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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 08.10.2009

Umweltbewusst einkaufen

Daniel Goleman: "Ökologische Intelligenz", Droemer Verlag, München 2009, 272 Seiten

Welche Produkte wirklich gesund sind, könnte mit Hilfe eines Punktesystems offenbart werden. (Stock.XCHNG / Sanja Gjenero)
Welche Produkte wirklich gesund sind, könnte mit Hilfe eines Punktesystems offenbart werden. (Stock.XCHNG / Sanja Gjenero)

Erkennt der Verbraucher die ökologische Bewertung eines Produktes auf einen Blick, dann wird er, so Golemans Überzeugung, weitaus bewusster einkaufen als bisher. Dann entwickelt er ökologische Intelligenz.

Wer möchte nicht gerne umweltbewusst einkaufen, Produkte erwerben, die unsere Umwelt nicht zerstören, ohne Kinderarbeit entstanden sind, und keine Giftstoffe enthalten, die uns schaden könnten?

Die meisten Verbraucher, davon ist der amerikanische Psychologe Daniel Goleman überzeugt, würden gerne ökologisch intelligent einkaufen, wenn sie es denn könnten. Nur fehlt es ihnen an Informationen. Beim Einkauf im Supermarkt jedenfalls ist guter Rat teuer. Auf den Packungen finden sich dann winzig klein, kaum zu entziffern, E-Nummern. Kein Mensch weiß, was sie bedeuten, außer dass sich dahinter irgendwelche chemischen Zusatzstoffe verbergen. Die Information hat keinerlei Wert und damit auch keinen Einfluss auf unsere Kaufentscheidung. Wir ignorieren sie.

Gäbe es ein einfaches Punktesystem, wie es Daniel Goleman in seinem Buch vorschlägt, könnte sich jeder Verbraucher im Supermarkt rasch über die Risiken informieren. Eine Zukunftsvision? Nicht ganz, denn in den USA hat sich jetzt eine gemeinnützige Organisation gegründet, die sich GoodGuide, also guter Führer, nennt und zahlreiche Produkte des täglichen Lebens nach ihrer Umwelt-, Sozial- und Gesundheitsverträglichkeit bewertet. Per Handykamera kann ein Verbraucher den Strichcode eines Produkts im Laden aufnehmen, an GoodGuide senden und erhält augenblicklich eine Punktebewertung.

Rot steht für riskant, gelb für annehmbar und grün für unbedenklich – jeweils nach Umwelt, Gesundheit und Sozialem unterteilt. Wer es genauer wissen möchte, kann sich per Internet auf der Homepage der Organisation dann ausführliche Informationen geben lassen. Das erinnert an die Stiftung Warentest und an Öko-Test. Beides scheint Goleman nicht zu kennen. Die Idee ist dieselbe. Der Verbraucher soll neutral und umfassend über den Gebrauchswert einer Ware informiert werden.

Das System ist sicherlich noch nicht ausgereift, aber es verkörpert ein Grundprinzip, das Daniel Goleman das ganze Buch durch dekliniert: radikale Transparenz. Erkennt der Verbraucher die ökologische Bewertung eines Produktes auf einen Blick, dann wird er, so Golemans Überzeugung, weitaus bewusster einkaufen als bisher. Dann entwickelt er ökologische Intelligenz. Seine Entscheidungen ziehen einen ganzen Rattenschwanz an Veränderungen nach sich, die das Buch in allen Einzelheiten erkundet, denn die Verbraucher haben große Marktmacht. Was sie im Regal stehen lassen, zwingt das jeweilige Unternehmen, sich nach umweltfreundlicheren Alternativen umzusehen, Produktionsprozesse zu ändern, auf riskante Inhaltsstoffe zu verzichten.

An Beispielen solcher Verbrauchermacht fehlt es nicht. Boykottaufrufe brachten zum Beispiel Nike dazu, ihre Zulieferer zum Verzicht auf Kinderarbeit zu verpflichten. Daniel Goleman setzt auf die Kräfte des freien Marktes statt auf staatliche Verbote und Vorschriften.

Voraussetzung ist stets einfache und leicht verständliche Information. Daran hält sich auch Daniel Goleman. Sein Buch ist gut aufgebaut, übersichtlich strukturiert, und dank vieler Beispiele leicht verständlich. Man kann seinen Gedanken mühelos folgen.

Besprochen von Johannes Kaiser

Daniel Goleman: Ökologische Intelligenz – Wer umdenkt, lebt besser
Aus dem Amerikanischen von Gabriele Gockel und Maria Zybak
Droemer Verlag, München 2009
272 Seiten, 19,95 Euro

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