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Verrissen und verkauft

Der Zustand der deutschen Literaturkritik

Von Helmut Böttiger

Die Literaturkritik ist so schnell nicht totzukriegen.
Die Literaturkritik ist so schnell nicht totzukriegen. (dapd / Sebastian Willnow)

Von den Werkstattdiskussionen der Gruppe 47 über die Eventmaschine Bachmann-Preis bis zu aktuellen Medieninszenierungen - die Literaturkritik als deutsches Phänomen.

Die deutsche Literaturkritik hat sich im Lauf der Zeit sehr gewandelt. Doch eines blieb gleich: Dem Kritiker kam immer eine besondere Bedeutung zu, er ist auffälliger als in den meisten anderen Ländern. Überall sonst besprechen meist Schriftsteller oder Universitätsdozenten die Bücher. Hierzulande aber bildete sich zusätzlich ein spezieller Typus heraus, der vor allem Kritiken schreibt und davon lebt.

Woran liegt das? Am spezifisch deutschen Bedürfnis nach Autorität? Oder an einer besonderen Lust auf Angstbiss und Zerfleischung? Schon Goethe fand das berühmte Wort: "Der Tausendsackerment! / Schlagt ihn tot, den Hund! Es ist ein Rezensent."

Nach 1945 setzte die Gruppe 47 die deutsche Tradition der Literaturkritik auf neue Weise fort: Hier wurde der Typus des aktuellen Medienkritikers erfunden, dessen Qualitäten sich vom schriftlichen Text immer mehr entfernen.

"Verrissen und verkauft" zeichnet, durchaus mit literaturkritischer Verve, die Entwicklung nach: von den Werkstattdiskussionen der Gruppe 47 über die Eventmaschine des Klagenfurter Bachmann-Preises hin zu aktuellen Medieninszenierungen wie Literarisches Quartett, Elke Heidenreich oder Denis Scheck.

Doch trotz aller Wandlungen, trotz allen Zwangs zu Infotainment, Talkshow und Leserservice ist eines klar: Die Literaturkritik ist so schnell nicht totzukriegen.

(Wdh.v. 07.03.2010)

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