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Thema / Archiv | Beitrag vom 10.04.2007

"Verletzung der Persönlichkeitsrechte"

Sohn des Klägers gegen Contergan-Film über Genehmigung enttäuscht

Justitia-Statue  (AP)
Justitia-Statue (AP)

Nach dem Urteil des Oberlandesgerichts Hamburg über die Ausstrahlung des WDR-Films zum Contergan-Skandal zeigt sich der Sohn und Anwalt des Klägers, Sven Schulte-Hillen, enttäuscht.

Es sei zwar ein Erfolg, dass viele Szenen aus dem Drehbuch geändert oder gestrichen werden mussten, sagte Schulte-Hillen am Dienstag im Deutschlandradio Kultur. Gleichwohl sei die Entscheidung, den Film "Eine einzige Tablette" nun doch zu genehmigen, eine Enttäuschung. Er, Schulte-Hillen, sei davon ausgegangen, das Oberlandesgericht erkenne, "dass eine Person, die so herausragend und eindeutig mit der Contergan-Katastrophe identifizierbar ist" wie sein Vater, nicht verfremdet werden kann. Es sei absurd zu meinen, man könne eine solche Person zum Kunstwerk machen, indem man ihr etwas andichtet, "wenn durch dieses Angedichtete aber wiederum eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte erfolgt".

Schulte-Hillen wehrte sich gegen die Argumentation, eine dramaturgische Veränderung von Charakteren oder Ereignissen werde durch die künstlerische Freiheit gedeckt. So gebe "Eine einzige Tablette" im Wesentlichen das Leben seiner Eltern wieder. Im Film trennen sich diese jedoch. "Wir persönlich sehen das als einen Eingriff in das Privatleben meiner Eltern, die sich selbstverständlich nie getrennt haben." Der Zuschauer hingegen sei nicht in der Lage, eine Unterscheidung zwischen Fiktion und Realität vorzunehmen: "Im Wesentlichen erwartet man doch von einem solchen Film, der einen zeithistorischen Vorgang wiedergibt, dass er wahrheitsgetreu ist." Einspielungen aus der damaligen Fernsehberichterstattung stützten diesen Eindruck zusätzlich.

Ferner zeigte sich Schulte-Hillen "stark betroffen" darüber, dass die Filmemacher die Geschichte seiner Eltern verfilmt hätten, ohne mit ihnen Rücksprache gehalten zu haben. Seine Familie habe erst aus den Medien von den Plänen zum Film erfahren. Überdies sei der Skandal um das Beruhigungsmittel Contergan und die dadurch verursachten Fehlbildungen bei Neugeborenen ungeeignet, um daraus einen Spielfilm machen. "Hier gehört eine knallharte Aufklärung hin. Der Fall ist dramatisch genug, man braucht nichts dazuzudichten und nichts wegzunehmen. Das reicht als Stoff."


Sie können das vollständige Gespräch für begrenzte Zeit in unserem Audio-on-Demand-Player nachhören.

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