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Profil / Archiv | Beitrag vom 07.05.2012

Umtriebig, ehrgeizig und kreativ

Die Bühnenbildnerin Heike Schuppelius

Von Vanja Budde

Haus der Berliner Festspiele
Haus der Berliner Festspiele (Berliner Festspiele)

Sie arbeitet in New York, Marseille, Kairo - und neuerdings als Profesorin an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. Die 42-Jährige Bühnenbildnerin Heike Schuppelius hat eine steile Karriere durchlaufen. Für das Theatertreffen in Berlin hat sie das Haus für das Festival gestaltet.

Heike Schuppelius läuft in gelber Lederjacke, dunklem Rock, türkisen Strumpfhosen und Stiefeln über eine Wiese. Sie steuert auf den Haupteingang des Hauses der Berliner Festspiele zu. Links davon hat sie einen halbrunden Erdwall aufhäufen lassen, Sitzflächen daraus geformt, Gras gesät: Eine grüne Treppe ist so gewachsen.

"Das Gras gibt's hier, wo man sich auch fragt, 'ist die jetzt immer da oder speziell für den Abend gemacht?'. Die den Platz ein bisschen schöner gestaltet und erinnert in der Anlage an die Bank unter der Linde, so einen Dorfplatz, wo man sich niederlassen kann."

Die Bühnenbildnerin hat sich von der Architektur des Hauses inspirieren lassen: Fritz Bornemann hatte 1963 dessen strenge kubische Formen und großen Glasflächen ein Stück weit von der Straße zurück gesetzt: Das Haus sollte nicht auffallen, sondern sein Inhalt. Eine Arbeitsweise, die der von Heike Schuppelius nahe kommt.

"Das ist ein großer Teil der Recherche, die ich vor Ort betreibe: Dass ich einfach gucke, was ist hier da und wie kann ich mit den Materialien und den Gegebenheiten vor Ort umgehen. Ohne jetzt zu künstlich etwas aufsetzen zu wollen. Sondern einfach mit den Dingen, die da sind – sie zu verlängern in den Raum, sie umzudrehen, in Frage zu stellen. Aber nicht - ich glaube nicht so viel neue Elemente dazu zu bringen."

Heike Schuppelius hat Architektur studiert: Einen Monat vor dem Mauerfall kam sie 1989 nach Berlin an die Hochschule der Künste. Aufgewachsen ist sie als Tochter eines Försters mitten im Wald in der hessischen Provinz. Liegt es an dieser Herkunft, dass das Thema Natur sich immer wieder in ihren Arbeiten findet?

"Wahrscheinlich ist es die Kombination meiner Eltern: Meine Mutter war immer sehr künstlerisch, handwerklich begabt und hat uns da ganz viel mitgegeben. Und mein Vater eher die Seite der Natur. Vielleicht ist es das, was ich mittrage und jetzt vereine in dieser Arbeit oder thematisiere immer wieder."

Hier am Haus der Berliner Festspiele sind es neben der weichen Grastreppe, die das Theaterpublikum an warmen Mai-Abenden zum Plaudern einlädt, laute Vogelstimmen vom Band und Vogelformen auf dem Dach, um den Frühling zu feiern.

Drinnen im Gebäude hat Schuppelius das Treppen-Thema fortgesetzt: Holzaufbauten an den Wänden bieten Sitzgelegenheiten und laden die Theaterbesucher dazu ein, sich auszutauschen.

"Ich glaube, man merkt in meinen Arbeiten schon noch, dass ich eigentlich Architektin bin oder dass mich die Architektur sehr fasziniert. In vielen Stücken spielt der Ort, wie ich ihn architektonisch vorfinde, erst einmal eine große Rolle für mich oder inspiriert mich für meine Ideen."

Doch in der Mitte ihres Architekturstudiums wurde Heike Schuppelius ungeduldig: Sie spürte immer deutlicher, dass sie ausprobieren wollte, umsetzten, was sie da immer nur plante. Und dass das im Bühnenbild viel konkreter und schneller möglich war.

"Es sind ja einfach viel kürzere Prozesse im Theater. In der Regel ist so eine Produktion drei, vier Monate und dann sieht man schnell ein Ergebnis. Was in der Architektur einen ganz anderen Zeitraum inne hat."

Heike Schuppelius sattelt um, bekommt prompt einen Preis für die beste Diplomarbeit mit anschließendem Stipendium in London. Seit 1999 arbeitet sie mit der Tanz-Choreographin Sasha Waltz zusammen, 2004 folgt der renommierte Rom-Preis der Villa Massimo. Klingt alles nach einer ebenso steilen wie ehrgeizig durchgezogenen Karriere.

"Naja, schon. Wenn ich eine Idee von etwas habe, dann will ich das auch umsetzen. Bestimmt bin ich da hartnäckig oder dickköpfig manchmal auch, aber viele Sachen haben sich einfach auch ergeben."

"Aber mir war es auch immer wichtig, zwischen diesen Theaterprojekten, in denen man dann ja wirklich viel Zeit in einer Black Box verbringt, wieder so einen ganz anderen Input zu haben. Ich habe maximal drei Projekte in einer Reihe gemacht und dann brauchte ich wieder etwas ganz Anderes, wo ich so richtig schöpfen kann wieder aus anderen Kulturen oder anderen Ländern, um dann wieder etwas Neues zu beginnen."

Sie arbeitet in New York, Marseille, Kairo und Athen. Beschäftigt sich mit Videoinstallationen und den verschiedenen Blickwinkeln der Menschen auf ihre Städte. Hat neuerdings eine Professur für Szenografie an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe inne. Doch die umtriebige 42-Jährige hat auch eine ganz andere Seite.

"Das fällt mir, mit zunehmenden Alter vielleicht, auch immer mehr auf: Dass ich eine Sehnsucht nach Natur habe. Ich habe mit meinem Mann und unserem Sohn über Jahre ein Haus auf Kreta ausgebaut. Und wir nutzen jeden Moment, da hin zu fahren und in der Natur zu sein. Und die Natur dort ist einfach wahnsinnig schroff. Man sieht da nichts Menschengemachtes. Das ist so wild, die Berge und das Meer. Und so unberührt noch."

Karriere, Kind, Mann und Haus auf Kreta: Hat sie alles erreicht, was sie sich erträumt hat. Kann es jetzt immer so weitergehen?

"Die Frage habe ich mir tatsächlich vor gar nicht so langer Zeit mal gestellt. Und ich finde, jetzt im Moment ist es gerade total spannend. Sowieso mit der Arbeit hier in Berlin. Aber auch durch diese neue Herausforderung in Karlsruhe: Da freue ich mich wahnsinnig drauf."

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