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Politisches Feuilleton / Archiv | Beitrag vom 01.07.2011

Vom Ende der Gleichberechtigung

Frauen haben Männer längst zum Objekt ihrer Erziehung gemacht

Von Eberhard Straub

Frauen wollen Kinder ganz für sich alleine, sagt Eberhard Straub. (Stock.XCHNG)
Frauen wollen Kinder ganz für sich alleine, sagt Eberhard Straub. (Stock.XCHNG)

Der Mensch ist zum Bösen geneigt. Dieser alten Erfahrung widersprechen immer entschiedener fundamentalistische Feministinnen und von deren Redegewalt eingeschüchterte Frauenversteher unter den Männern, die daran leiden, als Mann auf die Welt gekommen zu sein. Denn Frauen sind von Natur aus freundlich, friedlich, harmoniebedürftig, ausgleichend und gerecht. So lautet die frohe Botschaft. Mutter Natur hat ihre Töchter wunderbar ausgestattet.

Sie vergaß allerdings, ihnen auch die Gabe zu verleihen, männlich dominierte Machtspiele zu durchschauen und sich davor schützen zu können, zum Opfer männlicher Launen zu werden. Habt Mitleid mit den Frauen! Dieser Ruf dröhnt längst wie Donnerhall durch das betriebsame Deutschland und soll auch die schwerhörigsten Männer zur Gewissenserforschung anhalten, etwa wieder einmal ungeduldig gewesen zu sein und einer Frau Schmerz zugefügt zu haben.

Da Frauen beigebracht wurde, von Erziehung viel mehr zu verstehen als die rohen Männer, weil sie viel verständnisvoller sind, fühlen sie sich dazu berufen, aus Männern endlich Menschen zu machen. Von der Wiege bis zum Sarg begleiten Frauen den Mann, ihn korrigierend und zurechtweisend. Sie erlösen, dies Mängelwesen, den Mann, aus seinen vielen Unzulänglichkeiten. Die Inkarnationen menschlicher Vollkommenheit staunen, was der Mann alles lernen muss. Deshalb darf man Männer nie allein lassen, und auf keinen Fall der Gesellschaft mit Männern überlassen.

Überall sind Frauen. Nicht weil die Gleichberechtigung es ihnen ermöglicht, sondern weil sie fürchten, Männer könnten ihrer Kontrolle entgleiten, wenn man sie nicht gründlich überwacht. Nichts verschafft so viel Macht wie der beanspruchte Opferstatus. Die Frauen haben längst den Mann zum Objekt ihrer Erziehung gemacht. Sie bestimmen, welche Bücher, Filme oder welche Musik kein Erfolg werden. Was Frauen nicht passt, wird als Männerthema bei Seite geschoben. Das kann sogar Goethe oder Mozart treffen, Homer oder Shakespeare, sie alle schrieben auch von Frauen, die Männer umgarnten und das Schwein in ihnen entwickelten. Frauenverachtende Männerfantasien, die nur beweisen, wie schwer den Männern die Menschwerdung fällt, und wie sehr sie auf Frauen angewiesen sind, nicht Vorurteilen zu erliegen.

Die Ehe ist längst zum Umerziehungslager geworden. Die Lebensabschnittspartnerin ist damit beschäftigt, erst einmal alles zu beseitigen, was die Mutter ihrem Sohn beigebracht hatte. Hat sie das erreicht, muss er ihrem Bilde angeglichen werden, denn nur gemeinsam sind beide stark, was heißt: Sie gleichen sich unter ihrer Anleitung einander an. Ein Mann, der noch an Egoresten hängt und sich totaler Betreuung entziehen möchte, wird bald entsorgt.

Frauen sehen im Mann nur den Vater ihrer Kinder. Sie will Kinder. Diese gehören ihr. Der Vater ist entbehrlich, die Familie ohnehin. Die Mutter und ihr Kind - welch herrlicher Verein. Bis auf einmal der Sohn keine Lust mehr hat, ihr recht viele Freude zu machen. Dann jammert sie, einem Mann und keinen Menschen in ihm zu begegnen, der sie undankbar allein lässt und gar die Freundschaft seines Vaters sucht. Wie ungerecht! Und wieder einmal ist sie nur Opfer, verletzt, beschädigt und gedemütigt.

Dann braucht sie Gesellschaft, um klagen zu können und ihr privates Weh als öffentlichen Skandal zu genießen. Unbefangene Geselligkeit ist von Frauen zerstört worden. Sie sind immer unverstanden, keiner hört ihnen zu und keiner lässt sie ausreden, obschon sie dauernd reden. Opfer dürfen nie mit dem Bösen in Zusammenhang gebracht werden. Es gibt Wählerinnen und Wähler, Verbraucher und Verbraucherinnen, aber eine Terroristen- und Terroristinnenbekämpfung kann es nicht geben. Terror ist unweiblich, was immer auch die Geschichte dazu sagen mag. Die unterrichtet darüber, wie böse, gewalttätig und verlogen auch Frauen sein können, die Männer gar nicht so selten sexuell belästigen und verführen.

Die Fiktionen vom guten Menschen, der sich in der Frau vollendet, hat das Zusammenleben erschwert. Amitié, die Freundschaft sollte einmal Mann und Frau verbinden, die beide voller Fehler waren. Mit Vollkommenen kann kein Mensch befreundet sein. Ihnen kann man nur gehorchen. Damit ist die Gleichberechtigung am Ende.

Eberhard Straub, Publizist und Buchautor. Geboren 1940, studierte Geschichte, Kunstgeschichte und Archäologie. Der habilitierte Historiker war bis 1986 Feuilletonredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und bis 1997 Pressereferent des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft. Heute lebt er als freier Journalist in Berlin.

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