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Länderreport / Archiv | Beitrag vom 28.08.2013

Vom tapferen Jägerlein und dem Wolf

Der Wolf erobert sich den niedersächsischen Wald zurück

Von Petra Marchewka

Typisch Wolf - bei Vollmond heult er (picture alliance / Anka Agency International)
Typisch Wolf - bei Vollmond heult er (picture alliance / Anka Agency International)

Nein, es ist kein Märchen: Im Gebrüder Grimm-Jahr 2013 sorgt der Isegrim für Schlagzeilen - hier und dort ist er wieder aufgetaucht - auch im niedersächsischen Wald. Damit hat das "tapfere Jägerlein", der klischeehafte Gegner des "bösen" Wolfs, wieder einen Konkurrenten.

Es war einmal ein tapferes Jägerlein. Das stapfte tagein, tagaus durch die Wälder im schönen Niedersachsenlande ... etwas leiser tat es das wahrscheinlich ... sehr leise, verhaltene Schritte im Unterholz.

... und es jagte und jagte, damit am Abend stets ein üppiger Braten auf dem Tische lag. Wer sonst, wenn nicht er, sollte in den Wäldern für Ordnung sorgen, sollte Hasen, Rehe und Wildschweine mit dem Schießgewehr in ihre Schranken weisen? Der Wolf tat das schließlich seit mehr als hundert Jahren nicht mehr ...

Der Jäger und Forstamtsleiter Otto Fricke stiefelt in grüner "Weidmannsheilkluft" voran durch stacheliges Brombeergestrüpp.

Jäger Fricke: "Ich bin hier heute hergekommen, um einmal zu sehen, wie unsere diesjährigen Kulturen angewachsen sind, das ist ja immer eine spannende Sache..."

In seinem Revier im Landkreis Cuxhaven, wo derzeit hauptsächlich Kiefern und Fichten wachsen, sollen künftig Mischwälder stehen, erklärt er, denn die erweisen sich als ökologisch sinnvoller. Fricke und seine Leute hatten deshalb lauter kleine Buchen gepflanzt, 400.000 Stück auf 11.000 Hektar. Heute morgen schaut er sich nun um im Revier, der Blick verzweifelt: Fast alle Buchen haben lediglich Bonsai-Format und reichen ihm höchstens bis zum Knie.

Jäger Fricke: "Also wir haben als Wildart, die überall präsent ist, das Rehwild, die sehr gerne Knospen fressen, hier ist aber ein zweites Problem dazu gekommen: Wir sind hier im Kerngebiet einer Damwild-Verbreitung, und das ist ursächlich für diese Wildschäden hier."

Wie kommt es, dass das Wild so viele Möglichkeiten hat, sich so üppig zu vermehren?

"Es hat keine natürlichen Feinde mehr, also die großen Beutegreifer wie Bär, Luchs und Wolf sind ausgestorben schon seit langem...."

"Eigentor" nennt man das im Sport. Seit 1850 gilt Deutschland als weitgehend wolfsfrei, vereinzelte Tiere, die danach einwanderten, wurden ebenfalls erschossen. Der Mensch, jahrhundertelang geformt von Mythen und Märchen, macht keine halben Sachen. 1998 aber ist der Wolf wieder da: Ein erstes Paar siedelt sich in der Muskauer Heide in Sachsen an, im Jahr 2000 gibt es Nachwuchs. Seither erobert sich der "legendäre Bösewicht" sein altes Terrain zurück und die Bedingungen, die er vorfindet, sind traumhaft: Hirsch, Reh und Wildschwein satt und niemand weit und breit, der ihm offiziell ein Härchen krümmen darf. Denn der Wolf gehört inzwischen, anders als zu Grimms Zeiten, durch eine Vielzahl nationaler und internationaler Übereinkommen zu den am strengsten geschützten Tierarten.

Britta Habbe: "Wir gehen jetzt hier ein Stück in den Wald rein und dann gucken wir mal, dass wir die erste schon finden ..."

Im Wald mit den Bonsai-Buchen hängen ein paar kleine Kästen an Bäumen.

"Wir haben uns hier so ein bisschen geholfen, wir haben überall so kleine Bändsel angebracht, dass wir wissen, wo wir reinlaufen müssen ..."

Hier, im Landkreis Cuxhaven, hat jemand im vergangenen Frühjahr einen Wolf gesehen. Die Biologin und niedersächsische Wolfsbeauftragte Britta Habbe möchte das nun beweisen und ein Foto von ihm schießen.

Britta Habbe: "Da ist die Fotofalle am Baum, es sind ungefähr fünf Meter Abstand, die wir gewählt haben, weil in dem Bereich die Fotofalle noch sicher auslöst. Und da sieht man jetzt, dass hier entlang der Wechsel geht..."

Britta Habbe tauscht die vollen Datenkarten der Kameras gegen frische und überprüft die Ladung der Akkus. Eine der beiden Studentinnen, die sie begleiten, trägt eine Plastiktüte mit Wolfskot, den sie "Losung" nennen und in der Nähe der Kameras deponieren wollen. Die Forscherinnen möchten herauszufinden, wie die anderen Tiere des Waldes auf Wolfsgeruch reagieren.

Britta Habbe: "Hier sieht man schon den Markierungsstab, wo wir gleich die erste Losung ausbringen. Sonja, Du kannst ja die eine mal zeigen hier. Wir wollen mal eine Nase nehmen."

Wollen wir das? Wo haben Sie das denn eingesammelt?

"Das ist Zoo-Losung. Die haben wir jetzt aus dem Zoo bekommen. Nehmen Sie mal eine Nase. Die ist schon ein bisschen älter, die ist nicht ganz so schlimm. Und den Urin können Sie gleich gerne auch noch probieren."

Auf dem Weg zu Kamera drei findet die Biologin ein paar Knochen auf dem Waldboden. Überreste der sieben Geißlein sind das sicher nicht, sagt Britta Habbe.

"Ich denke mal Rehwild oder Damwild. Von der Knochengröße her."

Aber sauber abgenagt.

"Ich würde eher sagen verwittert."

Der Wolf hätte das mitgefressen ...

"Der Wolf hätte es mitgefressen, ja, Wölfe fressen solche Röhrenknochen ohne Probleme, die fressen auch den Oberschenkelknochen von einem Stück Rotwild oder so. Knacken die auch durch und fressen die mit."

Der Naturschutzbund Deutschland, der Nabu, unterrichtet interessierte Bürger auf seiner Homepage über den Speiseplan der Wölfe. Demnach frisst er weder Großmütter noch Kinder mit roten Käppchen, sondern zu mehr als 99 Prozent wilde Huftiere und Hasen. Nutztiere wie Schafe stehen nur ausnahmsweise auf der Speisekarte, mit einem Anteil von weniger als einem Prozent. Auch unter kulinarischen Gesichtspunkten ist also nicht viel dran an der Mär vom bösen Wolf.

"Also an dem Märchen vom bösen Wolf ist letztendlich gar nichts dran. Der Mythos Wolf ist ein ganz anderer als die Wildtierart Wolf und das muss man jetzt lernen, zu unterscheiden."

Britta Habbe von der Tierärztlichen Hochschule in Hannover wurde 2011 von der Landesjägerschaft Niedersachsen engagiert. Gemeinsam mit 50 ehrenamtlichen Wolfsberatern soll die Wolfsbeauftragte Grimms Märchen aus den Köpfen räumen.

"Genau. Also wir versuchen erstmal, ganz viel sachliche Aufklärungsarbeit zu machen, über den aktuellen Stand zu informieren, wie es in Deutschland sich gestaltet mit der natürlichen Rückkehr der Wölfe, und halt auch die wissenschaftliche Begleitforschung zu machen, das Monitoring zu machen, um einfach Fakten über diese Entwicklung zu sammeln und die auch verbreiten zu können. Damit man auf einer guten Basis diskutieren kann."

Welchen Ängsten und Vorbehalten begegnen Sie denn während Ihrer Arbeit?

"Es kann schon sein, dass man mal einen Anruf bekommt und eine Mutter sich sorgt und fragt, ob sie denn ihr Kind jetzt noch in den Waldkindergarten bringen kann oder ob sie ein ungutes Gefühle haben müsste, aber da kann man eigentlich schon beruhigen und sagen, dass unter den heutigen Bedingungen, wie sie in Deutschland herrschen, die Gefahr, dass wirklich der Wolf dem Menschen gefährlich ist, sehr gering ist."

Das heißt, ich kann weiter Pilze suchen, Joggen gehen, ohne dass mir was passiert?

"Das ist alles gar kein Problem."

Während Britta Habbe die restlichen Fotofallen kontrolliert, sichtet Forstamtsleiter Otto Fricke weiter seinen mickrigen Buchenbestand. Dass "Canis Lupus" den gefräßigen Wildbestand nennenswert dezimieren hilft - nein, glaubt er nicht.

Jäger Fricke: "Es gibt Nahrungsanalysen, dass sie bezogen aufs Jahr mit einem Stück Schalenwild je 100 Hektar, also ein Reh etwa, zurecht kommen. Wir schießen hier aber alleine in einer Größenordnung bis zu 20 Stück Schalenwild auf 100 Hektar, das heißt, wenn der Wolf ein bis zwei Stücke davon fräße, ist das noch kein Einflussfaktor, der den Bestand wirklich beeinflusst und nach unten bringt."

Es war einmal ein tapferer Wolf. Der wanderte tagein, tagaus vom wilden Osten herüber immer weiter gen Westen ... weitgehend stumm tat er das, schließlich war er ja scheu und wollte nicht auffallen ... er überquerte ungehindert eine mittlerweile verschwundene Grenze, passierte unter Einsatz seines Lebens befahrene Straßen, bis er eines Tages kurz vor der Küste des deutschen Nordmeeres angelangt war. Die Jägerschaft im schönen Niedersachsenlande hatte inzwischen allerhand dazugelernt ...

Frank Faß: "Wir gehen jetzt auf eines von heute zwei Wolfsgehegen zu, wir zeigen in beiden Gehegen den europäischen Grauwolf, schauen Sie mal hier drüben, da macht sich schon einer auf den Weg ..."

Frank Faß vom Wolfcenter bei Verden an der Aller deutet auf zwei weitere Tiere, die gut versteckt im Schatten einer Baumgruppe den Nachmittag verdösen. Helles, graubraunes Fell haben die beiden Jungwölfe, dunklere Schattierungen an Kopf und Rücken, kurze, spitze Ohren und eine breite Stirn, dazu helle, ausdrucksstarke Augen.

"Die europäischen Grauwölfe haben ihre Farbgebung aufgrund der Tatsache, dass das die beste Tarnung an ihre Umgebung ist, hier im mitteleuropäischen Raum."

Frank Faß weiß viel über Wölfe, hat sich mit ihrer Entwicklungsgeschichte beschäftigt, ihrem Verhältnis zu den Menschen, ihrer Rückkehr. Die vielen Fakten zeigt er hier in einer umfangreichen Ausstellung. Dort erfährt der Besucher auch von einem niedersächsischen Ungeheuer, wie es die Gebrüder Grimm nicht besser hätten erfinden können: Der "Würger vom Lichtenmoor" fand vor genau 65 Jahren nordöstlich von Nienburg an der Weser sein Ende.

"Richtig. Der wurde 1948 dort damals im August von einem Jäger, der gleichzeitig auch Landwirt war, er war der Schütze, (…) nach fünf Wochen der Geduld hat eben jener besagter Jäger einen Wolf geschossen."

Was war das damals, wenn man einen Wolf geschossen hatte? War man dann besonders gut angesehen, war das Imageaufbesserung?

"Es gibt ein sehr interessantes Büchlein zu dem 'Würger vom Lichtenmoor', dort ist sehr bemerkenswert beschrieben aus der Sicht des Schützen, er hat dieses Büchlein verfasst, wie verschiedenste Glückwünsche von Fachbehörden, Ministern etc., ranghohen Politikern, ihm zuteil wurden, also er war damals für dieses Ereignis wirklich ein Held, kann man so sagen, interessanterweise hat man dann aber im Nachhinein festgestellt: Manch ein Tier wurde wahrscheinlich schwarz geschlachtet und man hat's sozusagen dem Wolf mit untergeschoben."

Ein Held, wer damals einen Wolf erlegt. Und heute? Erst im April vergangenen Jahres hatte ein 72-jähriger Jäger im Westerwald einen Wolf erschossen und musste sich vor dem Amtsgericht Montabaur in Rheinland-Pfalz dafür verantworten. Den "bösen Wolf" abzuschießen erfüllt manchen Jägersmann mit Genugtuung, es existieren sogar Reiseunternehmen, die kostspielige Jagden auf ihn offerieren, in Kroatien zum Beispiel, in Rumänien oder Bulgarien. Aber auch abgesehen von der Lust auf spektakuläre Trophäen sei die Stimmung in der Jägerschaft beim Thema Wolf geteilt, meint Frank Faß.

"Es gibt sicherlich die Extremmeinungen von wirklich begeisterten Menschen, die sagen: Wahnsinn! Der Wolf ist wieder freilebend hier unterwegs in meinem Jagdgebiet, ich empfinde ihn als Bereicherung, als Aufwertung meines Revieres, und das krasse Gegenteil von Menschen, die sagen, welcher Grund spricht dafür, dass wir wieder Wölfe haben, was soll das, kostet Vater Staat nur Aufwendungen und Geld..."

Kein Wunder, dass Umweltschützer hellhörig werden, wenn ein Bundesland wie Sachsen den Wolf, wie Anfang dieses Jahres geschehen, ins Jagdrecht aufnimmt. Jagdrecht: Das klingt ganz klar wie "Feuer frei".

"Der Status Quo ist ja heute, dass der Wolf durch das Bundesnaturschutzgesetz ganz generell hier in Deutschland strengstens geschützt ist. Heute stellt das Land Sachsen eine besondere Ausnahme dar, dergestalt, dass der Wolf dort ins Jagdrecht aufgenommen wurde, aber, so nennt man das, mit ganzjähriger Schonzeit. Und wer glaubt, dass ein Wolf unbedingt zunächst einmal in das Jagdgesetz überführt werden muss, damit man ihn im Falle eines Falles ausnahmsweise töten darf, weil er vielleicht angefüttert wurde und die Hemmung, sich Menschen zu nähern, dadurch möglicherweise sinkt, diese Regularien sind durch das Bundesnaturschutzgesetz selbst schon lange gegeben."

Wenn Jäger, wie laut "Mitteldeutscher Zeitung" in Sachsen-Anhalt geschehen, dennoch eine Abschusserlaubnis für den Wolf fordern, dann, vermutet Wolfskenner und Jäger Frank Faß, stecken egoistische Motive dahinter.

"Ich glaube, dass der ganz große Motor dahinter letztendlich nur in Angst begründet ist. Die Frage ist, worauf beruht diese Angst? Ist es Angst vor der eigenen Unversehrtheit, die, wie vermutet wird, vielleicht in Frage gestellt wird künftig? ... Ich glaube, dass diejenigen, die da Befürchtungen haben, vielmehr denken, dass man da keinen Jagderfolg mehr hat. Auf die Jagd gehen ist ein teures Hobby, die meisten von uns hier in Deutschland sind Hobbyjäger, es sind die wenigsten Menschen Berufsjäger, wenn wir uns vorstellen, dass das sogenannte Wildbret, sprich: Das Wildfleisch gerade zur Winterzeit natürlich auch durchaus die Kasse wieder auffrischt, wenn man's vertreibt, ja, dass einfach Ängste da sind, dass das künftig nicht mehr gelingt, dass das ein extrem teures Hobby wird, von dem man nichts mehr hat."

Es waren einmal ein tapferer Jägersmann und ein ebenso tapferer Wolf, die lebten im schönen Niedersachsenlande und waren gar findig und weise.

"Schluss mit der Wolfshatz", sagte der Jäger, wollte er doch Ansehen und Achtung des Volkes gewinnen. "Schluss mit Rotkäppchen und den Geißlein", sagte der Wolf, wollte er doch im Gedenkjahr der Grimm-Brüder nicht mit neuer Nahrung für neue Märchen aufwarten ...

Ganz und gar kann Isegrimm dann aber doch nicht aus seiner Haut. Zum Beispiel hatte ein Rudel pubertierender Wölfe einen Bundeswehrsoldaten beim Orientierungslauf durch die Lüneburger Heide das Fürchten gelehrt. Auch das eine oder andere niedersächsische Schaf musste dran glauben. In Fachmagazinen tauschen sich Schafhalter deshalb erhitzt über den Bösewicht aus, obwohl längst Regelungen für Ausgleichszahlungen getroffen sind.

Aber unterm Strich reagieren die Niedersachsen besonnen auf die Rückkehr des Fabelwesens. Auch – Vorurteilen zum Trotz – die niedersächsischen Jäger. Die Landesjägerschaft, in der knapp 90 Prozent aller 60.000 Weidmänner organisiert sind, möchte sich in den Köpfen der Öffentlichkeit als umwelt- und naturbewusst statt als schießwütig positionieren. Deshalb bemühen sich die Jäger seit Jahren um ein positives Image, etwa mit dem Engagement in großen Artenschutzprojekten wie der Seehundaufzucht- und Forschungsstation Norden-Norddeich oder dem Luchsprojekt im Harz. In Sachen Wolf glänzt Niedersachsen mit einer bundesweit einmaligen Kooperation zwischen Jägern, Umweltministerium und Naturschutzverbänden.

Florian Rölfing: "Die Landesjägerschaft Niedersachsen beschäftigt sich seit längerer Zeit mit dem Thema Rückkehr der Wölfe, und im Jahr 2010 bereits ist ein Konzept, das niedersächsische Wolfskonzept, entwickelt worden, da war die Landesjägerschaft Niedersachsen neben allen anderen Interessensverbänden und Naturschutzverbänden beteiligt ..."

Florian Rölfing ist von der Landesjägerschaft Niedersachsen.

"Das hat einen ganz wesentlichen Grund: Wir Jäger sind in der Fläche präsent. Das heißt: Niemand eignet sich besser, ein Monitoring bei Wildarten durchzuführen, als die Jäger, die tagtäglich draußen im Revier sind, ... wir sind seit über 30 Jahren anerkannter Naturschutzverband, und vor diesem Hintergrund haben wir dann unser Engagement intensiviert, … und seit dem Jahr 2012 ist die Landesjägerschaft Niedersachsen dann vom Land Niedersachsen, vom Umweltministerium, offiziell mit dem Wolfsmonitoring in Niedersachsen betraut worden."

Es sind jetzt knapp 50 Wolfsberater zur Zeit, es sind knapp 20 Wölfe, die in Niedersachsen im Moment unterwegs sind, das ist ein Betreuungsschlüssel, von dem träumt jede Kita.

"Das ist eine hohe Anzahl von Wolfsberatern, die Wolfsberater haben ja auch zwei Aufgaben. Die Wolfsberater sind einmal dafür da und dafür ausgebildet, zu Wolfsrissen gerufen zu werden, um lokal vor Ort einen Ansprechpartner zu haben. Und darüber hinaus machen auch die Wolfsberater natürlich Öffentlichkeitsarbeit. Sie informieren auch lokal vor Ort über den Wolf."

Eine hänsel- und greteltaugliche Jagdhütte mitten im Wald. Die Wolfsbeauftragte Britta Habbe stellt zwei Laptops auf den verstaubten Holztisch und holt einige Speicherkarten aus ihrer Jackentasche.

Britta Habbe: "Wir haben jetzt zwei Fotofallenstandorte schon ausgelesen, haben die Karten getauscht, und jetzt gucken wir eben auf dem Laptop, was wir da für Bilder draufhaben."

Jäger Fricke: "So jetzt kommt der Moment"

Britta Habbe: "Ja, jetzt sind wir gespannt."

Ein Bild nach dem anderen klickt Britta Habbe nun durch, Förster Fricke schaut ihr gebannt über die Schulter.

Britta Habbe: "Oh ha!"
Jäger Fricke: "Ein Pilzesucher."
Britta Habbe: "Oder Blaubeeren, mit der Kanne ..."

Ein Reh huscht durchs Bild. Auf dem nächsten das Kitz. Dann eine Fledermaus, die in die Fotofalle getappt, besser: geflogen ist. Einen Wolf findet Britta Habbe auf keinem Bild. Anderenorts in Niedersachsen ist der Beweis dagegen längst erbracht.

Britta Habbe: "Ja genau, angefangen hat das alles mit einer Fähe auf dem Truppenübungsplatz bei Munster, die wir vor zwei Jahren dort das erste Mal feststellen konnten, die hat letztes Jahr dann einen Partner gefunden und dann gab es letztes Jahr auch die ersten Welpen da, drei Stück, so dass das dann als erstes Rudel hier in Niedersachsen galt, dann haben wir mittlerweile ein bisschen weiter südlich in der Lüneburger Heide auf dem Truppenübungsplatz Bergen auch noch ein Paar feststellen können. Na und die dritte Ecke ist dann noch oben im Wendland, der Raum Gartow, wo wir anhand eines Fotofallenprojektes definitiv ein Pärchen nachweisen konnten dieses Jahr und auch schon wenig später den ersten Nachwuchs bestätigen konnten. Und mittlerweile wissen wir auch, dass da oben mindestens sechs Welpen unterwegs sind."

Jäger Fricke: "Sechs?"
Britta Habbe: "Joh."
Jäger Fricke: "Drei haben Sie das letzte Mal vermutet."
Britta Habbe: "Ja, gestern kam ein Foto mit sechs."
Jäger Fricke: "Oioioioi!"

Was würde man als Wolfsberater, wenn man könnte, denn dem Wolf raten?"

Britta Habbe: "Ach, ich glaube, dem Wolf braucht man gar nicht so viel raten, der Wolf kommt ja ganz von alleine und sucht sich hier seine Flächen aus, wenn wir ihm die Akzeptanz entgegenbringen, wird er sich hier niederlassen und wir werden nebeneinander leben können. Das wird gar kein Problem sein."

Die Wissenschaftlerinnen packen die Computer ein und machen sich auf den Weg durchs Unterholz zu den letzten beiden Fotofallen. Vielleicht wird es ja dort dabei sein, das Beweisbild vom Cuxhavener Wolf.

Und so lebten denn das tapfere Jägerlein und der niedersächsische Wolf, sofern sie nicht gestorben sind, friedlich und froh nebeneinander her...

... bis, ja bis eines schönen Tages... Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

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