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Profil / Archiv | Beitrag vom 07.02.2013

Vom süßen Teenie zur Künstlermuse

Christa Theret ist einer der "Shootingstars" der diesjährigen Berlinale

Von Jörg Taszman

Auguste Renoir (Michel Bouquet) malt seine Muse Andrée Heuschling (Christa Théret)
Auguste Renoir (Michel Bouquet) malt seine Muse Andrée Heuschling (Christa Théret) (Arsenal Filmverleih)

Begonnen hat die 1991 geborene Französin Christa Theret ihre Karriere vor vier Jahren im Jugendfilm "LOL" an der Seite von Sophie Marceau. Im Künstlerfilm "Renoir" ist sie derzeit als Muse des Malers Auguste Renoir und Geliebte seines Sohnes Jean Renoir zu sehen. Auf der Berlinale wird Christa Theret als einer der Shootingsstars gefeiert.

Lola ist 16, -wird von allen nur LOL genannt. Sie freut sich auf ihren ersten Schultag nach den Ferien. So beginnt der Film, mit dem Christa Theret berühmt wurde.

Szene aus "LOL - laughing out loud" mit Sophie Marceau (l.) und Christa TheretSzene aus "LOL - laughing out loud" mit Sophie Marceau (l.) und Christa Theret (Delphi Filmverleih)Fast 30 Jahre nach "La Boum" spielte an der Seite von Christa Theret Sophie Marceau in "LOL - laughing out loud" ihre Filmmutter. So wurde diese leichte Komödie zu einem ganz besonderen Film über Jugendliche und Eltern. Allein In Frankreich sahen LOL über 3,6 Millionen Zuschauer. Ein Riesenerfolg für die junge Actrice, die dann jedoch schnell begann, ganz andere Filme zu drehen.

Christa Theret: "Ich habe dieses Image ein wenig abgestreift und das erlaubt mir heute, nicht nur als Jugendliche besetzt zu werden. Man bietet mir auch erwachsenere Rollen an."

Christa Theret wirkt mit ihren 21 Jahren etwas jünger und verfügt nicht nur auf der Leinwand über einen mädchenhaften, verschmitzten Charme und viel Energie. Als sie Mitte Januar in Paris Interviews zum Film "Renoir" gab, versuchte sie zunächst immer auf Englisch zu antworten, verfiel dann aber automatisch in das ihr vertraute Französische. Ganz bewusst drehte sie nach LOL in vier Erstlingsfilmen junger Regisseure mit, aber auch bei Altmeister Bertrand Blier.

"Du musst aufpassen, auch nicht nur in Debütfilmen zu spielen. Man muss ja auch gesehen werden. Das gehört zur Schauspielerei dazu. Sonst wird man vergessen. Nun aber bin ich sehr zufrieden. Weil mit den Filmen RENOIR und L‘ HOMME QUI RIT habe ich dieses Gleichgewicht wieder hergestellt."

Die Victor-Hugo-Verfilmung "L’Homme qui rit/Der Mann der lachte" kam kurz vor Weihnachten in die Kinos mit Stars wie u.a Gérard Depardieu, aber der teure Film floppte. Ganz anders die doppelte Künstlerbiografie "Renoir", die seit Anfang Januar bereits 500.000 Zuschauer in die französischen Kinos lockte.

In "Renoir" spielt Christa Theret die Muse und das Modell des Malers Auguste Renoir kurz nach dem Ausbruch des I. Weltkriegs. Diese Andrée Hirschling hat es wirklich gegeben. In der Realität hieß sie Catherine Hessling und war die spätere Ehefrau des Filmemachers Jean Renoir.

"Und sie starb und geriet völlig in Vergessenheit. Um mehr über sie herauszufinden, ging ich in das Kulturkaufhaus FNAC. Es gab nichts über sie, kein einziges Buch. Sie wurde nur von Jean Renoir hier und da erwähnt."

Christa Theret sah sich die gemeinsamen Filme von Jean Renoir und Catherine Hessling wie die Zola-Verfilmung "Nana" an und beschreibt den Schauspielstil Catherine Hesslings als sehr expressiv. In einer Mischung aus Französisch und Englisch versucht sie, ihre Faszination zu erklären.

"Of course she is playing but I can feel l’énergie. It was not more simple for me. Because the people didn’t know her. I was more free in my play."

Als ihr Regisseur Gilles Bourdos die Rolle anbot, war Christa Theret noch unsicher. Sie ist viel schlanker und zierlicher als ein typisches Renoir-Modell. Dann aber nahm sie acht Kilo zu und der Regisseur setzte auch auf die Sinnlichkeit ihrer Figur.

"Regisseur Gilles Bourdos wollte kein Biopic über die Renoirs drehen. Deswegen hat er diese Figur von Andrée Hirschling eingeführt. Sie kommt dort an und verändert alles. Sie zerschmeißt die Teller und schreit herum und es geht um dieses Mädchen, auch die sehr leidenschaftliche Liebesgeschichte zwischen Jean Renoir und ihr …"

Für Christa Theret bedeutet diese Rolle der Muse eines Malers auch aus persönlichen Gründen sehr viel. Ihr eigener Vater war Maler und ihre Mutter arbeitete als Modell.

"Sie war sehr gerührt. Mein Vater ist leider verstorben und so war es für sie mit starken Emotionen verbunden. Heute ist die Kunst sehr konzeptionell und Modelle werden nicht mehr so hoch angesehen. Meine Mutter übt diesen Beruf seit 25 Jahren aus. Früher gab es einen wirklichen Respekt für ein Modell."

Sehr reflektiert und leidenschaftlich spricht die junge Frau über die wichtige Rolle, die ein Modell ausübt. Sie erinnert sich daran, wie ihr Vater manchmal ohne ein passendes Modell nicht malen konnte. Auch in einer größeren Interviewrunde zeigt die junge Schauspielerin Gefühle, sie lacht gerne und macht sich Gedanken über ihren Beruf und die Vorurteile vieler Filmemacher, die sie in ihren Autorenfilmen nicht besetzen wollten.

"Some director didn’t want so see me. Ils voyaient des films plus d’auteurs. No, she is playing in LOL. I don’t wanna see her."

Auf Berlin freut sich Christa Theret schon seit Wochen. Als die Mikros nicht mehr laufen, erzählt sie mir voller Begeisterung von dem Feeling der Stadt, wie locker und unverkrampft man dort miteinander umginge und wie versnobt dagegen Paris auf sie wirke. Und sie erwägt ernsthaft nach Berlin zu ziehen. Selten hat ein Shooting Star so zur Berlinale gepasst wie diese natürliche und charmante junge Französin.

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Renoirs letzte Muse
Kampfkunst zur Eröffnung