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Interview / Archiv | Beitrag vom 04.09.2014

Unicef-StudieGewalt gegen Kinder kommt in allen Schichten vor

Unicef-Sprecher Rudi Tarneden zieht Lehren aus neuer Untersuchung

Moderation: Vladimir Balzer und Axel Rahmlow

Ein junges Mädchen schaut am 24.01.2014 in Berlin durch einen Türschlitz. (dpa / Ole Spata)
Die meisten Fälle der Gewalt gegen Kinder finden im privaten Bereich statt. (dpa / Ole Spata)

Überall und in jeder Form werden weltweit Kinder zum Opfer von Gewalt. Das ist das Ergebnis einer neuen Unicef-Studie. In welchen Ländern es besonders schlimm ist und wie sich die Gewalt eindämmen lässt, erklärt Unicef-Sprecher Rudi Tameden.

Die Unicef-Studie bietet Ergebnisse aus 190 Ländern. Besonders schockierend sind etwa die statistischen Angaben aus Brasilien. In der Liste der Länder, in denen es die meisten tödlichen Übergriffe auf Kinder gab, liegt das Gastgeberland der vergangenen Fußball-Weltmeisterschaft auf dem zweiten Rang hinter Nigeria. Etwa 11.000 Kinder wurden dort im Jahr 2012 getötet. In Brasilien herrsche eine Kultur der Gewalt, sagt Unicef-Sprecher Rudi Tarneden. 

Alltägliche Gewalt im Mittelpunkt

Die Untersuchung drehe sich vor allem um alltägliche Gewalt. Ein großer Teil der minderjährigen Weltbevölkerung werde ständig mit Gewalt konfrontiert. Erschreckende Zahlen melden nicht nur die armen und von Kriegen erschütterten Staaten. In Deutschland verlieren nach Angaben von Tarneden wöchentlich drei Kinder gewaltsam ihr Leben. "Gewalt kommt in allen gesellschaftlichen Gruppen vor", sagt er. Die größte Gefahr gehe in vielen Fällen von den Angehörigen aus, die den Opfern besonders nah sind und ihnen eigentlich Stabilität und Sicherheit geben sollten. Es sei eine gesellschaftliche Aufgabe, den Druck der auf vielen Familien lastet, zu mindern.

Systematisches Monitoring fehlt in Deutschland

Kinderschutz als globale Aufgabe sei noch immer nicht in die Tat umgesetzt worden. In Deutschland fehle ein systematisches Monitoring, um sichtbar zu machen, welche Gruppen besonders bedroht seien. "Durch gesetzliche Regelungen alleine wird kein Kind vor den Schlägen anderer bewahrt", sagt Tarneden. Wichtig sei es, durch die eigene Erziehung gesellschaftliche Signale zu setzen. Frei nach dem Zitat der Kinderbuchautorin Astrid Lindgren: "In Kinder kann man nichts hineinprügeln, aber vieles hineinstreicheln."

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