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Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 01.02.2016

Vor 50 Jahren stirbt Buster Keaton Meister des halsbrecherischen Stunts

Von Katja Nicodemus

Der Schauspieler Buster Keaton in Bedrängnis. (imago/AD)
Typische Pose: Buster Keaton in Bedrängnis. (imago/AD)

Man könnte ihn den Mechaniker unter den großen Humoristen nennen: Buster Keaton war fasziniert von den Maschinen des jungen 20. Jahrhunderts. In seinen Gags kämpfte er mit Dampflokomotiven, Dampfschiffen, Filmkameras, Rolltreppen und per Knopfdruck bewegbaren Stühlen.

Keiner konnte stürzen wie er.  So schön, so elegant, leidenschaftlich und ganz und gar hingebungsvoll. Joseph Frank, genannt "Buster" Keaton, war der Meister des halsbrecherischen Stunts. Auf der Leinwand kämpft der Stummfilmkomiker nicht gegen die Schwerkraft, er überlässt sich ihr, mit vollem Körpereinsatz, schwebend, purzelnd, balancierend, springend, tänzelnd – ungerührt, bleichgesichtig, auf dem Kopf das merkwürdige flache Hütchen. Schon als Baby wird Keaton, dessen Eltern als Vaudeville-Künstler durch die Lande touren, gewissermaßen in diese Existenzform hineingeworfen. Es ist der große Entfesselungskünstler Harry Houdini, der ihm seinen Spitznamen verpasst - von "to bust" - kaputt gehen.

Schon mit neun Jahren ein "Stunt kid"

"Im Alter von sechs Monaten ließ mich jemand versehentlich eine Treppe hinunter fallen. Man hob mich auf - ich hatte keine Verletzungen, keine  blauen Flecken. Houdini sagte: Das ist ein Buster! Und mein Vater fand: Das ist ein guter Name, lasst ihn uns so nennen!"

Schon als Neunjähriger ist Buster Keaton, geboren 1895 in Piqua, Kansas, ein sogenanntes "Stunt kid". Gemeinsam mit seinem Vater tritt er in einer Nummer auf, die im Wesentlichen darin besteht, dass der Alte den Jungen auf den Boden und gegen die Wände wirft und  - abhängig vom abendlichen Alkoholkonsum - auch mal ins Publikum schleudert.  Und weil die Leute umso mehr lachen je unbeeindruckter der malträtierte Junge blickt, wird das "Stoneface" zu Keatons Markenzeichen.

Buster Keaton bleibt seinem Vater zeitlebens verbunden, doch der schmerzliche Kern seiner Komik ist ihm stets bewusst.

"Die Zuschauer lachen über die Missgeschicke, die dir widerfahren, und sie würden ganz bestimmt nicht lachen, wenn diese Dinge ihnen selbst zustoßen würden."

Buster Keaton musste vor allem eines: einstecken

Bei seinem ersten Leinwandauftritt, 1917 in dem Kurzfilm "The Butcher Boy" von dem Starkomiker Roscoe genannt "Fatty" Arbuckle, muss Buster Keaton vor allem eines: einstecken. Mit voller Wucht bekommt er Mehlsäcke ins Gesicht geschleudert, kippt buchstäblich aus den Latschen, steht auf, wird wieder getroffen und verschwindet hinter weißen Staubwolken. Schon damals zeigt sich jene Faszination für Technik und Mechanik, die später auch seine ausgetüftelten Stunts prägen wird.

"Das erste, was ich tat, war, mich mit dem Kameramann anzufreunden. Nach dem Dreh verschwand ich mit der Kamera im Schneideraum und zerlegte sie in ihre Einzelteile. Ich wollte herausfinden, wie sie funktioniert und warum sie Dinge anstellen konnte, die ich auf der Bühne nicht machen konnte."

In den 20er-Jahren beginnt Buster Keaton, seine eigenen Filme als Regisseur, Autor, Hauptdarsteller und Cutter zu drehen. Auf virtuose Weise macht sich Keaton zum Gejagten. Er lässt sich von Zyklonen und herabstürzenden Felsbrocken verfolgen, von hunderten Bräuten oder auch von einer Rinderherde jagen. In "Cops", gedreht 1922, flieht Keaton "Stoneface" vor einer Armee von Polizisten quer durch Los Angeles.

"The General" - ein Flop, der Keaton das Genick bricht

Es ist der Film "The General", der 1926 zeigt, dass Buster Keaton nicht nur ein genialer Komiker, sondern auch ein ästhetisch verwegener, kompromissloser Regisseur ist. Keaton spielt einen Lokomotivführer, der in die Wirren des amerikanischen Bürgerkrieges gerät und versucht, seine von Soldaten geraubte Lokomotive zurück zu entführen. Mit seinem kühnen Wechsel von Vorder- und Hintergründen, dem aufwändigen Einsatz von fahrenden Kameras und einer zwischen Tragik und Komik oszillierenden Geschichte ist "The General" seiner Zeit weit voraus.

Doch das Publikum kann mit dem 650.000 Dollar teuren Film nichts anfangen - "The General" ist ein Flop, der Keaton das Genick bricht. Er verliert seine Unabhängigkeit, muss sich von nun an als Schauspieler in albernen Kommödchen verdingen, leidet unter Alkoholproblemen.

Doch Buster Keaton, der elegante, bleichgesichtige Mann mit dem flachen Hütchen, der in die unwahrscheinlichsten Situationen spaziert, ist das Fallen und Aufstehen gewohnt.

In den fünfziger Jahren wird der Komiker Buster Keaton vom Fernsehen wiederentdeckt - und sein Werk bekommt nun plötzlich die Anerkennung, die es verdient. "The General" wird zu einem weltweiten Erfolg und gilt bis heute als einer der besten amerikanischen Filme aller Zeiten.  

Buster Keaton stirbt am 1. Februar 1966 im Alter von 70 Jahren in Woodland Hills, Kalifornien.

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