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Thema / Archiv | Beitrag vom 22.10.2010

Versuch, Bilder in Sprache zu gießen

Die österreichische Schriftstellerin Friederike Mayröcker

Von Tobias Wenzel

Friedericke Mayröcker arbeitet mit unzähligen Notizen. (Stock.XCHNG / Davide Guglielmo)
Friedericke Mayröcker arbeitet mit unzähligen Notizen. (Stock.XCHNG / Davide Guglielmo)

Friedericke Mayröcker ist eine Schriftstellerin, die nicht gerne redet. Nun ist ein Dokumentarfilm über sie entstanden, der diese Eigenart berücksichtigt. "Das Schreiben und das Schweigen. Die Schriftstellerin Friederike Mayröcker" porträtiert eine außergewöhnliche Dichterin und reflektiert die Schwierigkeit der filmischen Annäherung.

Friedericke Mayröcker: "Es ist ein Glück, eine Seligkeit. Denn es macht einen ja erst zum Menschen, dass man schreibt." (alle Zitate stammen aus dem Dokumentarfilm 'Das Schreiben und das Schweigen')

Schon als Jugendliche schrieb Friederike Mayröcker erste Gedichte. Aber die 1924 in Wien geborene Tochter eines Schuldirektors und einer Modistin arbeite erst einmal über 20 Jahre als Lehrerin an Hauptschulen. Dann ließ sie sich beurlauben, um sich ganz dem Schreiben zu widmen. Noch heute, mit 85 Jahren, schreibt sie, in ihrer engen Wiener Wohnung, umgeben von Papierbergen:

"Schaut aus wie ein Chaos, ist aber im Grunde kein Chaos. Nur wenn jemand dran rührt, dann wird es ein Chaos."

Die wohl bedeutendste zeitgenössische Dichterin Österreichs lebt nach eigener Auskunft in Bildern und versucht sie in Sprache zu gießen. Sie beginnt mit ein paar Worten, einem Satz oder Halbsatz, der in dieser Fassung noch leicht verständlich ist.

"Und dann aber, zum Drüberstreuen, kommen die surrealen Dinge. Und die habe ich immer bereit. Die liegen alle in diesen Körben drinnen. Das ist das Kochrezept."

Als experimentell, schwer zugänglich gelten viele ihrer Gedichte. Ihr umfangreiches Werk umfasst Lyrik, Prosa und Hörspiele. Einige davon hat sie gemeinsam mit Ernst Jandl geschrieben. Mit ihm lebte Friederike Mayröcker bis zu dessen Tod fast fünf Jahrzehnte zusammen.

"Er hat ja im Sommer immer geschrieben. Zum Unterschied von mir. Er hat eine Olympia gehabt, wo man so mit den Pranken drauf haut, und hat ununterbrochen geschrieben. Und ich bin draußen spazieren gegangen."

Aber nicht allein, sondern immer mit einem Notizbuch, um Worte für ein Bild zu finden. Schweigend.

"Ich mag nicht sprechen. Und auf dieser Grundlage werden wir unseren Film aufbauen."

"Das machen wir."

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