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Konzert / Archiv | Beitrag vom 19.04.2013

Universalist zwischen allen Stühlen

Hans Jürgen von der Wense im Porträt

Steffen Schleiermacher spielt Wense (Xavier Miró)
Steffen Schleiermacher spielt Wense (Xavier Miró)

Hans Jürgen von der Wense (1894-1966) war Dichter, Denker, Übersetzer, Wanderer und Sammler. Und er war Komponist. Was er tat, tat er mit übergroßem Anspruch, Scheitern inbegriffen. Ein musikalisch-literarischer Abend erinnert an eine Persönlichkeit, die durch alle Raster des Kulturlebens gefallen ist.

Von Aas bis Zylinder: Hans Jügen von der Wense sammelte, was er finden konnte. Er beherrschte Sprachen, von denen die meisten Menschen nicht einmal wissen, dass es sie gibt. Er wollte eine "Geschichte des Wetters" schreiben – ein Projekt, das wie fast alles, was Wense anging, zum Scheitern verurteilt war. Er konnte alles, aber ihm gelang nichts – "gelingen" im bürgerlichen Sinne eines "vollendeten" (Kunst-) Werkes. Was von ihm überliefert ist, blieb Fragment, Splitter: Gigantische Materialsammlungen (durchaus vergleichbar mit den Zettelkästen des geistes- und ortsverwandten Arno Schmidt) finden sich in seinem Nachlass ebenso wie außerordentlich pointiert formulierte Aphorismen und Briefe, die Wense als einen großen Stilisten des 20. Jahrhunderts ausweisen.

Während die literarische Entdeckung Wenses seit einigen Jahren in Gang kommt, bleibt Wenses Musik ein weißer Fleck auf der Landkarte. Ein paar Werke für Klavier, ein paar Lieder sind überliefert – expressionistische Musik zwischen Tonalität und Atonalität, die sich vor den Werken der bekannten Zeitgenossen Wenses nicht zu verstecken braucht.

Zu den nicht vielen Menschen, die sich mit dem Werk dieses originellen Querkopfes beschäftigen, gehören der Theaterwissenschaftler Jens Malte Fischer und der Pianist und Komponist Steffen Schleiermacher – beide sind Hörern von Deutschlandradio Kultur unter anderem als Gesprächspartner der Reihe "Interpretationen" vertraut. Im Stuttgarter Literaturhaus treten sie gemeinsam mit dem Bariton Holger Falk auf und bieten die sehr seltene Gelegenheit, Musik und Texte Wenses auf dem Podium zu erleben. Das Konzert begleitet eine Studioproduktion von Deutschlandradio Kultur – die Entdeckung des Hans Jürgen von der Wense ist überfällig.


Literaturhaus Stuttgart
Aufzeichnung vom 17.04.2013


Schriftsteller, Komponist, Universalgelehrter
Ein musikalisch-literarischer Abend über Hans Jürgen von der Wense

Hans Jürgen von der Wense
Musik für Klavier I-V

Musik für Klavier 13

Groteske über "Ich hatt‘ einen Kameraden" für Klavier

Musik für Gesang I-III

Zwei Klavierstücke nach Texten von Wilhelm Klemm

Drei Lieder nach Texten von William Butler Yeats


Holger Falk, Bariton
Steffen Schleiermacher, Klavier
Jens Malte Fischer, Lesung


nach Konzertende ca. 21:57 Uhr Nachrichten

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