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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 25.09.2007

Von Termiten, verwechseltem Nachwuchs und einem Grenzbeamten

Meja Mwangi: "Das Buschbaby", Peter Hammer Verlag, Wuppertal 2007, 318 Seiten

Elefantenherde in Kenia (Stock.XCHNG / Matthew Hayward)
Elefantenherde in Kenia (Stock.XCHNG / Matthew Hayward)

Beim neusten Roman des kenianischen Schriftstellers Meja Mwangi kommen die Leser voll auf ihre Kosten. Wie immer erzählt Meja Mwangi in "Buschbaby" von traditionellen Vorstellungen und vermeintlichen Bräuchen seiner Heimat und diesmal auch über die Fremden. Sehr genau sieht er die Schwächen und Ungereimtheiten, doch immer schildert er die Fehler seiner Figuren mit viel Humor und Wohlwollen.

Es ist zurzeit sehr in vogue, von einem Erfolg eine Fortsetzungsreihe zu schaffen, sei es bei Büchern oder bei Filmen. Den neusten Roman des kenianischen Schriftstellers Meja Mwangi, "Das Buschbaby" gäbe es nicht ohne seine vorherigen "Happy Valley". Doch ist "Das Buschbaby" nicht die Fortsetzung sondern die Parallelhandlung zu "Happy Valley".

Wir erinnern uns, in "Happy Valley" muss Chief Toma Tomei endlich einen Sohn vorweisen, um in den Ältestenrat aufgenommen zu werden. Als seine Frau Grace dann endlich im Buschkrankenhaus ein Baby zur Welt bringt, ist er sehr glücklich, dass es ein Junge ist, doch dann sieht er das Kind - es ist weiß mit grünen Augen. Am Ende stellt sich heraus, dass das Baby verwechselt worden ist mit demjenigen von Fremden, die in der gleichen stockfinsteren Nacht im Kreissaal des Buschkrankenhauses waren.

Mit dem Roman "Das Buschbaby" wechselt der kenianische Autor die Perspektive. Im Mittelpunkt stehen nicht afrikanische Sitten und Gebräuche, sondern das nicht minder merkwürdig anmutende Verhalten eines amerikanischen Ehepaars.

Kimberley ist Entomologin und ihr gesamtes Interesse gilt der Erforschung von Termiten und ihrer wissenschaftlichen Karriere. Ihr Ehemann Ruben ist Fotograf und träumt davon, Regisseur zu werden, doch bei seiner resoluten Frau bekommt er kein Bein an die Erde, sondern muss unzählige Fotos von Termiten in jeglicher Form und von der Forschungsstätte mitten in der afrikanischen Wüste Chalbi schießen.

Als Kimberley ungewollt schwanger wird - Kraft Hexerei? - will das Ehepaar zur Entbindung nach Nairobi fahren. Aber Ruben verfährt sich hoffnungslos und so kommt das Kind im Buschkrankenhaus zur Welt. Die Weiterfahrt endet nachts an einem Schlagbaum einer völlig vergessenen Grenzstation. Der dort tätige Beamte sieht endlich wieder einen Sinn in seiner Aufgabe und als dann am nächsten Morgen alle völlig erstaunt feststellen, dass der Säugling schwarz ist, steht der Fall für den Grenzbeamten fest. Es kann sich nur um Kinderschmuggel handeln. So setzt er das amerikanische Ehepaar auf unbestimmte Zeit fest.

In Rückblenden erfährt der Leser vieles über das Leben der forschungsbesessenen Kimberley und ihres rührenden aber wenig erfolgreichen Ehemanns Ruben. Nicht weniger skurril und anrührend ist die Geschichte des Grenzbeamten, der seit Jahren von den tansanischen Behörden vergessen worden ist und seiner kinderlosen Frau. Freundschaftsbande entspinnen sich zwischen den beiden Männern und Frauen, Kimberley findet eine neue Termitenart und die Frau des Grenzbeamten hat endlich einen Säugling, um den sie sich kümmern kann.

Doch die Regenzeit naht und droht Kimberley's Forschungsstätte in der Wüste zu zerstören. So flieht das amerikanische Ehepaar schließlich, verirrt sich erneut, nur um wieder im Buschkrankenhaus zu landen, um dann endlich im Happy Valley die Verwechselung aufzuklären.

Doch keine Angst, auch wer "Happy Valley" nicht gelesen hat, kommt bei dem neuen Roman voll auf seine Kosten. Die Geschichte des "Buschbabys" ist in sich rund und abgeschlossen. Wie immer erzählt Meja Mwangi mit einem Augenzwinkern über traditionelle Vorstellungen und vermeintliche Bräuche seiner Heimat und diesmal auch über die Fremden. Sehr genau sieht er die Schwächen und Ungereimtheiten, doch immer schildert er die Fehler seiner Figuren mit viel Humor und Wohlwollen.

Der Kreis schließt sich in beiden Büchern mit dem Rücktausch der beiden Babys. Ende gut - alles gut? Doch dass das Leben uns allen gern ein Schippchen schlägt - diese Pointe kann sich Meja Mwangi nicht verkneifen und so entlässt er seine Leser wieder einmal mit einem vergnügten Schmunzeln.

Der Autor wurde 1948 in Nanuyuki in Kenia geboren. Er arbeitet in Kenia, Europa und auch in Westafrika und hat als freier Schriftsteller und Drehbuchautor diverse Auszeichnungen erhalten, unter anderem den deutschen Jugendliteraturpreis.

Rezensiert von Birgit Koß

Meja Mwangi Das Buschbaby
Aus dem Englischen von Thomas Brückner.
Peter Hammer Verlag, Wuppertal 2007, 318 Seiten , 19,90 Euro

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