Seit 11:05 Uhr Lesart
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 11:05 Uhr Lesart
 
 

Interview / Archiv | Beitrag vom 23.01.2016

Vor dem KarnevalNo-Go-Area Köln?

Didi Jünemann im Gespräch mit Ute Welty

Ein als Terrorist verkleideter Karnevalist mit einem Gürtel aus Energydrinks, der an einen Sprengstoffgürtel erinnert (picture alliance /dpa /Julian Stratenschulte)
Ein als Terrorist verkleideter Karnevalist mit einem Gürtel aus Energydrinks, der an einen Sprengstoffgürtel erinnert (picture alliance /dpa /Julian Stratenschulte)

Der Kölner Karneval wird dieses Jahr von den Übergriffen an Silvester überschattet. Die Polizei rät vom Dschihadisten-Kostüm ab, ein Flyer erklärt Flüchtlingen den Karneval. Kabarettist Didi Jünemann von der alternativen Kölner Stunksitzung lässt sich das Feiern nicht verhageln.

Der Kölner Karneval wird dieses Jahr von den Übergriffen an Silvester überschattet. Verhagelt das den Jecken das Feiern? Der Kabarettist und Schauspieler Didi Jünemann von der alternativen Kölner Stunksitzung denkt nicht daran, das Feiern einzustellen und hält den Geist des Karnevals auch an Flüchtlinge vermittelbar. Die Kölner Stunksitzung im Kölner E-Werk ist eine Alternative zu den klassischen Prunksitzungen des organisierten Sitzungskarnevals und seit 1984 eine feste Größe im Kölner Karneval.

"Es ist schon ein bisschen zu spüren, dass es nicht mehr ganz so locker rüberkommt", sagte Jünemann im Deutschlandradio Kultur über die Befindlichkeit der Kölner nach den massiven Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht und knapp zwei Wochen vor Beginn des Straßenkarnevals.

"Das wird ja zum Synonym: Man sagt Köln und mehr wird gar nicht mehr erklärt. Ich habe gestern eine Nachricht gesehen, 'Flüchtlinge distanzieren sich von Köln' – das ist natürlich ein bisschen komisch, dass man sich von einer ganzen Stadt distanziert", sagte Jünemann. 

Die Kölner Botschaft hat prominente Unterzeichner

Auch im aktuell laufenden Showprogramm der Stunksitzung würden die Silvester-Übergriffe am Hauptbahnhof thematisiert, allerdings nicht in satirischer Form, sondern moderativ schicke die Sitzungspräsidentin eine Erklärung mit den entsprechenden Forderungen der "Kölner Botschaft" in den Saal: "Keinerlei Tolerierung von sexueller Gewalt. Kampf gegen bandenmäßige Kriminalität. Aufklärung des behördlichen Versagens. Schluss mit fremdenfeindlicher Hetze. Deutschland bleibt ein freies und gastfreundliches Land."

Die "Kölner Botschaft" ist ein Text prominenter Bürger der Stadt. Ihre Unterzeichner sind unter anderem Navid Kermani, Werner Spinner, Wolfgang Niedecken, Stefan Bachmann, Fatih Cevikkollu und Christiane Woopen. An der Aktion beteiligt sind die regionalen Zeitungen Kölner Stadt-Anzeiger, Kölnische Rundschau, Generalanzeiger Bonn sowie die Rheinische Post Düsseldorf.

Warnung der Polizei vor Kostümierung als Dschihadist

Den Appell der Polizei an die Jecken, in diesem Jahr darauf zu verzichten,  als Dschihadist verkleidet durch die Straßen zu ziehen, hält Jünemann für nicht ganz verkehrt: "Dschihadist – im Straßenkarneval würde ich dies keinem empfehlen. Das ist einfach zu missverständlich in diesen Zeiten, gerade jetzt nach Paris. Aber wir haben auch dazu auf der Bühne eine ganz klare Nummer, wo wir die Dschihadisten einfach schwer durch den Kakao ziehen."

Aktuelle Flyer, die versuchen auf deutsch, englisch und arabisch Nicht-Rheinländern den Geist des Karnevals zu erklären hält er für "sicherlich hilfreich" – das Erleben der "Atmosphäre im Saal" sei aber, wie Erfahrungen mit eingeladenen Flüchtlingen zeigten, noch wesentlich stärker. Liebe zum rheinischen Karneval habe er angesichts der Silvestervorfälle nicht verloren: "Verkleiden ist was Tolles."

Interview

Tod im "Bio-Krebszentrum"Was ist seriöse Krebstherapie?
Kolorierte Aufnahme eines Lungen-Tumors unter dem Rasterelektronenmikroskop (imago stock&people)

Der Tod von Patienten eines alternativen Krebszentrums am Niederrhein hat die Debatte um die Wirksamkeit von alternativen Therapien gegen den Krebs neu entfacht. Der anthroposophische Krebsspezialist Friedemann Schad plädiert für ein integratives onkologisches Konzept.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur