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Fazit / Archiv | Beitrag vom 05.11.2012

Unsere Gesellschaft hat noch "Rassistisches an sich"

Der Journalist Sullivan über die geistige Verfassung Amerikas und die US-Präsidenschaftswahl

Moderation: Eckhard Roelcke

US-Präsident Barack Obama bei einer Wahlkampfveranstaltung in Colorado (picture alliance / dpa / EFE / German Gonzalez)
US-Präsident Barack Obama bei einer Wahlkampfveranstaltung in Colorado (picture alliance / dpa / EFE / German Gonzalez)

Der amerikanische Journalist John Jeremiah Sullivan hat in seinem jüngsten Buch "Pulphead" Reportagen aus dem Innenleben der USA veröffentlicht. Diese Essays sind jetzt auch auf Deutsch erschienen. Die politische Rechte sei tief verunsichert, da ihr die alte Ordnung entgleite, erklärt Sullivan.

Eckhard Roelcke: Wie gespannt sind Sie am Vorabend der Präsidentschaftswahlen auf den Ausgang?

John Jeremiah Sullivan: Also, ich bin jetzt gar nicht mehr so aufgeregt. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass sich bei mir mittlerweile eine große Zuversicht eingestellt hat, dass Obama diese Wahlen gewinnen wird.

Und das sage ich natürlich vor dem Hintergrund, dass das Gegenteil eine absolute Horrorvorstellung verursacht und ich stelle mir da schon eher die Frage, was könnte eine zweite Amtszeit Obamas bewirken? Und an den Horror mag ich lieber nicht denken.

Roelcke: Die USA machen seit dem Amtsantritt von Barack Obama den Eindruck eines tief gespaltenen Landes - selten schien der Graben zwischen Konservativen und Liberalen so tief, kaum je war soviel Wut auf Seiten auch der Konservativen. Ist es, Mr. Sullivan, wirklich der Präsident und seine politischen Absichten, die dafür verantwortlich sind, oder ist er nur der Blitzableiter von Kräften, ja, die schon lange da sind und nur geschlummert haben?

Sullivan: Also, ich würde jetzt nicht sagen, dass Obama diese Polarisation, diese tiefe Zerstrittenheit ausgelöst hat, wir hatten das auch schon bei George W. Bush. Es ist einfach nur so, dass das Pendel jetzt vielleicht in die andere Richtung zurückgeschlagen ist und Obamas Wahl hat einfach nun gewissen Kräften eine neue Gelegenheit gegeben, ihre Wut zu artikulieren. Und ich glaube Obama verstört die Rechten, die politische Rechte, aber ganz besonders und meiner Meinung nach hat das immer noch mit einem tiefen Rassismus zu tun; unsere Gesellschaft hat schon auch noch etwas sehr Rassistisches an sich.

Wenn man jetzt zum Beispiel behauptet Obama sei ein Sozialist oder ein Kommunist, dann hat das gar nichts mit seiner wirklichen Politik zu tun, die er macht, aber das sind Codewörter um den Rassismus zu verschleiern. Das zeigt aber auch eine tiefe Unsicherheit bei der politischen Rechten, die merkt, dass ihr die alte Ordnung etwas entgleitet.

(...)

Das vollständige Gespräch mit John Jeremiah Sullivan können Sie mindestens bis zum 05.05.2013 als MP3-Audio in unserem Audio-on-Demand-Player nachhören.

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