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Aktuell / Archiv | Beitrag vom 26.12.2016

Utopien in Politik, Gesellschaft und KunstWelche anderen Welten sind möglich?

Von Robert Brammer

Ausschnitt aus "Paradies", dem Mittelportal des Triptychons "Der Garten der Lüste" von Hieronymus Bosch (um 1450−1516) (Bild: Imago)
Ausschnitt aus "Paradies", dem Mittelportal des Triptychons "Der Garten der Lüste" von Hieronymus Bosch (um 1450−1516) (Bild: Imago)

1516 entwarf Thomas Morus in dem Buch "Utopia" das Bild einer idealen Gesellschaft. Wir fragen 500 Jahre später: Was ist aus der Vision des englischen Humanisten geworden? Antworten gibt unser Themenschwerpunkt "Zukunft denken".

"Die Natur hat uns alle aus demselben Holz geschnitzt, damit einer in dem anderen ein Ebenbild, besser: seinen Bruder erkennen kann."

Im Jahr 1516 entwarf ein englischer Kanzler das Bild einer idealen Gesellschaft. Erschienen unter dem Titel "Utopia. Von der besten Verfassung des Staates" schildert Thomas Morus in Form eines Reiseberichts Umrisse eines gerechten Gemeinwesens. Später wird er deshalb als "Vater des utopischen Sozialismus" tituliert werden. Ob man dabei im Blick hatte, dass auf dem Inselstaat, wie ihn das Buch entwirft, auch Arbeitszwang herrscht, der das Gemeinwohl garantieren sollte; Sklaverei und Tugendwächter, die den Müßiggang unterbinden sollten?

Dennoch hat Thomas Morus, im Hauptberuf Diplomat, Ideen entwickelt, die für seine Zeit revolutionär waren: die Abschaffung des Privateigentums, religiöse Toleranz, allgemeine Krankenversicherung, Wohlstand für alle, leichte Arbeit, ein Liebesleben ohne Konflikte, Kultur von Kindesbeinen an, eine Gesellschaft ohne Korruption …

Thomas Morus' fiktiver Entwurf einer idealen Gesellschaft auf der friedlichen Insel Utopia ist erstaunlich aktuell – zum Beispiel seine Kritik der Ökonomie, der Todesstrafe, des Krieges oder seine Einlassungen zur Religion und zur Sterbehilfe.

Humanist Thomas Morus (picture alliance / dpa / Foto: Bifab)Zeitgenössisches Porträt des englischen Humanisten Thomas Morus (1477-1535). (picture alliance / dpa / Foto: Bifab)

500 Jahre nach dem Erscheinen von "Utopia" stellt Deutschlandradio Kultur daher die Frage: Was ist aus der Vision des englischen Humanisten geworden? In einem Programmschwerpunkt vom 18. bis 27. Dezember denken wir über Utopien und Dystopien nach, diskutieren über Zerrbilder der Zukunft und stellen die Frage, ob mit der Zäsur von 1989 auch ein Ende utopischen Denkens begonnen hat. Nur selten wird heute noch darüber diskutiert, wie das, was jetzt ist, anders sein könnte – vielleicht auch weil Utopien bisweilen als totalitär diskreditiert waren.

Heute, ein halbes Jahrtausend nach Thomas Morus, kreist der Zukunftsdiskurs vor allem um technologische Projekte, um künstliche Intelligenz oder um synthetische Biologie. Der Code des Lebens soll sich einmal redigieren lassen, als wäre er ein Word-Dokument. Soziale Fantasien dagegen werden in den Laboren von Silicon Valley zu einem Randphänomen. Das führt zu der Frage: Können technologische Durchbrüche und technische Utopien die Welt verbessern? Und werden diese technischen Utopien am Ende auch jahrhundertealte soziale Utopien ersetzen?

Alle Bereiche des Programms greifen die Debatte auf und fragen: Wie wollen wir leben? Welche anderen Welten sind möglich? Taugen politische Utopien für ein besseres Leben? Welchen Ruf haben Utopien in unseren modernen Gesellschaften? Haben sie sich nach dem Zusammenbruch der sozialistischen Staaten womöglich erschöpft? Ist Zukunft heute noch ein utopischer Ort oder nur noch eine Hochrechnung der Gegenwart? Oder stimmt, was der Soziologe Wolf Lepenies kürzlich anmerkte: Dass nämlich die Klimakonvention von Paris alle Zeichen einer neuen zivilisatorischen Utopie in sich trage?

Esel auf dem Dorfweg in Matavenero (Foto: Catalina Schröder)Esel auf dem Dorfweg in Matavenero (Foto: Catalina Schröder)

Sonntag, 18.12.2016

12.30 Uhr – Die Reportage
Abseits der Welt
Das Aussteigerdorf Matavenero in Spanien
Von Catalina Schröder

13.10 Uhr – Sein und Streit
Erwartung ohne Erwartung
Jacques Derrida und das messianische Denken
Von Arno Orzessek

13.30 Uhr – Sein und Streit
Ist die liberale Demokratie die beste aller möglichen Welten?
Diskussion mit der Politologin Ulrike Ackermann und dem Politologen Bernd Ladwig

14.10 Uhr – Religionen
Das goldene Jerusalem
Utopie in der "Apokalypse"
Von Ralf Bei der Kellen

14.20 Uhr – Religionen
"Das verheißene Heil geht in Erfüllung"
Religion und Utopie
Interview mit dem Religionswissenschaftler Hans G. Kippenberg

14.30 Uhr – Religionen
Verbrecher? Gottesmänner? Scharlatane?
Die Endzeit-Diktatur der Wiedertäufer von Münster
Von Kirsten Serup-Bilfeldt

14.45 Uhr – Religionen
Das "himmlische Jerusalem" im märkischen Sand
Joseph Weißenberg und die Johannischen Christen
Von Stefanie Oswalt

22.00 Uhr – Musikfeuilleton
Der Traum vom Radio für alle
Edward Bellamys Utopie aus dem Jahre 1887
Von Carolin Naujocks

Simulation des Röhrentransportsystems Hyperloop, nach Plänen des amerikanischen Unternehmers Elon Musk (picture alliance/dpa/Foto: Elon Musk )Simulation des Röhrentransportsystems Hyperloop, nach Plänen des amerikanischen Unternehmers Elon Musk (picture alliance/dpa/Foto: Elon Musk )

Montag, 19.12.2016

7.40 Uhr – Studio 9
"Vorbild für eine ganz neue literarische Gattung"
Interview mit Otfried Höffe, Philosoph und Herausgeber einer neuen "Utopia"-Ausgabe im Olms Verlag

10.19 Uhr – Lesart
Geschichten als Möglichkeitsraum
Interview mit der Schriftstellerin Kathrin Röggla

10.30 Uhr – Lesart
Possenreißers Insel-Narretei
500 Jahre "Utopia" von Thomas Morus
Von Arno Orzessek

11.20 Uhr – Tonart
Utopisten, Visionäre, Weltverbesserer
Utopia in der Pop/Rockkultur
Von Laf Überland

12.40 Uhr – Studio 9
Auf dem Luftkissen durch die Röhre
Der Hyperloop: Eine Zukunftstechnologie aus dem Silicopn Valley
Von Wolfgang Stuflesser

14.07 Uhr – Kompressor
Ein Auwald im Ihme-Zentrum
Zukunftsvision für eine Architektur-Utopie der 60er in Hannover
Interview mit dem Architekten und Stadtplaner Felix Rebers

16.20 Uhr – Tonart
Die Tanzfläche als letzte Utopie
Utopien in der Popmusik
Gespräch mit dem Philosophen und Sozialwissenschaftler Roger Behrens

17.07 Uhr – Studio 9
Feminismus als letzte große Utopie?
Interview mit der Journalistin Elisabeth Raether

19.30 Uhr – Zeitfragen
Die Utopie einer Weltregierung (Teil 1)
Von Johannes Nichelmann

Bodenplatte mit dem Porträt von Ludwig van Beethoven (1770−1826) (dpa / picture alliance)Bodenplatte mit dem Porträt von Ludwig van Beethoven (1770−1826) (dpa / picture alliance)

Dienstag, 20.12.2016

7.40 Uhr – Studio 9
Warum das Schlechte mehr fasziniert als das Gute
Über das Leben mit Utopien
Interview mit dem Philosophen Thomas Macho

11.40 Uhr – Tonart
Beethovens politisch-philosophischer Freiheitstraum
Gespräch mit dem Dramaturgen Steffen Georgi (Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin)

12.40 Uhr – Studio 9
"Wir leben in Deutschland die Erfüllung sämtlicher Utopien"
Utopien und Dystopien in der Literatur
Interview mit dem Schriftsteller Thomas von Steinaecker

17.40 Uhr – Studio 9
"Durch Nacht zum Licht"
Utopien in der Musik
Von Carolin Naujocks

19.30 Uhr – Zeitfragen
Die Utopie einer Weltregierung (Teil 2)
Von Johannes Nichelmann

Lenindenkmal von Nikolai W. Tomski in Berlin (picture alliance / dpa / ZB / Hubert Link)Lenindenkmal von Nikolai W. Tomski in Berlin (picture alliance / dpa / ZB / Hubert Link)

Mittwoch, 21.12.2016

7.20 Uhr – Politisches Feuilleton
Die erste Öko-Utopie
Campanellas Sonnenstadt
Von Matthias Greffrath

7.40 Uhr – Studio 9
Erschöpfte Utopien nach dem Ende des Staatssozialismus 
Interview mit dem Historiker Martin Sabrow

17.40 Uhr – Studio 9
Vom Paradies bis zum Albtraum
Literarische Utopien
Von Marten Hahn

15.40 Uhr – Tonart
Der weibliche Futurismus
Interview mit Melissa Logan und Alex Murray-Leslie von der Band Chicks on Speed

12.40 Uhr – Studio 9
Die westdeutsche Gegenkultur 1969–1977
Von Laf Überland

19.07 Uhr – Zeitfragen
Kirchtürme, Bankentürme und die Faszination der Größe
Towers of Power: Himmlische und weltliche Hochhinausbauten
Von Ulrich Land

"Access Peace" (Zugang zum Frieden) war 2002 das Motto der weltgrößen Techno-Party, der Love Parade in Berlin. (dpa / picture alliance / Thomas Frey)"Access Peace" (Zugang zum Frieden) war 2002 das Motto der weltgrößen Techno-Party, der Love Parade in Berlin. (dpa / picture alliance / Thomas Frey)

Donnerstag, 22.12.2016

7.20 Uhr – Politisches Feuilleton
Der Weg nach Utopia führt ins Nichts − Auf nach Pragmatien!
Von Ulrike Ackermann

7.40 Uhr – Studio 9
Silicon Valley − Große Ideen im Rekordtempo
Interview mit Claus Kleber, Moderator des "Heute-Journals" im ZDF

11.20 Uhr – Tonart
Den großen Wandel herbeitanzen
Utopia aus den Boxen: Die Love Parade
Von Martin Risel

12.40 Uhr – Studio 9
"Als Medienmarken müssen wir uns neu erfinden"
Interview mit Kai Diekmann, Herausgeber der "Bild"-Gruppe

14.07 Uhr – Kompressor
Akzelerationismus − Ist Hyperbeschleunigung die Lösung?
Interview mit der Philosophin Svenja Flaßpöhler

15.40 Uhr – Tonart
Galante Inder, Indianer und dazu noch Ballett
Barock-Oper und utopische Ansätze
Von Michael Maul

23.34 Uhr – Fazit
Utopien in der Architektur
Von Marietta Schwarz

Laborleiter Philippe Cledon sitzt im Eizelllabor im Universitätsklinikum in Tübingen bei der Eizellensuche an einem Mikroskop. (dpa/Sebastian Kahnert)Die Vertagung des Kinderwunsches per Eizell-Konservierung, auch Social Freezing genannt (dpa/Sebastian Kahnert)

Freitag, 23.12.2016

7.50 Uhr – Studio 9
Warten auf die große Politik
Interview mit dem Soziologen Wolf Lepenies

11.40 Uhr – Tonart
Das utopische Potenzial von Bloch bis morgen
Interview mit dem Musikwissenschaftler Jürg Stenzl

12.40 Uhr – Studio 9
Theater braucht Entschleunigung statt Events
Von Tobi Müller

16.20 Uhr – Tonart
"Wir leben alle auf dem gleichen Planeten"
Gesellschaftsutopien der kanadischen Artpop-Band Austra
Gespräch mit Mathias Mauersberger

19.30 Uhr – Zeitfragen Literatur
Altern 2.0
Von der schönen neuen Genwelt. Ein utopisches Hörstück
Von Ulrich Woelk

Innenansicht der Kuppel des Reichstagsgebäudes in Berlin (picture alliance / dpa / Daniel Kalker)Innenansicht der Kuppel des Reichstagsgebäudes in Berlin (picture alliance / dpa / Daniel Kalker)

Samstag, 24.12.2016

7.40 Uhr – Studio 9
Braucht die Politik Utopien?
Interview mit Heiner Geißler (CDU)

11.05 Uhr – Lesart
 Von der Utopie zur Dystopie. Was können wir uns wünschen?
Interview mit der Philosophin Ágnes Heller
Von Johannes Nichelmann

11.20 Uhr – Lesart
Walden oder wie man ein Buch über Generationen hinweg variiert
Wiedergelesen: "Walden I bis III" von Henry David Thoreau
Von Florian Felix Weyh

11.40 Uhr – Lesart
"Je schlimmer die Realität, desto dringender brauchen wir Utopien"
Die Utopia-Reihe des Berliner Verlags Edition Nautilus
Interview mit Katharina Picandet, Lektorin der Edition Nautilus

Montag, 26.12.2016

12.15 Uhr – Studio 9
Großes denken und im Kleinen ausprobieren
Das Buch "Völlig utopisch. 17 Beispiele einer besseren Welt"
Interview mit dem Herausgeber Marc Engelhardt

Dienstag, 27.12.2016

00.05 Uhr – Neue Musik
Sehnsucht nach vorn
Vom utopischen Moment der Avantgarde
Von Michael Rebhahn

Studio 9

Verein "Gefangene helfen Jugendlichen"So geht Knast!
Ein Mann schaut aus einer Zelle der Strafanstalt Hamburg-Fuhlsbüttel.  (picture alliance / dpa / Maurizio Gambarini)

Knapp 65.000 Menschen sitzen in Deutschland im Gefängnis, viele von ihnen sind schon als Jugendliche kriminell geworden - so wie Volkert Ruhe. Heute nimmt er junge Menschen für einen Tag mit in den Knast. Jugendliche sollen so davor abgeschreckt werden, auf die schiefe Bahn zu geraten.Mehr

Saarland-WahlKramp-Karrenbauer schlägt Schulz
Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) jubelt auf der CDU-Wahlparty in Saarbrücken. (picture alliance / dpa / Oliver Dietze)

Die CDU hat im Saarland vor allem deshalb gewonnen, weil sie die meisten Nichtwähler mobilisieren konnte. Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer sagte, sie habe bewiesen, dass die SPD auch mit Martin Schulz an der Spitze zu schlagen sei. Schulz zeigte sich enttäuscht.Mehr

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