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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 18.05.2013

Unsere Kleidung: Billig produziert, aber zu welchem Preis?

Textilindustrie in der Kritik

Zu Gast: Dr. Gisela Burckhardt und Uwe Kekeritz

Auch teure Textilien sind kein Garant für faire Herstellung.  (AP)
Auch teure Textilien sind kein Garant für faire Herstellung. (AP)

Der Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch mit über 1000 Toten hat die katastrophalen Arbeitsbedingungen der Näherinnen einmal mehr ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Wie nach früheren Unglücken wird die Frage nach den Verantwortlichen gestellt.

Sind es die Kunden, die T-Shirts für 2,99 Euro kaufen? Sind es die weltweit operierenden Unternehmen, die die Dumpinglöhne in Südostasien gnadenlos ausnutzen? Oder sind es Regierungen wie die in Bangladesch, die Gesetzesverstöße nur unzureichend oder gar nicht ahnden, weil sie an den Billig-Exporten mitverdienen?

Was können Verbraucher, Hersteller und Politiker tun, um die Zustände zu verbessern?

"Es ist die moderne Form der Sklaverei", sagt Gisela Burckhardt. Die Vorstandsvorsitzende der Frauenrechtsvereinigung "FEMNET e.V" engagiert sich ehrenamtlich in der "Kampagne für Saubere Kleidung" (CCC), einem Netzwerk von über 300 Gewerkschaften, NGOs, Verbraucherorganisationen, kirchlichen und anderen Gruppen.

Das Ziel der CCC ist eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der weltweiten Bekleidungs- und Sportartikelindustrie. Jeder, der ein T-Shirt für 2,99 Euro oder eine Jeans für 15 Euro kaufen, müsse wissen: "Ich kaufe Blut an den Händen. Das kann nicht unter sozial verträglichen Umständen hergestellt sein, das ist keine Biobaumwolle, das ist Ramsch."

Leider könne sich ein Kunde aber nicht in Sicherheit wiegen, wenn er mehr Geld bezahle. "Auch ein teures Produkt gibt keine Auskunft über die Hintergründe von Qualität, über die Lohnstruktur und die Arbeitsbedingungen vor Ort. Das viele Geld geht in die Markenwerbung und die Ladenausstattung, die Näherinnen haben davon nichts." Der Anteil der Lohnkosten am Verkaufspreis betrüge nur ein bis drei Prozent. Dies sei ein Skandal.

Orientieren könnten sich Verbraucher an den verschiedenen Siegeln für fair produzierte Kleidung, wie dem "Fairtrade-Siegel".

"Wir brauchen dringend Offenlegungspflichten für die Textilbranche, um Klarheit in den Markt zu bringen", fordert der Grünen-Politiker Uwe Kekeritz. In dieser Woche hat Kekeritz eine Beschwerde bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gegen drei Bekleidungsfirmen eingelegt. "Es geht um eine moralisch-ethische Frage. Die drei Firmen beziehen Kleidung, Stoffe aus Bangladesch, und es ist bekannt, unter welchen Bedingungen dort produziert wird. Es geht um Sicherheitsstandards, um miserable Löhne und um Menschenrechte."

Kekeritz kennt die Produktionsbedingungen in Kambodscha und El Salvador, bei Treffen mit lokalen Politikern erntet er Erstaunen, wenn er nach den Lohnbedingungen der Näherinnen fragt. Korruption – so seine Erfahrung – sei an der Tagesordnung.

"Mein Lösungsansatz ist der, dass wir hier die Verhältnisse ändern müssen, damit wir sie vor Ort ändern können." Wenn die Firmen ihre Finanzströme offenlegen müssten, könnten sich die Fabrikbesitzer in Asien, die oft auch noch in der Regierung säßen, nicht so viel in die eigenen Taschen stecken.

"Unsere Kleidung: Billig produziert, aber zu welchem Preis?"

Darüber diskutiert Susanne Führer heute von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr mit Gisela Burckhardt und Uwe Kekeritz. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 00800 2254 2254 oder per E-Mail unter gespraech@dradio.de.

Informationen im Internet
"FEMNET" und die "Kampagne für Saubere Kleidung"

Uwe Kekeritz

Im Gespräch

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