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Lesart / Archiv | Beitrag vom 02.09.2015

Unsere Rubrik "... liest ein Bild"Der ungarische Grenzzaun zur Abschottung gegen Flüchtlinge

Claus Leggewie im Gespräch mit Barbara Wahlster

Flüchtlinge am provisorischen Grenzzaun zwischen Ungarn und Serbien (dpa / picture alliance / Gregor Mayer)
Flüchtlinge am provisorischen Grenzzaun zwischen Ungarn und Serbien (dpa / picture alliance / Gregor Mayer)

Überall in der Welt entstehen Zäune, Grenzen und Mauern zur Abschottung und Ausgrenzung von Flüchtlingen – heute lesen wir mit dem Kulturwissenschaftler Claus Leggewie ein viel publiziertes DPA-Foto von Gregor Mayer von syrischen Flüchtlingen.

"...liest ein Bild": In dieser Rubrik in der Lesart wollen wir Bilder lesen und interpretieren. Fotografien haben die Kraft, zu Ikonen unserer Zeit zu werden, sie rufen Erinnerungen aus unserem Bildgedächtnis ab und prägen unsere Wahrnehmung der Gegenwart. Mit dem Kulturwissenschaftler Claus Leggewie haben wir über ein publiziertes DPA-Foto von Gregor Mayer gesprochen - es zeigt, wie syrische Flüchtlinge versuchen, von der serbischen Seite aus den Grenzzaun an der ungarisch-serbischen Grenze bei Röszke zu überwinden.

Auf dem Bild sehe man sehr dramatisch dokumentiert, was im Moment passiere, sagte Leggewie. "Was das symbolisiert ist, dass man sich eben entschlossen hat, Flüchtlinge abzuwehren - und Ungarn ist da ein besonders drastisches Beispiel." Gleichzeitig erkenne man hier jedoch auch, "dass es Flüchtlinge gibt, die wild entschlossen sind, nach drüben zu kommen."

Die Fotografie knüpft laut Leggewie an bekannte historische Punkte an. Einerseits rufe es beim Betrachter Erinnerungen wach an die Stacheldraht-Rollen, die am 13. August 1961 vor dem Bau der Berliner Mauer ausgerollt wurden, sagte Leggewie. Gleichzeitig denke man aber auch an 1989, als der Stacheldraht in Ungarn durchtrennt wurde, um den Eisernen Vorhang einzureißen.

Bilder wie diese werden uns abhärten, glaubt der Kulturwissenschaftler.

"Wir gewöhnen uns daran, es ist sozusagen ein gewisses Element von Normalität, man stumpft auch ab."

Andererseits bewegten solche Fotografien die Menschen aber auch emotional.

"Sie verpflichten uns, solidarisch zu sein, zu helfen - eben uns nicht abzuwenden von dem, was da dokumentiert wird."

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