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Buchkritik

ErziehungRegeln, Hilfen und Ermunterungen
Gewalt bei Jugendlichen - die Suche nach der Ursache für Aggressivität ist meist schwierig

Ein Jugendpsychiater und ein Psychotherapeut geben Eltern und Erziehern Tipps, wie man mit gewaltbereiten Kindern umgeht. Das Buch "Faszination Gewalt - Was Kinder zu Schlägern macht" ist akribisch recherchiert und liefert konkrete Hilfen.Mehr

RomanAtmosphäre aus Angst und Argwohn
Ein Justizbeamter öffnet in Frankfurt am Main eine Einzelhaftzelle der neuen Justizvollzugsanstalt.

Der kurze Roman "Ein Freund des Hauses" von Yves Ravey handelt von der Eigendynamik des Vorurteils und der Ohnmacht des besseren Wissens. Alles beginnt damit, dass Freddy aus dem Gefängnis entlassen wird.Mehr

SachbuchMit voller Wucht
Ein Demonstrant der Gruppe Anonymous steht vor dem Brandenburger Tor bei Nacht und hält ein Plakat mit einem Foto von Edward Snowden in die Höhe.

Schon als oberster Datenschützer des Landes war Peter Schaar sehr kritisch, doch sein aktuelles Buch ist noch deutlicher: Er kritisiert massiv die Bundesregierung. Aber sein Buch ist mehr als eine Abrechnung mit der Regierung. Mehr

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Literatur

LyriksommerDas Lied der Globalisierung
Der amerikanische Dichter Ezra Pound ("Pisan Cantos") am 18. April 1958 in Washington D.C.

Die Dichtung durchpflügt Kulturkreise und Historie, in der Monarchien vergingen, Diktatoren siegten und scheiterten, sie feiert Homer, Dante und die altchinesische Philosophie.Mehr

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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 18.03.2005

Uwe Tellkamp: Der Eisvogel

Roman. Verlag Rowohlt Berlin

Rezensiert von Helmut Böttiger

Uwe Tellkamp: Der Eisvogel (Coverausschnitt)
Uwe Tellkamp: Der Eisvogel (Coverausschnitt) (Verlag Rowohlt Berlin)

Uwe Tellkamp, 1962 in Dresden geboren, hat letztes Jahr beim Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt einen einzigartigen Durchbruch erlebt: Sein Text erhielt bereits in der ersten Abstimmungsrunde die absolute Mehrheit. Alles wartete nun mit Spannung auf den Roman, und der Verlag versäumte auch nicht, seine Marketing-Maßnahmen intensiv darauf aufzubauen. Auf den ersten Blick muss jeder glauben, der jetzt aktuell erschienene Roman "Der Eisvogel" sei das Buch, aus dem der gefeierte Klagenfurt-Text stammte. Das ist jedoch keineswegs der Fall.

"Der Eisvogel" ist vermutlich um einiges früher geschrieben als der Bachmann-Text. Das zeigt sich an den plakativen Dialogen, am plakativen Plot, an der plakativen Figurenzeichnung. Die Hauptfigur Wiggo Ritter, aus reichem Hause, ist ein gescheiterter Philosoph, sein größtes Feindbild der schäbige 68er-Professor, der ihm seine Unikarriere vermasselte.

Mitten in Wiggos perspektivloses Dasein fällt seine Begegnung mit dem charismatischen Mauritz Kaltmeister. Dieser leitet einen geheimnisvollen Zirkel, der sich "Wiedergeburt" nennt, vor allem aber auch einen terroristischen Ableger. Es geht hier um Elite, um eine Art Revolution von oben, um einen Terrorismus von rechts. Es geht darum, die öde Konsensdemokratie, das laue Mittelmaß, die Verkommenheit der Sitten hinwegzufegen und eine Art Kastengesellschaft von Geistesaristokraten zu errichten. Das liest sich zum Teil wie Kolportage und endet in einem grellen Showdown.

So grob die Inhalte sind, so raffiniert ist die Form. Die vielen Filme, die nebeneinander laufen und im Schriftbild durch Absätze voneinander getrennt werden, der ständige Wechsel der Erzählerfigur, die Perspektivwechsel manchmal mitten im Satz: das erinnert alles an Reinhard Jirgl oder Wolfgang Hilbig, die großen zeitgenössischen "Unmoralischen" aus dem Osten.

Tellkamp kann suggestiv schreiben. Auch bei ihm gibt es keine Ironie, sondern vor allem Pathos, und es lodert etwas auf, was man nach der Postmoderne nicht mehr erwartet hätte. Ein Leitmotiv ist das, was 1989 geschah: "Die Dämonen kehrten zurück".

Der hochfahrenden Sprache, dem Visionären der Sätze steht auf merkwürdige Weise das Triviale der Handlung gegenüber. Wiggo erlebt eine Liebesgeschichte mit der Schwester von Mauritz, sie heißt Manuela: ein reiches Mädel, eine rechte Pubertätsphantasie. Tellkamps Überkonstruktion ist nicht nur hier allzu deutlich: alles ist zu gewollt, zu durchschaubar. Der Verein "Wiedergeburt" muss natürlich scheitern. Aber Tellkamp setzt untergründig sehr auf die Verführung durch das Elitäre, gegen die Laschheit, gegen die öde Diktatur des Mittelmaßes.

"Der Eisvogel" ist eine Mixtur aus Politik-Wut und Melodram. Tellkamp wittert etwas, was in der Luft liegt. Aber der Roman wirkt mit seinen Kolportagemomenten allzu überzogen.