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Thema / Archiv | Beitrag vom 25.04.2007

Vom Umweltgift zum Heilmittel gegen Malaria

Kurze Geschichte des Insektizids DDT

Von Leonie March

DDT wurde auch als Mittel gegen Zeckenbefall bei Schafen eingesetzt, USA 1948 (AP)
DDT wurde auch als Mittel gegen Zeckenbefall bei Schafen eingesetzt, USA 1948 (AP)

"DDT is good for me" - DDT ist gut für mich - so wurde das Insektizid Ende der 40er Jahre beworben. Preiswert und effektiv. Scheinbar ein Allheilmittel nicht nur in Land- und Forstwirtschaft, sondern auch gegen durch Insekten übertragbare Krankheiten wie Thyphus und Malaria. Ganze Regionen wurden aus der Luft besprüht, Gemüse und Nutztiere damit behandelt, viele benutzten es als Insektenspray auch im Haushalt.

Erst 1962 begann der Sinneswandel: Die US-Biologin Rachel Carson veröffentlichte das Buch "Der stumme Frühling" - beschrieb Risiken für Umwelt und Tiere durch DDT. Eine kontroverse Diskussion begann. Eine Kampagne von Umweltschützern gegen das einstige Wundermittel.

"Bauern, lasst die Hände von DDT" sang 1970 die Kanadierin Joni Mitchell - zwei Jahre später wurde der Einsatz von DDT unter anderem in den USA und Deutschland verboten, in vielen Staaten des Ostblocks und Entwicklungsländern aber weiter verwendet. Zum Beispiel gegen Malaria. Jasson Urbach von der Nichtregierungsorganisation "Africa Fighting Malaria".

"Südafrika nutzte DDT bis 1996. Dann wurde der internationale Druck zu groß. DDT wurde durch andere synthetische Insektizide ersetzt. Doch die Zahl der Krankheitsfälle stieg rapide: von unter 5000 auf über 60.000 im Jahr. Deshalb entschied sich die Regierung im Jahr 2000 doch wieder DDT einzusetzen. Die Zahl der Fälle sank um über 85 Prozent. Jetzt erkranken nur noch 5 von 1000 Südafrikanern an Malaria."

Auf Südafrika und ähnliche Erfahrungen in Indien stützte sich die Weltgesundheitsorganisation, als sie im September 2006 eine politische Kehrtwende vollzog und den Einsatz von DDT gegen Malaria ausdrücklich empfahl. Dabei betonte die WHO, dass DDT nur im Inneren von Gebäuden eingesetzt werden dürfe. Dabei bestünden keine gesundheitlichen Risiken für die Menschen und nur eine geringe Belastung der Umwelt, so die Experten. Der korrekte und rechtzeitige Einsatz von DDT könne die Malariaübertragung um 90 Prozent senken.

Die Nichtregierungsorganisation "Africa Fighting Malaria", die lange für ihren Appell, DDT nicht grundsätzlich zu verteufeln, kritisiert wurde, fühlt sich bestätigt. DDT ist momentan das Mittel der Wahl - preiswert und effektiv - so Jasson Urbach.

"Einer der Gründe für die Effektivität von DDT ist die lange Haltbarkeit. Wir sprühen es einmal nur im Jahr, vor der Regen- und damit Malariazeit, auf die Innenwände der Gebäude. Es tötet die Moskitos nicht nur, sondern hält sie auch davon ab, ins Haus zu fliegen. Wir nutzen nur kleine Dosen, zwei Gramm pro Quadratmeter, nichts davon dringt nach draußen in die Umwelt."

Auch bei der Frage nach den Gesundheitsrisiken winkt Jasson Urbach ab.

"Allein durch Berührung wird DDT nicht von der Haut aufgenommen. Außerdem muss man die hypothetischen Risiken von DDT gegen die reale Gefahr durch Malaria abwägen. Zwar könnte DDT möglicherweise krebserregend sein, aber das gilt auch für Erdnussbutter oder Bier."

Seine Organisation werde sich deshalb weiter für den Einsatz von DDT in Häusern einsetzen, genauso wie für imprägnierte Moskitonetze und den leichteren Zugang zu Medikamenten. Bis ein besseres Mittel auf dem Markt ist

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