jährigen Ausnahmeschauspielers und zweifachen Oscar-Preisträgers Robert de Niro ("Der Pate II"; "Wie ein wilder Stier"; "Taxi Driver"; Heat"; "Wag the Dog"...). Erzählte er damals eine Story aus dem Mafia-Milieu, entwickelt/beschreibt er hier amerikanische Geschichte bzw. Geschichten. Dabei im Blick- und Mittelpunkt: Ein ausgesprochener Mr. Nobody, ein Langweiler namens Edward Wilson, der 1939 als blitzgescheiter Literaturstudent von der Bundespolizei FBI für einen "Spezialauftrag" vereinnahmt wird, danach dabei bleibt und vom biederen Musterschüler zum farblosen, aber erfolgreichen US-Patrioten und CIA-Boss aufsteigt.

De Niro entfaltet das Bild einer paranoiden amerikanischen Parallelgesellschaft zu Kriegs- bzw. vor allem zu Nachkriegszeiten mit zahlreichen und nicht immer deutlich zu entschlüsselnden Figuren. Und auch das häufige Wechseln der Zeitebenen trägt nicht unbedingt zum intellektuellen wie emotionalen Verständnis bei. Dennoch bleibt er mit der analytischen Beschreibung bzw. Vorführung der Mechanismen von Geheimdiensten durchweg an der Spannungsobergrenze.

Matt Damon ("Die Bourne Verschwörung") in der Hauptrolle spielt - gestisch wie mimisch - äußerst zurückgenommen, aber intensiv genug, um die private Tragödie eines gescheiterten Idealisten erlebbar und nachvollziehbar zu machen. Um ihn herum gruppieren sich namhafte Stichwortgeber wie zum Beispiel Angelina Jolie, Alec Baldwin, William Hurt oder John Turturro. De Niro selbst tritt nur ganz kurz auf, während unsere Martina Gedeck ("Das Leben der Anderen") das Schicksal vieler deutscher Schauspieler in Hollywoodfilmen erleidet und nach kurzer Zeit erschossen wird... Ambitionierter Spannungsfilm mit Handicap-Charme.

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