Seit 17:07 Uhr Studio 9
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 17:07 Uhr Studio 9
 
 

Kommentar / Archiv | Beitrag vom 03.02.2016

VerlagswesenBuchpreisbindung passt nicht zum E-Book-Markt

Von Kolja Mensing

Ein E-Book-Reader liegt auf einem aufgeschlagenen Buch (picture alliance / dpa / Thomas Eisenhuth)
Ein E-Book-Reader liegt auf einem aufgeschlagenen Buch (picture alliance / dpa / Thomas Eisenhuth)

Das Bundeskabinett schreibt die Preisbindung auch für E-Books gesetzlich fest. Innovativ ist das überhaupt nicht, meint Kolja Mensing. Die Preisbindung schaffe nur einen sehr engen Rahmen für ein Produkt, das ohne Rahmen besser dran wäre.

Die Branche freut's natürlich: Der Börsenverein wiederholt seit Jahren gebetsmühlenhaft, dass feste Ladenpreise der Garant für eine intakte Buchhandelslandschaft sind und das "Kulturgut Buch" schützen.

"Kulturgut Buch": Hinter dieser Formulierung verbirgt sich eine fein abgestimmte Doppelargumentation aus ökonomischem Kalkül und kulturellem Pathos. Die Buchpreisbindung sorgt dafür, dass Verlage und Buchhändler mit Bestsellern tatsächlich richtig viel Geld verdienen und so – so wird es auf jeden Fall immer behauptet – ihre vielen schönen, kleinen und irgendwie kulturell superwertvollen Bücher quer subventionieren.

Nur: Passt dieses System auch zum E-Book-Markt? Oder – wenn man schon kulturell argumentieren will – passt es eigentlich zur E-Book-Kultur?

Das E-Book ist ein Medium, das in Bewegung ist. Es reicht eine halbe Stunde Fahrt im öffentlichen Nahverkehr zur Stoßzeit, um das verstehen: Die Reader – Kindle, Tolino, etc. – die uns mit ihren Lederimitathüllen jahrelang als Simulation des gedruckten Buches verkauft wurden, sind im Rückgang begriffen.

Das Smartphone übernimmt

Statt dessen übernehmen die Smartphones. Hier wird geklickt, gescrollt und test-gelesen, und es spricht wenig dafür, dass es das gute, alte E-Book, so wie wir es ja auch erst seit einigen Jahren kennen, in dieser Form in fünf oder zehn Jahren noch geben wird.

Wer Bücher mag, die gut in der Hand liegen und das Auge erfreuen, der wird vermutlich in der Gutenberg-Galaxis bleiben und weiter gedruckt lesen. Wer Krimis, Science-Fiction oder Romance stapelweise verschlingt, wird dagegen vermutlich auf digitale Flatrates umsteigen – definitiv kein Fall für die Preisbindung. Kochbücher und Reiseführer werden nach und nach durch Portale ersetzt, die möglichweise Geld kosten werden, aber sicher ohne gesetzlich geregelten Festpreis.

Und vielleicht passieren sogar noch ein paar richtig aufregende Dinge, die mit Elektrizität und Büchern zu tun haben. Das fällt dann unter das auch unter Politikern beliebte Stichwort "Innovation".

Nur: genau das – innovativ – ist die gesetzliche Festschreibung der Buchpreisbindung für E-Books eben nicht. Sie schafft einfach einen sehr engen Rahmen für ein Produkt, das ohne Rahmen besser dran wäre.

Mehr zum Thema:

Preisbindung könnte fallen - Freihandelsabkommen bedroht Buchhandlungen
(Deutschlandradio Kultur, Fazit, 9.5.2014)

E-Books - "Verflachung der Literatur"
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 5.8.2014)

Buchpreisbindung für "Qualität und Vielfalt"
(Deutschlandradio Kultur, Fazit, 9.7.2013)

Kommentar

Konflikt in SyrienEine Allianz gegen Assad
Mitglieder der deutsch-syrischen Solidaritätsorganisation "Adopt a Revolution"und andere Demonstranten protestieren am 05.04.2017 vor der russischen Botschaft in Berlin gegen den Einsatz von Chemiewaffen in Syrien. Der Protest richtet sich auch gegen die Unterstützung der Assad-Regierung durch Russland. Foto: Maurizio Gambarini/dpa | Verwendung weltweit (dpa)

Assads Krieg destabilisiert auch Europa. Nach dem Giftgasangriff in Khan Sheikun wird er auch für Putin zur Belastung. Trumps außenpolitische Kehrtwende war somit richtig, jetzt muss sie strategisch vertieft werden, sagt unser Kommentator. Doch ohne Russland geht das nicht.Mehr

US-Luftschlag gegen SyrienEtwas Richtiges im Falschen
Die Satellitenaufnahme vom 07.10.2016 zeigt das al-Shayrat Flugfeld in Syrien. Die USA haben den Flughafen der syrischen Armee angegriffen. Mehrere Dutzend Raketen des Typs Tomahawk sind abgeschossen worden. (DigitalGlobe via Department of Defense/AP)

Nach elf Chaoswochen hat die Trump-Regierung ihre Chance ergriffen und wegen des Giftgasangriffs in Syrien außenpolitisch Stärke bewiesen: Die Bombardierung des syrischen Flughafens war richtig, meint unser Korrespondent Marcus Pindur. Mehr

weitere Beiträge

Politisches Feuilleton

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur