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Thema / Archiv | Beitrag vom 26.04.2011

Vertuschen und verharmlosen

Wie die DDR mit Tschernobyl umging

Von Nicolaus Schröder

Luftbild des zerstörten Atomkraftwerks Tschernobyl. (AP Archiv)
Luftbild des zerstörten Atomkraftwerks Tschernobyl. (AP Archiv)

Während das Unglück von Tschernobyl in den westdeutschen Medien schnell zur Top-Meldung wird, setzen die Nachrichten der DDR auf Beruhigung. Gesundheitsgefahren werden heruntergespielt.

Am Montag, den 28. April 1986, sind die Nachrichten des DDR-Fernsehens voller Preisträger. Wie immer werden kurz vor den Mai-Feiertagen die Orden verteilt und die Helden der Arbeit belohnt. Die Aktuelle Kamera vergisst keinen. Wer jetzt immer noch Nachrichten sieht, der hört Chefsprecher Hans-Dieter Lange gegen Ende folgende Meldung verlesen.

"Wie Tass meldet, hat sich am 26.04.1986 im sowjetischen Kernkraftwerk Tschernobyl eine Havarie ereignet. Einer der Kernreaktoren wurde dabei beschädigt. Es wurden Maßnahmen zur Beseitigung der Folgen der Havarie eingeleitet."

Während das Unglück in den westdeutschen Medien schnell zur Top-Meldung wird und beim Kauf von Salat und Gemüse auf möglichst unbelastete Herkunft geachtet werden soll, setzen die Nachrichtensendungen der DDR am folgenden Dienstag auf Beruhigung.

"Nach der Tass-Meldung über eine Havarie im Kernkraftwerk Tschernobyl in der Ukraine wurden keine Werte der Radioaktivität gemessen, die eine Gesundheitsgefährdung hervorrufen können."

Das ist gelogen, denn dem Strahlenschutzamt liegen alarmierende Messergebnisse vor. Auch lässt das Amt heimlich die Sicherheit der beiden sowjetischen Meiler in der DDR untersuchen. Offiziell soll das gar nicht nötig sein.

"... Auf entsprechende Fragen von Pressevertretern sagte der Sprecher wörtlich, 'wir haben ganz andere Reaktoren'."

"Das war schon sehr dreist und frech für DDR-Verhältnisse. An sich war es immer so, alles was beim großen Bruderstaat war, war mindestens zehn mal besser und zehn mal sicherer. Da war klar, an der Sache stinkt es enorm."

Christian Halbrock lebt zu dieser Zeit am Prenzlauer Berg. Im September '86 gründet er mit Freunden die Umweltbibliothek Berlin.

"Für mich war es dann tatsächlich ein Auslöser zu sagen, man muss da was gegen machen. Und ich hab mich da damals hingesetzt und so einen Aufkleber gedruckt und diese in relativ hoher Anzahl in Umlauf gebracht."

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