Sonntag, 1. Februar 2015MEZ17:41 Uhr

Kommentar

GriechenlandAlexis Tsipras bellt und beißt
Alexis Tsipras (picture alliance / dpa / Foto: Orestis Panagiotou)

Seinen markanten Worten im Wahlkampf lässt der neue griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras Taten folgen, so wolle er bei der Umsetzung der Reformen nicht mehr mit der Troika zusammenarbeiten. Das könne nichts Gutes verheißen, meint Korrespondentin Annette Riedel.Mehr

Neue Nutzungsbedingungen bei Facebook Das Kreuz mit dem Klick
Das Logo der Facebook-App auf einem iPad. (dpa / Jörg Carstensen)

Facebook hat seine neuen Datenschutz-Regeln trotz Kritik in Kraft gesetzt. Alle Nutzer, die sich nun bei Facebook einloggen, akzeptieren damit formal die neuen Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Journalist Philip Banse kommentiert: Beim Bundesdatenschutzgesetz müsse die Politik dringend nachbessern.Mehr

weitere Beiträge

Politisches Feuilleton

Typisch deutsch?Preußische Tugenden nostalgisch verklärt
Katharina Thalbach salutiert vor dem Wappen Preußens (imago/teutopress)

Preußen wird vor allem eines gutgeschrieben: Tugenden aller Art. Im Ausland werden sie gern auf ganz Deutschland übertragen. Historisch gesehen sei das nicht haltbar und politisch auch nicht lobenswert, meint der Ethiker Erik von Grawert-May. Viel besser wäre ein demokratisches Update.Mehr

weitere Beiträge

Kommentar / Archiv | Beitrag vom 20.07.2012

Vom Wehr- zum Ego-Beauftragten

Zur Verlegung des Gelöbnisses der Bundeswehr vom Reichstag an den Bendlerblock

Von Klaus Pokatzky

Rekruten der Bundswehr.  (AP)
Rekruten der Bundswehr. (AP)

400 Bundeswehrrekruten hätten am Abend so schön am symbolträchtigen Bendlerblock am symbolträchtigen Datum geloben können. Doch der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus hat mit seiner Kritik an der turnusmäßigen Verlegung des Gelöbnisses dafür gesorgt, dass den ganzen Tag über von einem "Ministerialheer" die Rede war.

Es gab mal Wehrbeauftragte, von denen erzählen Soldaten heute noch mit leuchtenden Augen. Claire Marienfeld von der CDU war so eine, vor 15 Jahren. Als sich mal Soldaten der Berliner Julius-Leber-Kaserne bei ihr über das schlechte Kantinenessen beschwert hatten, fuhr sie umgehend an der Wache vor: "Ich bin die Wehrbeauftragte und überprüfe jetzt die Truppenküche".

Da lacht das Herz des Soldaten: Das waren noch Wehrbeauftragte. Oder der Sozialdemokrat Reinhold Robbe, bis vor zwei Jahren. Der wusste genau, dass er als vom Deutschen Bundestag Gewählter die höchste Vertrauensperson der deutschen Soldaten ist. Dass er für die Soldaten da ist – und nicht umgekehrt. Das waren noch Wehrbeauftragte, da fühlten sich die Soldaten sehr ernst genommen.

Heute gibt es einen Wehrbeauftragten, der vor allem sich selber sehr wichtig nimmt. Jahrelang haben am 20. Juli Hunderte Rekruten im Berliner Bendlerblock ihr Gelöbnis abgelegt. Da residiert nicht nur der Bundesminister der Verteidigung, da erinnert auch die Gedenkstätte Deutscher Widerstand an den militärischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Das war immer ein schönes Bekenntnis zur Demokratie, eine Absage an das Nazitum.

Vor vier Jahren gab es das erste Feierliche Gelöbnis vor dem Reichstag. Das war ein schönes Bekenntnis für die Parlamentsarmee. Nun sollen beide Symbolorte kombiniert werden.

Dem Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus passt das nicht. Offenbar ist dem Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages bisher entgangen, dass der Bendlerblock eben nicht nur der Arbeitsort für Ministerialbeamte ist, sondern auch der Ort, an dem seit einigen Jahren ein Ehrenmal für jene Soldaten steht, die im Dienst ihr Leben gelassen haben – ein Ehrenmal also auch für die Soldaten, die gefallen sind in kriegerischen Einsätzen, in die sie die Abgeordneten des Bundestages geschickt haben.

Offenbar weiß der Wehrbeauftragte auch nicht, dass der Bendlerblock der Ort war, an dem heute vor 68 Jahren Claus Schenk von Stauffenberg den Versuch unternommen hat, das Hitler-System zu beseitigen. Und offenbar weiß der Wehrbeauftragte schon gar nicht, dass dieser militärische Widerstand und das Gedenken daran für die Bundeswehr eine ihrer wichtigsten Traditionslinien ist.

400 Rekruten aus ganz Deutschland hätten heute Abend so schön an einem symbolträchtigen Ort am symbolträchtigen Datum geloben können. Der Wehrbeauftragte hat dafür gesorgt, dass den ganzen Tag über von seinem "Ministerialheer" die Rede war. Das ist eine Beleidigung der Freiwilligen, die heute Abend geloben. Das ist eine Verhöhnung des Widerstandes. Früher gab es mal Wehrbeauftragte. Heute gibt es einen Ego-Beauftragten.