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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 21.04.2010

"Vorsicht Sehnsucht"

Josef Schnelle über das Alterswerk von Alain Resnais

Ein verheirateter Mann findet das leere, von einem Dieb weggeworfene Portemonnaie einer Dame. Er versucht, sie zu erreichen und es zurückzugeben. Dabei verliebt er sich in die schöne 50-Jährige.

Frankreich 2009, Regie: Alain Resnais, Hauptdarsteller: André Dussollier, 103 Minuten, ab 12 Jahre

Alain Resnais erzählt niemals ohne Trick oder Tick. Seine Filme sind romantisch-verspielte komödiantische Versuchsanordnungen. In "On Connait la Chanson" entlehnt er die wichtigsten Dialogsätze populären Schlagern und spielt sie als Gesang ein. In "Herzen" schneit es im Zimmer eines Immobiliemaklers, der in der Kälte der Zurückgezogenheit erstarrt ist. In "Mein Onkel aus Amerika" gleicht das Leben einer Versuchsanordnung für intelligente Ratten. In dem Doppelfilm "Smoking - No Smoking" werden die Variablen und Alternativen des Lebens spielerisch durcheinandergewürfelt, je nachdem, welche Entscheidung die Hauptfiguren treffen. "Das Leben ist ein Roman" heißt sein mit Abstand bekanntester Film. Aber das Kino macht den Unterschied.

Man muss schon Lust am Spielerischen haben, um den Filmen des 88-jährigen Alain Resnais, einem der Altmeister der "Neuen Welle" des französischen Kinos aus den 60er-Jahren, folgen zu können.

In "Les Herbes Folles", wörtlich übersetzt lautet der Originaltitel "Die verrückten Kräuter", begegnen sich Marguerite und George, gespielt von Resnais Lieblingsschauspielern und Ehefrau Sabine Azéma und André Dussollier. George findet das leere von einem Dieb weggeworfene Portemonnaie Marguerites. Er versucht, sie zu erreichen und es zurückzugeben. Dabei verliebt er sich in die schöne 50-Jährige. Er hat, obwohl rechtschaffen verheiratet, eines dieser "verrückten Kräuter" gefunden, das zwischen den Steinen wächst, und stellt der verwandten Seele mal dreist, mal romantisch elegant nach.

Annäherungen und Ablehnungen wogen hin und her in dieser Verfilmung des Romans "Der Vorfall" von Christian Gailly aus dem Jahre 1996.

Ebenso poetisch wie messerscharf analysierend - nur bei Resnais ist das kein Gegensatz - ist dieses große Alterswerk des koketten Zaubers des französischen Films ein großes Vergnügen, an dem einen nur wundert, dass es ein Verleih wagte, mit einem derartigen Niveau ins Kino zu gehen.

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