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Kompressor | Beitrag vom 22.03.2016

Virtual Reality als KunstformMal erschreckend, mal beeindruckend fesselnd

Von Ina Plodroch

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Ein Mann trägt die Datenbrille Oculus Rift (picture alliance / dpa / Sergey Galyonkin)
Ein Mann trägt die Datenbrille Oculus Rift (picture alliance / dpa / Sergey Galyonkin)

Virtual Reality steht seit Jahren kurz vor dem Durchbruch. Und sie zieht gleichermaßen Filmemacher, Künstler und Designer an. Bietet ausgerechnet die digitale Technik eine Befreiung aus dem digitalen Gewusel? - Ein Besuch beim Kaleidoscope-Festival.

"Wir haben hier das HTC Vive. Virtual Reality."

Auf dem Kaleidoscope-Festival für Virtual Reality - Filme, Spiele, Kunst. Tillman betreut als einer der Freiwilligen die Besucher.

"Dein erstes Mal? Die Leute, die es das erste Mal machen, das ist immer das Beste für mich. Ich meine: 3D-Filme sind schon nett. VR ist was ganz anderes."

Tillman ist begeistert. Ein Missionar dieser neuen Technik, die gar nicht neu ist, aber seit ein paar Jahren permanent kurz vor dem Durchbruch steht.

Welt mit seltsamen Bäumen entdecken

"Zieh einmal diese Brille an. Sitzt fest? Jetzt kommen noch die Kopfhörer und wir werden dich in den Ozean schicken. Achtung, sei bereit und tauche in die Welt... 

... die pink, türkis, hügelig ist.

"Du bist jetzt in der virtuellen Welt von 'Lucid Trips'."

Eine Art Exploration-Game. Ich soll diese Welt mit seltsamen Bäumen und schwebenden Kugeln entdecken.

"Du hast die zwei Controller in der Hand, das sind zwei Arme. Als ob du Skier fahren würdest."

So wirklich verstehe ich nicht, was ich machen soll. Als erste Erfahrung ist dieses Herumspringen in der virtuellen Welt aufregend genug. Zu den Ausstellungsräumen mit Kunstwerken von Neo Rauch, Jonathan Meese oder DAIM dringe ich gar nicht vor.

Diese Welt ist fesselnd, weil sie allumfassend ist

"Versuch in dem Raum zu interagieren. Versuch es nicht als künstliche Welt zu sehen, versuch es als reale Welt zu sehen."

Das fällt mir erstaunlich leicht. Diese Welt ist fesselnd, weil sie allumfassend ist, weil ich nicht wie vor einem Laptop einfach mal aus dem Fenster schauen, nicht mal schnell den Tab im Browser wechseln kann. Weiterspulen, Smartphone checken – all das ist unmöglich.

Fast scheint es, als ob ausgerechnet eine digitale Technik die Befreiung aus dem digitalen Gewusel, der dauerhaften digitalen Mehrfachbeschallung liefert. Ich fliege, falle, bis ins Wasser. Tod.

"Achso, im Wasser stirbst du."

Vielleicht besser so, mir ist übel.  

"Dein visuelles Sehen ist davon überzeugt, dass Du gerade einen Abhang runter fliegst. Deshalb dieses Gefühl im Baum, weil dein Innenohr das nicht ganz auf eine Wellenlänge bekommt."

Game? Film? "Es ist was dazwischen"

Sara Lisa Vogl hat 'Lucid Trips' entworfen. Oder designt, gemacht, was sagt man denn?

"VR ist ja erstmal ein neues Medium. Game kennt man ja schon. Ich beschreibe es noch nicht ganz als Game, weil es nicht alle Features eines Game hat. Es ist aber auch kein Film. Es ist was dazwischen."

Virtual Reality, kurz VR, ist wirklich: Irgendwas dazwischen. Anders, als alles andere. Das zieht Filmemacher, Künstler, Musiker, Designer an. Ein Konzeptalbum, in dem die Grafik dem Sound folgt, ein 360-Grad-Video, das die Welt eines Erblindeten simuliert, Kurzfilmchen aus der Ich-Perspektive. Allesamt extrem unscharf, die Grafik ist bei allen gezeigten Projekten das größte Problem.

Trotzdem stehen die Besucher gerne auch mal fast eine Stunde pro Brille an. Auf dem Kaleidoscope-Festival herrscht Aufbruchstimmung und grenzenlose Begeisterung.

"It’s the future, man! It’s very revolutionary!"

Findet Steye Hallema. Musiker und Filmer.

"Das Gehirn denkt, man ist gemeinsam dort"

"Das schwierigste ist, die Leute davon zu überzeugen, dass wir etwas anderes als Film machen."

Steye Hellama hat für seine Band Steye & The Bizonkid ein 360-Grad-Musikvideo gedreht. 

"Weil man mit den Leuten kommunizieren kann. Man ist da, das ist total anders. Man fühlt sich den Charakteren anders gegenüber, wenn man im selben Raum steht. Das Gehirn denkt, man ist gemeinsam dort."

Manipulativ? Nee, immersiv, also eindringlich, ist das Stichwort. Je realer, desto stärker die Identifikation. Die Virtual Reality ist mal erschreckend, mal beeindruckend fesselnd. Die gezeigten Projekte deuten künstlerische Möglichkeiten an. Da glaubt man gerne, dass Virtual Reality Film, Kunst und Games nicht nur beeinflussen, sondern umkrempeln wird. Falls nicht vorher allen schlecht wird. 

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