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Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsÜber das Verschwinden
Ein Helikopter landet auf dem Deck eines chinesischen Marineschiffes, das mit der Suche nach der verschollenen Boeing 777-200 im südchinesischen Meer beauftragt ist.

Die "Neue Zürcher Zeitung" und die "FAZ" widmen sich der US-amerikanischen Serie "The Leftovers", die vom Umgang mit dem Unerklärlichen handelt, etwa wenn Menschen einfach so verschwinden. In Wien verschwindet laut "NZZ" der Dialekt.Mehr

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Fazit

AusstellungEin Minimalist schaut auf sich selbst
Der Künstler Imi Knoebel 2014 vor seinen Werken "Aliaaa" (l, 2002) und "Ich Nicht X" (2006) in der Ausstellung "Imi Knoebel. Werke 1966-2014" im Kunstmuseum in Wolfsburg.

Der Beuys-Schüler Imi Knoebel gehört zu den wichtigsten Vertretern der Minimal Art in Deutschland. Zum 75. Geburtstag des Künstlers zeigt das Kunstmuseum Wolfsburg eine umfassende Werkschau, inszeniert von Imi Knoebel selbst. Mehr

TheaterDas ist der Mensch!
Die "Woyzeck"-Inszenierung am Münchner Volkstheater ist ein Wagnis.

Schon unzählige Male kam Büchners Woyzeck auf die Bühne. Am Münchner Volkstheater hat der Regisseur Abdullah Kenan Karaca den Stoff völlig neu zusammengesetzt. Die kühne Inszenierung folgt der Frage: Was ist der Mensch?Mehr

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Fazit / Archiv | Beitrag vom 22.07.2012

Ungewisse Zukunft für berühmte Filmateliers Cinecittà

Viel Unruhe um den Studiokomplex - umstrittene Pläne für künftige Nutzung

Von Thomas Migge

Kulissen der antiken Paläste und Foren stehen in der Filmstadt Cinecittà in Rom, Italien
Kulissen der antiken Paläste und Foren stehen in der Filmstadt Cinecittà in Rom, Italien (picture alliance / dpa / Monika Bormeth)

Der Studiokomplex Cinecittà ist ein Symbol der Kino-Nation Italien. Aber eben: fast nur noch Symbol. Nur wenige Fernsehproduktionen sind hier noch beherbergt. Nun gibt es heftige Diskussionen und Proteste um die Restrukturierungspläne. Und vor wenigen Tagen brannte es gar in einem der Studios.

Mit Pfeifen und Trommeln, mit Spruchbändern und einer Kanone, die künstlichen Schnee bis zu 15 Meter hoch versprüht, wurde direkt beim größten antiken Amphitheater demonstriert.

Das war vor wenigen Tagen, und nicht nur überraschte Romtouristen blieben stehen und erkundigten sich, was denn da los war, sondern auch Dutzende von Journalisten und zahllose Römer.

Und dann, am 19. Juli Flammen, ganz echte Flammen, im Studio Cinque, dem wohl berühmtesten Filmstudio Italiens, dort, wo Federico Fellini seine berühmtesten Filme drehte.

Auf dem Dach des Studios harrten seit wenigen Wochen Angestellte von Cinecitta aus. Mit der Dachbesetzung protestierten sie gegen das ihrer Meinung nach verwegene Projekt, das italienische Hollywood am Tiber zu verkaufen, um auf der zirka 40 Hektar großen Fläche ein Shopping-Center, Hotels, Parkhäuser und neue Wohngebäude zu errichten. Dazu Marco Santis, einer der Beschäftigten der Filmstadt, den die Flammen im Studio Cinque zum Verlassen des Daches gezwungen hatten. Jetzt den Protest aufzugeben, nein, daran denkt er gar nicht:

"Wir bleiben hier, als Zeichen unseres Protests gegen die Schließung Cinecittas. Wir bleiben hier, weil wir den Plan, alles zu zerstören, ungerecht finden. Deshalb werden wir so lange weiterprotestieren, bis die Verantwortlichen verstehen, dass dieser Ort für nichts anderes genutzt werden darf als für das Kino. Das müssen die Manager begreifen".

Ob das Feuer zufällig oder, wie die Protestierenden behaupten, von der Unternehmensleitung gelegt wurde, um Marco Santis und seine Kumpane auszuräuchern, ist unklar. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Klar ist aber, dass Cinecitta finanziell nicht mehr über die Runden kommt.

Dort wo 1963 Joseph Mankiewicz den Monumentalfilm "Cleopatra" drehte, mit Elizabeth Taylor und Richard Burton, wo Fellini einige Szenen seines berühmtesten Klassikers "La Dolce Vita" produzierte und wo Martin Scorsese 2002 für seinen Film "Gangs of New York" ganze Straßenzüge des historischen Manhattan nachbauen ließ, herrscht seit einigen Jahren gähnende Leere.

Auf dem riesigen Areal werden nur noch einige wenige Seifenopern und TV-Shows für italienische Privatsender produziert. Die große Zeit italienischer Filmproduktionen ist vorbei. Geblieben sind beeindruckende Szenografien. Nicht nur aus Scorseses Alt-New York. Zu besichtigen sind nachgebaute antike Paläste und Tempel, das 7000 Quadratmeter große Wasserbecken, dass für Fellinis Film "Amarcord" errichtet wurde, mit einem täuschend echt aussehenden Firmament dahinter, ein mittelalterlich anmutender Stadtkern für einen Film über Franz von Assisi und vieles mehr. Cinecitta sei ein römisches Besichtigungserlebnis der besonderen Art, verkündete noch vor einem Jahr Claudio Mannese von dem Unternehmen Cinecitta Studios:

"Wir haben uns zur Öffnung der Studios und des Areals mit den noch erhaltenen Szenografien entschieden, um damit einem Bedürfnis seitens der Bevölkerung nachzukommen. Wir bekamen zahllose Anfragen von Leuten, die Cinecitta besichtigen wollen. Zum 150. Geburtstag der italienischen Staatsgründung und zum 74. Gründungstag von Cinecitta haben wir uns entschieden, unsere Pforten zu öffnen."

Wie gesagt: das war vor einem Jahr. Jetzt sieht das Unternehmen Cinecitta das ganz anders. Und das italienische Kulturministerium, dem die 1937 von Benito Mussolini errichtete Filmstadt einst gehörte, kann gegen die angekündigte Schliessung und Zerstörung nicht viel tun.

Auf die Barrikaden gehen nicht nur Angestellte und Arbeiter. In Cinecitta treffen wir Dante Ferretti. Der Szenenbildner ist dreifacher Oscarpreisträger. Seinen letzten Oscar erhielt er in diesem Jahr für die Ausstattung des Films "Hugo Cabret ":

"Ich bin erst gestern aus den USA zurück gekommen und habe durch Freunde erfahren, was hier los ist und so bin ich gleich gekommen. Ich spreche mich gegen diese verrückte Entscheidung aus. Was für ein Land ist das!"

Regisseur Nanni Moretti fordert, dass Cinecitta zum nationalen Museum erklärt wird, um es auf diese Weise zu erhalten. Eine Idee, der sich auch Filmschaffende wie Ken Loach, Claude Lelouch, Costa Gavras und andere Regisseure aus dem übrigen Europa und den USA angeschlossen haben. Ob Italiens Kulturminister Lorenzo Ornaghi ein offenes Ohr für diese Forderung haben wird, muss bezweifelt werden. Ornaghi bläst kulturpolitisch in das gleiche Horn wie seine Vorgänger unter Silvio Berlusconi. Und das bedeutet: sparen, sparen und nochmals sparen.

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Pracht und Verschwendung