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Fazit / Archiv | Beitrag vom 18.05.2015

"Unbequeme Orte" wie Prora auf RügenDarf man Urlaub in Nazi-Anlagen machen?

Jörg Haspel im Interview mit Sigrid Brinkmann

Der denkmalgeschützte Block II des früheren KdF-Seebades Prora steht am 01.04.2015 im Prora, einem Ortsteil von Binz auf der Insel Rügen (Mecklenburg-Vorpommern). Nach dem Verkauf der gewaltigen Immobilie durch den Bund an Privatinvestoren wurden in dem einst von den Nazis als "Seebad der 20000" geplanten, aber nie fertiggestellten Megakomplex die ersten Wohnungen, Eigentumswohnungen und Ferienwohnungen gebaut.  (picture alliance / dpa / Stefan Sauer)
Das ehemalige KdF-Seebad Prora wird umgebaut. Es entstehen Eigentums- und Ferienwohnungen. (picture alliance / dpa / Stefan Sauer)

Orte wie die gigantische Ferienanlage Prora oder die Waffenversuchsanstalt Peenemünde sind Orte, die uns an die Nazi-Zeit erinnern. Doch der gesellschaftliche Umgang mit ihnen ist nicht ganz einfach: Wie können wir Besucher an solche Orte holen und sie erhalten, ohne sie zu verharmlosen?

Es sind "unbequeme Orte", so werden sie von Museumsfachleuten genannt: Die einstige "Kraft-durch-Freude-Ferienanlage" Prora auf Rügen, der Flughafen Tempelhof in Berlin, das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg oder die Waffenversuchsanstalt Peenemünde. Der gesellschaftliche Umgang mit diesen Anlagen ist schwierig: Einerseits will man keinesfalls verbergen, wozu die Anlagen früher dienten, andererseits aber auch weiterhin Besucher an sie heranführen. "Das ist Teil der Vermittlung dieser historischen Denkmäler", meint der Landeskonservator von Berlin, Jörg Haspel. 

Im Kraftwerk Peenemünde wurde deshalb vor kurzem ein gläserner Aufzug in Betrieb genommen, der die Besucher zu einer Aussichtsplattform bringt, von der aus sie das Gelände überblicken können. "Diese Anlagen besitzen ein ganz außergewöhnliches Potenzial der Aufarbeitung deutscher Geschichte", meint Haspel. 

Doch es geht nicht nur um geschichtliche Bildung: Der Unterhalt solcher historischen Anlagen ist teuer und die Kommunen mittlerweile fast überfordert damit. "Die Großanlagen sind darauf angewiesen, einen Mix von Nutzungen zu ermöglichen", sagt Haspel. Doch ganz unumstritten sind solche Nutzungsformen auch unter Historikern nicht. Auf einer Fachtagung in Peenemünde diskutieren in diesen Tagen Historiker und Museumsfachleute darüber.

Jörg Haspel spricht im Interview mit Sigrid Brinkmann über das Thema. 

Mehr zum Thema:

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